Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Erneut sind einem rechtsradikalen Terroranschlag in Deutschland Menschen zum Opfer gefallen. Die Tat in Hanau wirft eine Reihe von Fragen auf.

Idylle am Main

Hanau, eine Stadt im Rhein-Main-Gebiet mit rund 94.000 Einwohnern. Besonders auffällig ist sie für Ortsfremde bisher nicht gewesen. Sie liegt am Main, bis zur Großstadt Frankfurt sind es lediglich 12 Kilometer. Mit ein paar mehr Einwohner würde Hanau zur Großstadt werden, wohl nicht aber bekannter dadurch. Das man jetzt von der Stadt spricht, hängt mit einem rassistisch motivierten Terroranschlag zusammen.

Von einer Idylle am Main konnte man aber wohl auch vorher schon nicht sprechen. So war mir etwas völlig unbekannt, dass dort „Die Republikaner“ mit fünf Sitzen im Stadtrat vertreten sind. Dabei dachte ich immer, diese rechtsorientiert e Partei gäbe es schon längst nicht mehr. Dennoch, die beiden großen (ehemaligen) Volksparteien, SPD und CDU, halten sich dort noch wacker.

Als Ortsfremder kann man nur spekulieren, Vergleiche anstelle. Die Stadt wird sich eher kaum von anderen Mittelstädten unterscheiden. Sie hat ihre Geschichte, Schicksalsschläge und ein Einwohner unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtungen. Der Terroranschlag am vergangenen Mittwoch hätte genau so einem anderen Ort in Deutschland stattfinden können. Ohne Vorwarnung, überraschend, hinterhältig und feige. Die Opfer waren sich keiner Gefahr bewusst.

Allerdings stellt sich die Frage, wie überraschend der Anschlag für die Sicherheitsbehörden in unserem Land wirklich war. Gab es Anzeichen, Vorwarnungen, auffällige Verhaltensweisen des Täters? Hinterher ist man immer klüger — ein Satz, der keine Gültigkeit für die haben sollte, deren der Schutz der Bevölkerung obliegt.

Verantwortung für die Tat in Hanau übernehmen

Wo liegt die Verantwortung für Hanau?

Terror made in Hanau

Es gibt keinen Terror made in Hanau. Wie bereits beschrieben, die Stadt hat keine Auffälligkeiten, die sie prädestinieren für eine solche Tat. Neun tote Menschen sollte uns eine neuerliche Mahnung sein, Fragen zu stellen. Nicht die, warum ich hier die Mutter des Täters und ihn selber nicht mitgezählt habe. Auch nicht die, ob die Opfer einen Migrationshintergrund hatten oder nicht.

Eine der Fragen wäre, wie viel man hätte vorher wissen können über den Täter und die Wahrscheinlichkeit, dass er zum Mörder wird. Eine Tat mit offensichtlich fremdenfeindlichem Hintergrund passiert nicht aus heiterem Himmel. Der 43-jährige Tobias R. galt als Sonderling, fiel aber aufgrund seines unauffälligen Verhaltens durch das Raster der Sicherheitsbehörden. Er war weder als Rechtsextremist bekannt noch als jemand, der einen Terroranschlag plante. Sollte das zutreffend, führt es zwangsläufig zur nächsten Frage.

Wie kann sich eine Gesellschaft in so einem Fall schützen? Wir können weder die Gedanken kontrollieren noch in die Zukunft blicken, um Taten vorab zu verhindern. Aber wir können an andere Stelle ansetzen. In dem wir uns etwa fragen, warum der Umgang mit potenziell tödlichen Schusswaffen als Hobby bezeichnet wird und Sportschützen offensichtlich nach wie vor ohne größere Problem an einen großen Waffenschein gelangen. Ein Dokument, dass ihnen den privaten Besitz von Schusswaffen und dazugehöriger Munition erlaubt.

Mutvoll entgegentreten sollten wir auch den rechtsnationalen Brandstiften von der AfD und anderen Parteien und Vereinen. Sie sind es, die den Boden bereiten für Täter wie Tobias R. Auch wenn er Einzeltäter war, seine Gedankenwelt verbindet ihn mit Rassisten deutschlandweit.

Eine Antwort

  1. Alles richtig. Bei den Waffen bin ich skeptisch. Wie Halle und der letzte Fall der 12 Verhafteten gezeigt hat, sind dort selbstgebaute Waffen (Internet) schon gang und gäbe. Schätze, es wird nicht mehr lange dauern, dann sind 3D-Drucker soweit, dass sie gebrauchsfähige Waffen drucken. Geht ja heute schon, nur mit hohem finanziellen Aufwand. Wir müssen mehr aufeinander achten. Aber das sagt sich so leicht. Die Gesellschaft läuft eher auseinander. So wird man diesen Appell in den Wind sprechen.

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