Rösch saß im Salondeck an einem Tisch für sich alleine. Vor ihm Stand ein Teller mit Grünkohl, Kassler, Salzkartoffeln und einer Kohlwurst. Für einen gebürtigen Rheinländer wie Rösch gab es nur eine Art und Weise, Grünkohl zu machen. Eine Kohlwurst gehörte definitiv nicht ins Gericht.

Während die grüne Masse auf seinem Teller zunehmend kälter wurde, überflog Rösch Seite um Seite im Liebesroman „Ostfriesenherz“. Das neuste Buch seiner Lebensgefährtin besserte nicht seine Stimmung. Vor Anspannung traten die Falten um seinen Mund deutlicher hervor. Zusammen mit seinen Tränensäcken und dem bereits schütterem Haar vervollständigten sie das Bild, welches Rösch auch von sich selber hatte. Ein Mann, dessen beste Jahre bereits hinter ihm lagen.

Mit einem Seufzer warf Rösch das Buch auf den Tisch und verfehlte nur knapp den Grünkohl. Kurz rieb er mit beiden Händen durchs Gesicht, wie um einen schlechten Traum loszuwerden. Dann stand er auf und nahm den Roman wieder an sich.

Auf dem Oberdeck wehte ihm der kalte Wind entgegen. Sein Mantell flatterte. Eine schlotternde Gruppe Raucher frönte aneinandergedrängt ihrer Leidenschaft. Ohne weiter nachzudenken, warf Rösch Ostfriesenherz über Bord. Das schlug aufs Wasser, dann verschluckten es die Welle. Wenn sich nur alles so einfach lösen ließe, ging es Rösch beim Zusehen durch den Kopf.

Dann traf er eine Entscheidung. Mit seinem Handy rief er eine Borkumer Nummer an.

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