In wöchentlichen Prospekten werben Supermärkte mit ihren Sonderangeboten. Jetzt wurde die Kette real selber verschleudert.

Alles hin

Einmal drin, alles hin. So oder ähnlich lautet der Werbespruch der Supermarktkette real. Jetzt ist sie selber hin. Zumindest stehen die Zeichen auf Sturm. Schauen wir aber erst mal zurück.

In meiner Kindheit und Jugend gab es die Supermarktkette real noch nicht. Allerdings einen Markt namens divi, der im Ortsteil Wesel-Obrighoven lag. Für mich war es damals ein Ort mit magischer Anziehung. Die Lebensmittel interessierten mich nicht, dafür aber ein Bereich in der Spielwarenabteilung. Sicher, das Vedes-Fachgeschäft in der Innenstadt von Wesel hatte mehr zu bieten. Dafür gab es bei divi von Kenner das gesamte Star Wars Sortiment. Meine erste Figur „Chief Chirpa“ kaufte ich kurz nach dem ich im Kino „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ gesehen hatte. Es war mein erster Star Wars Film.

Zusammen mit einem Freund ließ ich dort viel Geld, aber der AT-AT blieb immer außerhalb der Reichweite. Als ich zum Studium nach Bielefeld zog, wurde aus dem divi dann real. Während sich für mich einiges änderte, wird wohl für die Angestellten damals das meiste gleich geblieben sein. Mein erstes WG-Zimmer lag so, dass ich die Wahl hatte zwischen Kaisers (eine Supermarktkette, die mittlerweile Geschichte ist) und Marktkauf. Bei ihm gab es Papiertüten für die Einkäufe, die keine Griffe hatten und daher eigentlich eher für Autofahrer geeignet waren. In der ersten eigenen Wohnung lag dann nur noch ein Kaisers zum einkaufen in der Nähe. Das änderte sich bei der zweiten Wohnung dann. Jetzt lagen ein Jibi Markt (mittlerweile Combi) und ein real in Reichweite.

real — alles hin

Alles drin, alles hin

Ausverkauf wird real

In Bezug auf das Angebot machten meine Frau und ich immer unsere Witze. „Einmal hin, alles drin“ — oft fehlte dann doch etwas, oder aber die Qualität deckte sich nicht mit unseren Ansprüchen. Im Großen und Ganzen jedoch war real der Supermarkt unserer Wahl. Wie bequem wir es hatten, wurde uns erstmals nach dem Umzug nach Köln bewusst. Viele kleiner REWE-Supermärkte mit zum Teil uneinheitlichem Sortiment. Alles drin stimmte selten. In einem der drei Kölner real Supermärkte haben wir nie eingekauft. Daher bekam ich auch die aktuelle Entwicklung vor Ort nicht mehr mit.

Ende 2009 in Bielefeld konnte man bereits sehen, wohin die Reise geht. Bei einem Konzernumbau wird immer zuerst an den Mitarbeitern gespart. Auch diesmal wurden diese knallhart über den Tisch gezogen. Im paritätisch besetzt Aufsichtsrat beim Mutterkonzern konnte bezüglich des Verkaufs von real an einen russischen Oligarchen-Sohn keine Einigung erzielt werden. Die Arbeitgeberseite stimmte mit zehn Stimme dafür, die Arbeitnehmerseite mit genau so viel Stimme dagegen. Ausschlaggebend wurde dann die Zweitstimme des Aufsichtsratschefs Jürgen Steinemann, der damit für den Verkauf stimmte. Dazu gibt es Presseartikel mit Überschriften wie „Zum Schlachthof geführt“.

Mitarbeiter und Marke

Neuer Eigentümer der 276 real Filialen wird die SCP Gruppe. Der hat bereits durchscheinen lassen, wie es weiter gehen wird: gar nicht. Das Filialnetz soll zerschlagen und die Einzelteile zum Teil an Mitbewerber verscherbelt werden. Was sich noch irgendwie lohnt, wird umgebaut und unter anderem Namen weiter betrieben. Der Rest wird geschlossen.

Das die Marke selber verschwindet und die Supermärkte unter einem anderen Namen laufen, ist eigentlich eher unerheblich. Vielleicht ein spannendes Feld für Werbeagenturen, den neuen Namen aufzubauen. Wirklich schlimm ist es für die über 34.000 Mitarbeiter, die in eine ungewisse Zukunft blicken. Wer wann mit seiner Entlassung rechnen muss, ist nicht klar. Wohl aber, dass in jedem Fall Köpfe rollen, nicht nur in der bisherigen Düsseldorfer Hauptverwaltung von real.

7 Kommentare

  1. Das ist schlimm. Konnte oder wollte dem keiner einen Riegel vorschieben?
    An Kaisers kann ich mich noch gut erinnern! Der erste Supermarkt in unserem Dorf, nicht zu unübersichtlich und eben noch sehr geprägt von „jeder kennt jeden“. Beim ersten Wohnen in Bonn kamen dann auch direkt heimatliche Gefühle auf – bis mir die Schnodderigkeit der MitarberInnen ziemlich auf die Nerven ging. (Mittlerweile ist ein netto drin, die Schnodderigkeit ist geblieben.) In Göttingen erst, habe ich dann real kennengelernt. Göttingen hat direkt zwei davon; bei einer Stadt mit so vielen Studenten neben all den Einwohnern, macht es vermutlich Sinn. Für meinen Damaligen und mich war es nach einem langen Tag im Büro (er) und in der Uni (moi) vielleicht nicht unbedingt perfekt, dafür kam man nicht total entnervt daheim an.
    Jetzt wohne ich wieder in Bonn und vermisse real, ganz ehrlich, selten. Eingetauscht wurde er durch Einkaufsrunden, wie man sie früher noch machte. Das ist natürlich in einer hektischen Welt ein Luxus, sich Zeit zum Einkaufen zu nehmen.
    Es ändert nichts daran, daß es mir für die real-Mitarbeiter leid tut, was da jetzt auf ihre Kosten veranstaltet wird.
    War da nicht außerdem etwas mit einer russischen Supermarktkette, die sich in Deutschland etablieren will oder wollte? Wenn ja, bekäme die Zerschlagung von real noch ein weiteres Gschmäckle hinzu.

    1. Ja, diese Einkaufsrunden habe ich hier in Köln auch angefangen zu hassen. Es ist ja nicht so, dass man zum Zeitvertreib shoppen geht, sondern die Dinge des täglichen Bedarfs (wie es so schön heisst) möglichst schnell und effektiv einkaufen möchte.

      Von einer anderen Supermarktkette, die evtl. real hätte übernehmen können, ist mir nichts bekannt. Dafür aber eine ziemlich trostlose Sicht auf das, was noch so zum Mutterkonzern Metro gehört. Um Mediamarkt und Saturn ist es nämlich auch nicht gut bestellt.

  2. Moment, von Hassen ist bei mir nicht die Rede. Mir hilft es nämlich mit dem kaputten Genick wieder beweglich zu werden, mit Tempo aber nicht brutal, einkaufen zu gehen. Und – nach diversen Ärzten mit deren Aussage von Erschöpfung bis Burn Out – ganz entspannt. Dann dauert es eben länger.
    Oder wir haben uns beide eben ganz schrecklich fehlverstanden.

    Das geisterte auch nur mal eben so herum 2018/ 2019 und tauchte auch nie wieder auf. Dachte ich. Ein Blick in Doktor Goggel: https://www.focus.de/finanzen/news/ts-markt-sibirische-supermarkt-kette-will-deutschland-erobern_id_9754129.html
    Den Link habe ich uns eben mal herausgepickt, weil es etwa der Zeitraum ist, als mir das vor die Augen kam.

    1. Wohl missverstanden. Hass ist wohl auch der falsche begriffe. Ich mag es beim Einkaufen einfach kompakt, alles an einem Ort. Von A nach B zu laufen, in dichtem Gedränge einkaufen, mit schlecht gelaunten Mitmenschen an der Kasse ist eher nicht mein Ding. Und laufen beziehungsweise wandern in frei Natur ohne Einkaufspreis gefällt mir persönlich besser.

  3. Wahre Worte! Weshalb jetzt auch mit Spannung beobachtet wird, ob sich auch dieses Jahr Wandergruppen aus dem näheren Umfeld finden. Wußtest Du, das zwischen Meckenheim und Bornheim seit letztem Jahr eine Apfelroute eingerichtet wurde? Es wäre doch schade, diese nicht zu beachten.

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