Rassismus kommt nicht immer mit einem Paukenschlag. Oft schleicht er sich leise heran. Unabhängig davon ist er hartnäckig wie ein Virus.

Virus mit Folgen

In Frankreich gab es jetzt das erste Todesopfer durch den Corona-Virus. Ein 80-jähriger chinesischer Tourist verstarb. Neuste Zahlen aus China sprechen von über 60.000 Infizierten. Zudem sollen bereits 1.400 Menschen dem Virus zum Opfer gefallen sein.

Selbst die alltägliche Bequemlichkeit Unbekümmerte ist betroffen. Ebenso wird etwa in einigen Foren bereits über Auslieferungsverzögerungen diskutiert, wenn Produkte und Waren aus China stammen. Bei vielen Kickstarter-Projekten ist dies der Fall. Die Abhängigkeit einer globalisierten Wirtschaft wird spürbar. Sie lässt sich durch einen Virus empfindlich stören.

Genauso wie die Frage, ob es auf eine Pandemie hinauslaufen wird, steht die Frage nach dem Verursacher im Raum. Verdächtigungen und Vorwürfe treffen dabei auf einen fruchtbaren Boden für Rassismus. Das hört sich vielleicht erst mal merkwürdig an. Der Zusammenhang ist jedoch schnell hergestellt. Dazu ein paar Begebenheiten aus Köln. Eine Kollegin meiner Frau am Gymnasium ist Koreanerin. Sie erzähle meiner Frau von einer ganzen Reihe Vorfälle, die sich seit dem das Thema Corona-Virus hochkochte, zugetragen haben. In der Fußgängerzone wurde ihr von wildfremden Leuten Sachen zugerufen wie „Schlitzauge“, „Sching Schang Schung“ oder „Ni Hao“ — Letzteres war nicht freundlich gemeint. Auch Schülerinnen und Schüler verhalten sich ihr gegenüber abweisend bis sonderbar.

Rassismus als Gefahr

Schnell entflammbar

Corona-Virus beflügelt Rassismus

Eine Freundin der Kollegin wurde in der Öffentlichkeit gefilmt und als „Scheiß Chinesin“ beschimpft. Das Video von diesem Vorfall wurde anschließend in einem sozialen Netzwerk geteilt. Ihre Schwester wurde unterwegs mit zwei Freundinnen ihn der KVB von sieben Männern angepöbelt worden. Das setzte sich auch an der Haltestelle fort. Als drei andere Männer schlichtend eingreifen wollten, kam es zu einer Schlägerei zwischen den Männern. Selbst auf der Polizeiwache ging das noch weiter.

Im Unterricht meiner Frau täuschen Schüler Husten vor, insbesondere dann, wenn zuvor ein asiatisch stämmiger Mitschüler eine Wortmeldung hatte. Über ein sehr extremes Beispiel wurde in der Kölner Tagespresse berichtet. Der Vorfall ereignet sich im „Heng Long Asia Supermarkt“. Von Facebook-Eintrag der Betreiber stammt folgende Auszug eines Posts dazu:

Ein Mädchen kam mit ihrer Mutter ins Geschäft rein. Sie wollte anscheinend einen neuen Rekord für den schnellsten Einkauf brechen. Sie hat ihrer Tochter gesagt, bitte zieh deinen Schal vor das Gesicht. Die Tochter fragte ob hier alle Chinesen krank sind. Sie hatte nicht darauf geantwortet. Es war ihr wohl peinlich, dass andere es gehört haben.

Verallgemeinerungen führen zu Diskriminierungen, die wiederum zu Rassismus führen. Nicht jeder Asiate ist Chinese, nicht Chinese stammt aus der Stadt Wuhan und nicht jeder von dort ist automatisch infiziert.

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