Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der Coronavirus breitet sich über die Grenzen Chinas hinaus aus. Trotz erster Fälle in Deutschland bleibt die Massenpanik aus.

Erstaunliche Gelassenheit

Als ich die ersten Meldungen über den Coronavirus in China die Runde machten, saß ich gemütlich bei Frühstück. Ich las vom Virus in der Süddeutschen Zeitung, nahm es zur Kenntnis. Eine erstaunliche Gelassenheit angesichts einer potenziell tödlichen Bedrohung. China ist weit weg, dachte ich mir. Das trifft allerdings lediglich geografisch zu. Tatsächlich ist China nämlich näher, als wir denken. Das iPad am Frühstückstisch — designed by Apple, hergestellt in China. Wie so viele andere Produkte auch. Das 5G Netz in Deutschland? Möglicherweise bald aufgebaut unter Beteiligung von Huawei, einem chinesischen Konzern mit Kuschelnähe zum Staat. Der Unterdrücker der Meinungsfreiheit habe im Land der Mitte einen langen Arm. Das durfte auch der Fußballer Mesut Özil erfahren.

Gelassenheit ist also nicht nur angesichts des Coronavirus fehl am Platz. Bleiben wir aber beim Virus. Selbst wenn der Virus nur China betroffen würde, würden wir die Auswirkungen auch in Europa spüren. Ein Stillstand der chinesischen Fabriken trifft uns aufgrund unserer Abhängigkeit alle. An wirtschaftliche Folgen zu denken angesichts von Todesopfern ist allerdings zynisch. Ein Menschenleben wiegt mehr als Einschränkungen der eigenen Konsumgewohnheiten.

Üben für den Coronavirus

Ausbreitung als Simulation

Nach dem Coronavirus

Direkt durch den Coronavirus beeinflusst sind Reiseziele in China. So ist etwa der Besuch der verbotenen Stadt derzeit nicht möglich. Ebenso gesperrt sind bestimmte Region und Teile der Chinesischen Mauer. Das trifft nicht nur Einheimischen, sondern auch Touristen. Genau diese können sich mit dem Virus infizieren. Genau wie Reisende aus China nach Europa und anderswo werden zu Überträgern, die das Virus weiter verbreiten.
Erstaunlich gut zeigt diesen Vorgang etwa das Videospiel Plague Inc. — obwohl der Titel bereits älter ist, explodieren gerade wieder die Downloadzahlen. Ein Spiel und keine wissenschaftliche Abhandlung. Dennoch, man lernt etwas dabei. Genau so wie beim Brettspiel „Pandemie„.

Einer der Unterschiede zwischen Spiel und Wirklichkeit ist der eigene Handlungsspielraum. Die Realität lässt dem einzelnen Menschen nicht viele Optionen. Man kann sich darüber informieren, welche grippeähnlichen Symptome auf eine Ansteckung mit dem Virus hinweisen. Sich vielleicht vorsorglich aus der Apotheke eine Atemschutzmaske besorgen. Jeden Kontakt mit anderen Menschen zu meiden ist auch noch eine Möglichkeit. Unangebracht ist in jedem Fall, voreilig mit dem Finger in eine Richtung. Panikattacken beim Vorschlag, doch am Abend mal chinesisch essen zu gehen, sind ebenfalls fehl am Platz.

Die Gesundheitsämter sprechen von einem eher niedrigen Risiko, sich anzustecken. Wobei ein Restrisiko nicht ausgeschlossen wird. Was hilf, Ansteckungen zu vermeiden, sind die Klassiker. Hände waschen, Hand (am besten mit Taschentuch) vorm Mund beim Niesen und Husten. Verhaltensweisen, die man früher schon Kinder unabhängig von drohenden Viren beibrachte.

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