Der neue Service PaketFuxx von Hermes klingt wie ein verführter Aprilscherz. Tatsächlich will man das System Ausbeutung auf die Spitze treiben.

Beim Nachbarn abgegeben

Jeder kennt zumindest vom Hören-Sagen Zettel wie diese: „Ihr Paket wurde beim Nachbarn ‚Keine Werbung‘ abgegeben“. Zumindest ich hatte bei vielen Bestellungen ziemlich viel Glück, auch wenn es ein paar Ausreißer gab. Aber Moment, Glück ist eigentlich der falsche Begriff. Dass eine Bestellung ordnungsgemäß zugestellt wird, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Nun, „eigentlich“ ist wohl ein Teil des Problems. Ein Problem, dass viel mit niedrigen Löhnen und extrem Arbeitsbelastung zu tun hat. Der große Teil der Dienstleister in diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es gibt Berichte von Zusteller, die sich keine Wohnung leisten können und ihm Fahrzeug übernachten. Wir als Online-Besteller sind auch mit daran Schuld, dass solche Zustände herrschen.

Wie dem auch sei, bestellt man was, ist man froh, wenn es auch ankommt. Egal mit welchem Paketzusteller es geliefert wird. Da nicht jeder von uns rund um die Uhr zu Hause ist, freut man sich auch, wenn Nachbarn die Sendung annehmen. Wobei Nachbarn im besten Fall bedeutet, dass sie sich auch tatsächlich in der Nachbarschaft befinden. Mit dem PaketFuxx von Hermes könnte sich das möglicherweise ändern.

PaketFuxx als neue Dienstleistung

Nachbar nicht angetroffen

Risiko PaketFuxx

Hier bei uns im Haus ist es eine Selbstverständlichkeit, für Nachbarn Pakete anzunehmen. Das passiert natürlich ohne Gegenleistung. Wenn die Nachbarn noch der Paketdienst bezahlt einen dafür. Hermes möchte Letzteres mit seinem PaketFuxx in Zukunft ändern. Noch läuft das Ganze als Pilotprojekt nur in Berlin, Nürnberg, Leipzig und Dresden.

Was sich hinter PaketFuxx verbirgt, ist schnell erklärt. Laut Eigenaussage von Hermes handelt es sich dabei um „ein Netzwerk von hilfsbereiten Menschen, die oft zu Hause sind und gerne Pakete für Ihre Nachbarn annehmen.“ Ein Schelm, wer dabei an Hartz-IV Empfänger denkt.

Wer sich die App für Android oder iOS installiert, kann selber Fuxx werden. Stellvertretend für seine Nachbarn nimmt er künftig deren Pakete entgegen. Und nicht nur das, auch Retouren werden über ihn zurückgesendet. Pro Paket erhält er dafür von Hermes sagenhafte 30 Cent. Falls man gerade im Urlaub ist und nicht sofort seien Sendung beim „Nachbarn“ abholen kann — klein Problem, der Fuxx bewahrt es 10 Tage lang auf.

Selbstverständlich trägt der Fuxx das volle Risiko. Ist die Sendung beschädigt, verschwindet aus unerklärlichen Gründen oder was auch immer beim „Paket aufgeben“ (der Name sagt es ja bereits) schief gehen kann — der Fuxx ist dran.

Und für die Hermes-Boten wird es auch nicht besser. Sie können zwar künftig via PaketFuxx die Zustellung schneller entsorgen, aber dafür wird man ihnen mehr in den Wagen parken.

3 Kommentare

  1. Geht es nur mir so, oder empfinden es auch andere als Affront, was mittlerweile auf dem Rücken der Gesellschaft ausgetobt wird?
    Ich bin sowas von erbost!!!
    Hast Du mir einen Link dazu? Weder bei tagesspiegel, noch bei FAZ oder ZON wird darüber in den Übersichten berichtet. Allumfassend ist Corona. (Und dann, längst überfällig, die Beobachtung der AfD.)

  2. Danke schön,
    und direkt möchte einem doch eine Ader platzen… (Keine Angst, dafür hänge ich zu sehr an meinem kleinen Leben.)
    Es stellt sich schon mal die Frage, warum ein Unternehmen, das in HH registriert ist, in weiter entfernten Städten seine Idee ausprobiert. (Das ist so eine typische Franziska-Frage, verbunden mit der Vorstellung eines Lynchmobs vor Ort, bei Nichterfüllung der eigenen hehren Ziele. Hüstel.) Wenn man mal schaut, es sind zwar alles große Städte, aber auch schön weit weg.
    Vor allem liest es sich wie eine riesen ABM. Juristisch in Sachen Haftung, sehe ich schwarz für beide Parteien. Die Vergütung ist auch vom good will abhängig („Die Vergütung für den PaketFuxx wird zwischen uns und dem Zustellunternehmen geregelt.“) Apropos Vergütung, wie meldet man sowas dann beim Finanzamt an: Als Nachbarschaftshilfe mit ungewissem Ausgang? Damit ist jetzt auf die 1 bis 10 Pakete pro Tag abgezielt. Da kommt schon die Vermutung um’s Eck, man wird im schlimmsten Fall als ungemeldetes Gewerbe gehandelt.
    Hier sitzt grad jemand Kopf schüttelnd. Wir brauchen vermutlich auch keine Wette abzuschließen, weil sich garantiert ein paar willige Geister finden werden, die genau das mitmachen.

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