Angestachelt durch die Empfehlungen der Leopoldina wollen viele Politiker Schulen wieder so schnell wie möglich öffnen. Normalität mit einem unverantwortlichen Risiko.

Schule trifft Wirklichkeit

Dass der Lockdown nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden kann, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Für die Wiederaufnahme der „Normalität“ gibt es unterschiedliche Szenarien, vorsichtigere Naturen sprechen von einem schrittweise wieder Hochfahren.

Immer öfter mehren sich die Stimmen und Signale, dass der Preis der Normalität für viele die Isolation der Risikogruppen sein könnte. Insbesondere jüngere und gesunde Menschen haben damit kein Problem, wenn älter so wie anfällige Menschen ihre Wohnung in den kommenden Monaten nicht verlassen dürften. Was an Kommentaren in den sozialen Netzwerken kursiert, erschreckt Menschen, die sich noch ein Rest von Mitgefühl bewahrt haben.

Normalität wird mehr denn je eine darwinistische Dystopie sein. Was den Bildungsbereich angeht, geht mir ein eigenes Szenario durch den Kopf. Zuerst lässt man die Oberstufenschüler wieder in die Schule. Dann in den Bundesländern, die von G8 auf G9 wechseln diejenigen, die noch nach G8 unterrichtet werden. Schließlich dann an allen weiterführenden Schulen die Schülerinnen und Schüler, die eigentlich nach G9 unterrichtet würden, die man aber erst nach den Sommerferien wieder in die Schule lässt und nach G8 unterrichtet. Im gleichen Zug würden dann auch die Grundschulen wieder geöffnet. Mich fragt man jedoch nicht. Die Empfehlungen der „Experten“ sehen auch genau umgekehrt aus.

Normalität ist Banane

Normalität ist Banane

 

Illusion der Normalität

Die Pläne zur Rückkehr in die Normalität der Leopoldina sehen vor, zuerst diejenigen wieder zu beschulen, denen man einen besonders besonnen Umgang mit Mundschutz und Atemschutz zutraute: Schülerinnen und Schüler der Grundschule

Gleichzeitig mit dem Primarbereich sollen Kindergarten und Kita wieder öffnen. Ganz deutlich merkt man, dass es hier primär um wirtschaftliche Interessen und die Beaufsichtigung von Kindern zwecks Arbeitsaufnahme der Eltern geht — nicht aber um Vermeidung von Infektionen.

In der Süddeutschen Zeitung online gibt es dazu einen Artikel, in dem von Schulen als „Durchseuchungsort“ gesprochen wird. Das trifft es ziemlich genau und wird gestützt durch eine Rundmail des Philologen-Verbands Nordrhein-Westfalen von heute.

Darin heißt es unter anderem, dass nur dann eine Aufnahme des Normalbetriebs zur Debatte stehen sollte, wenn unter anderem folgende praktischen Fragen geklärt sind:

  • Werden Hand-Desinfektionsstationen an allen Schulen zur Verfügung stehen?
  • Wie will der Dienstherr seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Bediensteten, insbesondere den Angehörigen der Risikogruppen, nachkommen?
  • Wie will er sicherstellen, dass die Angehörigen der Risikogruppen nicht dadurch gefährdet werden, dass ihre Ehe- und Lebenspartner(innen) zum Dienst, ihre Kinder zur Teilnahme am Unterricht verpflichtet werden?
  • Werden Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler auf COVID-19 getestet?
  • Wie sollen Schulen auf einen positiven COVID-19-Test reagieren?
  • Gilt die 2-Meter-Abstandsregel auch im Schulalltag? Wie soll das funktionieren?
  • Welche Schüler oder Schülergruppen werden im Fall einer nur teilweisen Wiederaufnahme des Unterrichts vorrangig in die Schule kommen?

Es wird oft und gerne über Schule und das Lehrpersonal gesprochen, aber viel zu selten mit ihnen. Die Befürchtungen und Ängste bezüglich des künftigen Schulbetriebs sind nämlich durchaus berechtigt.

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