Grob geschätzt ist etwa die Hälfte oder mehr der Menschen in Deutschland vernünftig während der Corona-Krise. Ein paar Gedanken zum Rest und Fest.

Sonne verbrennt Hirn

Zu viel Sonne auf den Kopf, das wussten wir schon als Kinder, kann sich negativ auf das Denkvermögen auswirken. Kontaktverbot und andere Maßnahmen zur Eindämmen der Ausbreitung von COVID-19 vertragen sich mit schlecht mit strahlendem Sonnenschein. Einen guten Beleg dafür gaben gestern rund 100 Kölnerinnen und Kölner ab. Sie protestierten in der Nähe des Aachener Weihers gegen die Regeln zu Eindämmung des Coronavirus. Unter anderem auch gegen das Kontaktverbot. Mit einem Großaufgebot der Polizei wurde die Demonstration aufgelöst.

Vielleicht haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt zu viel Sonne auch reichlich Desinfektionsmittel eingeatmet. Wie dem auch sei, Verständnis kann ich für sie nicht aufbringen. Das Mindeste sind meiner Meinung nach Geldbußen für den Unfug — auch um die Kosten des Polizeieinsatzes zu decken.

Was den Rest der Republik angeht, bin ich mir nicht sicher, ob sich die Hälfte der Bevölkerung an die Vorgabe hält oder ob es (hoffentlich) mehr sind. Zudem wissen wir alle nicht, ob wir die Hälfte oder mehr hinter uns haben und eine Lockerung bevorsteht. Die kommenden Tage werden es zeigen. Geht man nach der Dummheit der Menschen, die angesichts der Apple an Einsicht ja zu erwarten war, gibt es eher wenig Grund zur Hoffnung.

Warten auf die andere Hälfte

Warten auf die andere Hälfte

Bewohnt nur zur Hälfte

Kommen wir aber auf eine ganz andere Hälfte zu sprechen. Wir wohnen in einem Haus mit sechs Parteien. Davon war die Hälfte über Ostern nicht zu Hause. Ehrlich, was ist an „stay at home“ zu verdammt schwer zu verstehen? Selbst wenn die Nachbarn „nur“ bei Verwandten waren, erhöht es das Risiko einer Infektion für sie und für andere im Haus. Hinzu kommt, dass die Nachbarn alle kein Auto haben, sondern entweder mit einem Mietwagen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren.

Solidarität und Umsicht sieht meiner Meinung nach anders aus. Man darf sich wirklich ernsthaft fragen, was mit solchen Menschen eigentlich nicht stimmt. Würden sie aufwachen, wenn es jemanden in der eigenen Familie treffen würde? Wenn sie Weihnachten die Großeltern auf dem Friedhof besuchen? Ich weiß es nicht. Genauso wenig weiß ich, wie ich ihnen noch im Hausflur begegnen werde. Anschreien hilft nicht, obwohl mir mitunter danach zumute ist. An der Tür klingeln und zur Rede stellen — könnte man auch machen. Zumindest dann, wenn man müde Ausreden hören möchte.

Mein Kaffee ist mehr als zur Hälfte auf. Blicke ich nach vorne, so blicke ich auf eine Zeit, in der ich nicht mehr in Köln wohnen möchte und werde.

2 Kommentare

  1. Da packen sich momentan noch mehr an den Kopf, bei Twitter ist vor allem was los. Immerhin weiß man auf die Art, zu wem man künftig keinen Kontakt (mehr) pflegen möchte.
    Meine Befürchtung geht dahin, daß gerade die rücksichtslosen Hirnakrobaten noch glimpflich aus dem Schlamassel herauskommen. Jetzt zeigt sich (mal wieder) für mindestens eine Generation, wer so alles um einen herum Arschlochkinder sind.
    Aber sogar ich habe jetzt an Ostern mit mir hart ringen müssen, weil Sonnenschein und ab in den Wald. Nur: Um da hin zu kommen, braucht es keine Öffis als Virenmarktplatz. Ich müßte durch die Stadt quer durch, um erst einmal überhaupt hinzukommen! Von Volksverpetzer wurde herumgefragt, wie es uns so ginge mit dem Lockdown, was wir am meisten vermissen würden. Hab dann das mit dem Wald geschrieben. Zack! fanden sich direkt zwei „super-harte“ User ein. (Die ich dann, nett wie ich nun mal bin, gemeldet und gesperrt habe.)

    1. Ja, das ist auch meine Befürchtung. Die Rücksichtslosen werden wie so oft Glück haben. Etwa unsere Nachbarn, bei denen heute die schwarzarbeitende Putzfrau sauber gemacht hat — ist ja schließlich auch systemrelevant, wenn man zu bequeme ist, ein paar Woche lang selber eine 82 m2 Wohnung zu putzen.

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