Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Beim dritten Mal gab ihm die Sekretärin von O. nicht mal mehr eine Antwort. Sie legte einfach auf.

Genauso wie eine Seifenblase platzte der Traum von Rösch, ein Interviewtermin mit O. zu bekommen. Die Absage traf ihn unmittelbar und hart. Mittlerweile stand bereits die dritte leere Bierflasche auf seinem Schreibtisch. Rösch ging ins Badezimmer, um sich den Mund durchzuspülen. Etwas Menthol sollte reichen. Dann zog er sich etwas Frisches über, wobei er den erforderlichen Duschgang übersprang.

Unten in der Küche lag die Tageszeitung auf der Anrichte. Hastig blätterte Rösch darin, bis er den Termin für die Ausstellungseröffnung fand. Heute würde O. in der Kunsthalle seinen Auftritt haben. Vermutlich mit Sektempfang und Schnittchen zum anfassen. Möglicherweise ließe sich da O. abfangen und zu einem Interview überreden.

Die Tür knallte ins Schloss, als Rösch ohne weiter nachzudenken raus stürmte. Vor der Kunsthalle gab es einen großen Andrang. Security stand vorm Eingang und ließ nur geladen Gäste der Ausstellungseröffnung hinein. Der Rest erhoffte sich O. zumindest für einen Moment zu sehen. Der stand drinnen bereits an einem der Stehtische mit einem Sektglas in der Hand und grinste.

Für Rösch gab es keine Chance, rein zu kommen. Die Security gab sich knallhart. Ein zwei Meter Gorilla-Weibchen bügelte ihn schroff ab. Keine Einladung, kein Einlass. Dann knisterte es in ihrem Funkgerät. So erfuhr Rösch im Abgang, in welchem Hotel O. nächtigen würde.

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