Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Beschwerden führender Brettspielverkäufer über die Diffamierung des Enkeltrick häufen. Von einer Preispolizei ist die Rede.

Warnung vor Preisen

Stellen wir uns mal folgende Situation vor. Die Polizei Bielefeld würde bei Facebook in der Gruppe „Bielefeld“ vor Betrügern warnen, die Senioren in der Vorweihnachtszeit mit dem Enkeltrick um ihr Erspartes erleichtern. Mit folgender Masche. Ein 89-jähriger Mann erhält einen Anruf:

Ja hallo, ich bin`s, deine Enkelin. Ich hatte einen Unfall, bin verletzt, aber es geht mir gut. Ich war auch nicht Schuld. Aber die andere Frau, die muss operiert werden. Wir wollen das ohne viel Tamtam regeln. Und das kostet Geld…!
Quelle: Polizei NRW / Der Enkeltrick

Daraufhin bricht bei Facebook ein Sturm der Entrüstung los. Der richtetet sich nicht die dreisten Betrüger, sondern gegen die Polizei. Es hagelte Kommentare wie „muss doch jeder selber wissen, ob er darauf reinfällt“ oder „so ist das nun mal in der Marktwirtschaft“. Am besten „tolle Idee, versuche ich auch mal.

Dann löscht die Administratorin der Facebookgruppe den Beitrag über den Enkeltrick. Selbstverständlich mit Begründung. Es sei eine Gruppe für den netten Austausch untereinander, da wären solche Hinweise wie die der Polizei unangebracht. Das hört sich freilich alles an den Haaren herbeigezogen an. Fakt ist jedoch, beim Enkeltrick Handel es sich um Betrug.

Kies abziehen mit dem Enkeltrick

Kies abziehen mit dem Enkeltrick

Betrug nicht nur mit Enkeltrick

Beim Enkeltrick geht es eindeutig darum, dass sich anderer auf Kosten von leichtgläubigen Menschen bereichern wollen. In dieser Hinsicht hat der Enkeltrick etwas gemeinsam mit so manchem Verkaufsangebot bei Facebook. Gerade bei Brettspielen fällt es auf, mit welcher Dreistigkeit dort Angebot eingestellt werden. Wucherpreise sind noch eine sehr euphemistische Bezeichnung, wenn etwa eine Erweiterung für Terra Mystica statt für 3,40 Euro für 10 Euro zuzüglich Versandkosten angeboten wird. Diesen Erweiterungsbogen habe ich auch zu Hause liegen. Es gab ihn vor vier Jahren auf der Spielmesse als kostenlose Dreingabe beim Kauf der Terra Mystica Big Box.

Ja, Angebot und Nachfrage gibt es — aber daraus leitet sich nicht ein Recht zum Wucherpreis. Davon spricht man im Übrigen, wenn der Verkaufspreis den Marktpreis um mehr als das Doppelte übersteigt.

Beschämend fand ich bei der Sache dann noch, dass ein freundlicher Hinweis auf den doch etwas hohen Preis in den Kommentaren zum Artikel Konsequenzen hatte. Zunächst wurde der Hinweisgeber ermahnt, solche Preishinweise doch in Zukunft zu lassen. Dann, wenig später wurde sein Kommentar vom Administrator der Gruppe gelöscht.
Zugegeben, es ist ein weiter Bogen vom Enkeltrick bis zu diesem Vorfall. Für mich aber ist die Vorgehensweise im Umgang mit Hinweisen befremdlich.

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