In Deutschland leiden 2,55 Millionen Kinder unter Armut. Oft verbinden sie ihre Kindheit mit einem Leben als Außenseiter.

Bewegende Reportage

Die digitale Ausgabe der Süddeutschen Zeitung von diesem Wochenende bekam ich bereits wie üblich am Abend zu vor. Freitag, meine Frau und ich saßen beim Abendessen. Ich las die Reportage Ich bin so frei auf Seite drei. Immer wieder liefen mir dabei Tränen übers Gesicht. Es geht in dem Artikel um Kinderarmut. Um einen Elfjährigen, der zum Jugendamt ging, weil er seine Familie verlassen wollte. Im Kinderheim blühte er dann richtig auf, bezeichnet die Heimleiterin als Mutter.

Es ist die sehr bewegende Geschichte von Jeremias Thiel. Mittlerweile ist er ein junger Mann von 18 Jahren und studiert in den USA. Dass er das kann, das ist eine Geschichte der Selbstbefreiung. Auch ist es ein Beispiel, was Jugendämter und Kinderheime im Idealfall leisten können. Wie ihr Beitrag zum Kindeswohl aussehen kann, wenn alles gut verläuft.

Auf der anderen Seite geht es auch darum, was es heißt, in Deutschland in Armut aufzuwachsen. Aufzuwachsen bei Eltern, die ihrem Erziehungsauftrag nicht nachkommen können, weil sie selber mit dem Leben überfordert sind.

Wir machen uns es mitunter zu leicht, leugnen eventuell sogar, dass es in einer reichen Industrienation wie Deutschland überhaupt Armut, gar Kinderarmut gibt. Schließlich sind wir Stolz auf unser soziales Sicherungssystem. Aber leistest es tatsächlich genug? Der Bericht auf der Webseite der Malteser ist ernüchternd.

Keine leuchtende Kindheit

Keine leuchtende Kindheit

Folgen von Kinderarmut

Die Folgen von Kinderarmut sind vielfältig. Eine davon ist die ungleiche Chancenverteilung. Nicht immer nimmt das Leben eine positive Wendung wie bei Jeremias Thiel. Es gehört eine enorme persönliche Stärke dazu, sich selbst aus dem Sumpf der Kinderarmut zu befreien.

Selbst wenn es einem gelingt, bleibt man doch ein Leben lang Kind seiner Eltern. In dem SZ-Artikel wird es besonders an der Stelle deutlich, wo es um das von Thiel geschriebene Buch geht. Selbstverständlich stößt er damit bei seinen Eltern auf Unverständnis. Bis hin zu dem Punkt, dass sie glauben, der Junge hätte sich das alles nur eingebildet. Auch wenn es harmlos daher kommt und der Vater sagt, Jeremias habe eben so als Kind empfunden. Den Kontakt zu seiner Mutter hat Jeremias abgebrochen. Persönlich würde ich es sogar verstehen, wenn er den Kontakt zu beiden Elternteilen abgebrochen hätte.

Für mich ist es gut nachvollziehbar, was man in seiner Minderheit alles durchmachen muss, wenn man Pech hat. Wie man von seinem Vater verprügelt wird. Oder wie man für Kleinigkeiten mit Stubenarrest bestraft wird.

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