Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Als Rösch von Bord ging, wartete das Taxi bereits auf ihn. Die Kleinbahn inklusive Koffer-Tetris überließ er den Urlaubern. Ein schweigsamer Ostfriese fuhr ihn bis zum neuen Parkplatz, wo Rösch ausstieg. Leichter Nieselregen empfing ihn. Mit hochgeklappten Mantelkragen und seinen Händen in den Manteltaschen überquerte Rösch die Fahrbahn und bog in die Westerstraße ab.

Im Edeka auf der Franz-Habich-Straße griff er im Weinregal nach einem weniger vertrauenserweckenden Chianti. An der Kasse fiel sein Blick auf die Tageszeitungen. Auf einer von ihnen blickte ihn seine Lebensgefährtin entgegen. Ein Interview mit ihr anlässlich ihres neuen Romans. Rösch bedauerte, keine zweite Flasche gekauft zu haben. Immerhin konnte er sich beherrschen und ließ den Drehverschluss der Weinflasche noch zu. Zielstrebig nahm er über die Bismarckstraße den kürzesten Weg zum Strand.

Der Nieselregen nahm an Heftigkeit zu, als die Schuhe von Rösch zum ersten Mal im Sand versanken. Nur hart gesottene Menschen trieben sich überhaupt über ihm auf der Promenade herum. Am Strand selber quälten sich lediglich zwei Hundebesitzer mit ihren Vierbeiner.

Rösch versuchte, einen zielstrebigen Eindruck zu hinterlassen, als er nach rechts Richtung Dünen abbog. Mittlerweile bekam der Regen Begleitung durch die einsetzende Dunkelheit. Es knackte, als Rösch den Drehverschluss der Flasche aufmachte. Ein tiefer Schluck machte nicht nur das Wetter erträglich.

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