Gudrun Pausewang verstorben

Gudrun Pausewang verstorben

Vergangenen Donnerstag verstarb im Alter von 91 Jahre die Schriftstellerin Gudrun Pausewang. Ein paar Gedanken zu ihren Büchern.

Abschied von einer Mahnerin

Letztes Jahr im Sommer starb mit 81 Jahren Christine Nöstlinger. Genau wie sie hatte Gudrun Pausewang eine ganz bestimmte Art, Kinder und Jugendliche in ihren Büchern anzusprechen. Eine eingängige, aber nicht aufdringliche Sprache. Mahnen, ohne erhobenen Zeigefinger. Während Nöstlinger mir als Leser Mut machte, trafen die Mahnungen von Gudrun Pausewang einen Nerv. Zugegeben, als Kind beziehungsweise Jugendlicher las ich nur zwei Bücher von ihr. Zum einen „Die letzten Kinder von Schewenborn“ und dann noch „Die Wolke“.

In beiden Büchern geht es um radioaktive Strahlung und deren Folgen. Dabei entsteht diese in „Die letzten Kinder von Schewenborn“ durch einen Atomkrieg während in „Die Wolke“ ein Reaktorunfall dafür verantwortlich war.

Mich hat es damals ziemlich aufgewühlt. Zudem führte es zu einer immer noch nachklingenden Angst. Keine irrationale Angst, sondern berechtigt. Nach wie vor ist sowohl ein schwerwiegenderer Reaktorunfall genau so möglich wie ein Atomkrieg. Technisches Versagen, menschliches Versagen — oder einfach nur ein Irrer an der falschen Stelle. Damals wie heute reicht das aus.

Persönlich stelle ich mir an dieser Stelle die Frage, ob Gudrun Pausewang mit ihren Büchern nicht zu weit ging. Ob die Bücher eventuell nicht das Richtige waren für die Zielgruppe.

Gudrun Pauswange verstorben
Die Wolke(n)

Vermächtnis von Gudrun Pausewang

Anders formuliert, was kann und darf man Kinder und Jugendliche zumuten? Statt allgemein möchte ich es an dieser Steller erst mal für mich selber beantworten. Die Lektüre der beiden oben genannten Bücher von Gudrun Pausewang waren eine Zumutung für mich. Es hat mich geprägt, ein Stück weit sogar zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Die „Zumutung“ hat mich kritisch werden lassen und führte dazu, technische Entwicklungen in Bezug auf ihre Risiken zu hinterfragen. Nichts einfach hinnehmen, nicht blind vertrauen. Das ist bei mir auch ein Verdienst von Gudrun Pausewang.

Daher glaube ich an die Notwendigkeit von „Zumutungen“. Kinder und Jugendliche sollte nicht im Wolkenkuckucksheim aufwachsen, sondern erfahren, was um sie herum passiert. Und auch mitbekommen, welche Bedrohungen es gibt, die ihre Zukunft beeinflussen.

Der große Verdienst von Autorinnen wie Gudrun Pausewang liegt darin, für ihr Lesepublikum eine zugängliche Sprache zu finden. Es vor allem auch ernst zu nehmen. So lesenswert Bücher wie „Harry Potter“ auch sind, für die Entwicklung zur Persönlichkeit ist so was wie „Die Wolke“ enorm wichtig. Die Lektüre führt im besten Fall zu Kindern und Jugendlichen, die sich einmischen. Und hoffentlich später zu Erwachsene, die das nicht vergessen und sich in ihrer Bequemlichkeit eingerichtet haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren