Ostfriesland voraus

Ostfriesland ist mehr als ein Reservoir für Witze. Für manche von uns könnte es zur neuen Heimat werden.

In der Krise hilft möglicherweise der Blick nach vorne. Licht am Ende des Tunnels könnte auch ein Umzug nach Ostfriesland sein.

Wind of Change

Von den Scorpions stammt das Lied „Wind of Change“ — das passt eigentlich auf so viele Situationen. Aber reden wir erst gar nicht um dem heißen Brei herum. Wie man möglicherweise beim lesen der Blogeinträge in den letzten Monaten mitbekommen hat, wuchs bei mir und auch bei meiner Frau die Unzufriedenheit zunehmend. Die Corona-Krise führte uns dann noch mal besonders deutlich vor Augen, dass es so nicht weitergehen kann. Es wäre mühselig, jetzt alles aufzuführen. Sich an Details und Kleinigkeiten abzuarbeiten. Fassen wir daher das große Ganze ins Auge. Wir sind fertig mit Köln, wir sind fertig mit Nordrhein-Westfalen.

Während sich das mit Köln schon seit zwei, drei Jahren abzeichnete, ist NRW jetzt dazu gekommen. Es ist nicht mehr mein Bundesland. Einiges liegt am Kurs in der Corona-Krise, aber es geht auch darüber hinaus.

Mittlerweile kenne ich einige Ecken in NRW – nicht nur die, wo ich gewohnt habe. Wenn man Köln hinter sich lassen will, sind zumindest meiner Frau und mir die Alternativen ausgegangen in diesem Bundesland. Ursprünglich hatten wir mal die Eifel als Option angedacht. Wirklich glücklich werden würden wir dort vermutlich nicht. Wir gehören da einfach nicht hin. Unser Herz schlägt für etwas anderes. Damit kommen wir dann zu Ostfriesland und Niedersachsen.

Emden als Teil von Ostfriesland

Stadtplan von Emden an der Pinnwand

Urlaub in Ostfriesland

Bisher kennen meine Frau und ich Ostfriesland nur vom Urlaub. Mittlerweile waren wir auf Borkum fünf Mal, über Ostern hätten wir eigentlich in Norden verbracht. Stattdessen — ach, reden wir nicht darüber und schauen lieber nach vorne.

Natürlich kennen wir den Unterschied zwischen Urlaub und Alltag. Auch ist ein Fleck nicht mit einer ganzen Region zu vergleichen. Wir haben aber, siehe oben, festgestellt, dass wir einfach nicht geeignet sind für eine Großstadt wie Köln — und das mit der Großstadt sei mal bei Köln so dahingestellt. Als vier größte Stadt in Deutschland kann sie mich jedenfalls nicht überzeugen.

Uns gefällt an Ostfriesland die Bodenständigkeit der Menschen. Frei von rheinischer Selbstüberschätzung und Selbsterhöhung. Die Lebenshaltungskosten sind selbst auf einer Insel wie Borkum niedriger als in Köln. Schließlich: Wir sind beide Landeier, Bodenhaltung bevorzugt. Wir reagieren allergisch auf zu viele Menschen in unserer Umgebung. Weniger ist mehr, was auch auf das kulturelle Angebot zutrifft.

Im vergangenen November waren wir in Emden. Nicht einfach so, sondern mit Hintergedanken. Uns gefällt die Stadt, auch wegen ihrer Nähe zu Borkum. Die Insel selber wäre natürlich ein Traum, aber dort wird es schwierig, eine Wohnung zu finden. Zudem ist die Auswahl an Schulen als Arbeitgeber für meine Frau etwas begrenzt.

Liebeserklärung an den Norden

Ostfriesland, für uns könnte das ein Neuanfang sein. Der Wunsch ist auf jeden Fall vorhanden. Die Liebeserklärung an den Norden von Mona Harrys hat uns beide verzaubert. Sie traf uns ins Mark. Ein Landstrich wie Ostfriesland, rauher, karger und mit dem Rücken zum Meer statt mitten drin in dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

An der Umsetzung unseres neuen Ziels arbeiten wir. Aber wie heisst es leider so schön: Die Mühlen der Bürokratie arbeiten langsam. Insbesondere die im Schulministerium NRW.

5 Kommentare

  1. Da drücke ich euch ganz fest die Daumen, damit die Bürokratie sich hier ein wenig sputet!
    Du hast übrigens zwei Merkmale aufgezählt, die mich hier im Bonner Raum ganz arg in meiner inneren Ruhe stören. (Umso mehr wird jeder, der sich angenehm benimmt, von mir mit Hurra begrüßt. Fast immer sind es ebenfalls Zugereiste. Zufall?)

    Einen schönen Wochenbeginn, auch, falls die Sonne gerade eine Auszeit nehmen sollte!
    (Hier ist es trüb und kühl. Die Natur sagt Ahhh! und erholt sich.)

    1. So, jetzt eine Antwort mit etwas Verzögerung. Nach dem Umbau hier war der Kommentarbereich noch nicht in Ordnung. Ich habe ja die These, dass einige der Zugereisten Kölner extrem merkwürdig sind und Köln einfach nur falsch verstanden haben.

  2. Wen es für euch passt, dann macht das! Finde ich gut! Dieses Biotop für Bekloppte ist sicher nicht jedermanns &-fraus Sache. Die rheinische Mentalität auch. Mir hat eine Anpassung an sie durchaus Vorteile gebracht, mein Leben zu gestalten, wie es mir gefällt. Aufs Dorf kriegt mich keiner mehr. ( Deutsche Nordsee habe ich nach unserer letzten Reise im Oktober auch abgehakt. ) Aber eure Siedlung ginge mir auch auf die Nerven, mir reichen schon die Leute die mein Haus passieren mit ihrer selbstgefälligen Überheblichkeit.
    Ich wünsche euch alles Gute und vor allem deiner Frau viel Glück mit den Schulbehörden.

    1. Deutsche Nordsee ist bei uns mehr ein Traum. Wobei, ideal wäre aus unserer Sicht Irland — aber das ist dann ein ganz anderes Thema. Im Übrigen trifft es „selbstgefällige Überheblichkeit“ extrem gut. Davon haben wir hier in der Siedlung zu viele.

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