Deutschland kann endlich wieder aufatmen. Auch hierzulande steht die Tabakwerbung vor dem Aus. Ein Positionspapier der Union macht es möglich.

Jährlicher Blutzoll

Die Gefahren des Rauchens kann man im Grund nicht mehr schönreden. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. So lassen sich etwa 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückführen. Rauchen gilt auch als die bedeutendste Ursache für chronische Lungenerkrankungen. In Deutschland sterben jährlich 121 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, wie im Tabakatalas des Deutschen Krebsforschungszentrums nachzulesen ist. Es ist ein informativer Bericht, der kein kalt lassen sollte. Interessant ist das Datum der Veröffentlichung, denn er stammt aus dem Jahr 2015. Vier Jahre sind vergangen — in Bezug auf Tabakwerbung hat sich in Deutschland wenig geändert.

Meinem persönlichen Eindruck zu folge aus den Beobachtungen hier in Köln hat das Rauchen weiter zugenommen.
Erst jetzt, kurz vor Ende des Jahres 2019 hat die gemeinsame Fraktion aus CDU und CSU im Bundestag ein Positionspapier beschlossen. Mittlerweile scheint man sich auch in der Union klar darüber geworden zu sein, dass Tod durch Lungenkrebs nicht nur ein persönliches Problem zu sein scheint:

Die volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums werden mit knapp 100 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Wenn etwas Geld kostet, versteht man bei der Union nicht mehr so viel Spaß. Also geht es jetzt der Tabakwerbung an den Kragen.

Tabakwerbung verursacht Lungenkrebs

Durch Rauchen abgestorben

Steuereinnahmen versus Tabakwerbung

Ganz vorurteilsfrei sollte man sich einfach die Zahlen auf der Zunge zergehen lassen. Durch die Tabaksteuer erzielt der deutsche Staat jährlich Einnahmen in Höhe von rund 14 Milliarden. Zieht man die Folgekosten des Konsums davon ab, bleibt ein Verlust von 86 Milliarden im Jahr. Da wird man auch gerne in der CDU und CSU zur Verbotspartei, auch wenn es eigentlich dem Selbstverständnis widerspricht.

In anderen europäischen Länder ist Tabakwerbung längst untersagt. Nur in Deutschland konnte die Tabak-Lobby bisher erfolgreich weitgehende Maßnahmen zur Einschränkung des Konsums verhindern. Trotz des nun drohenden Verbots der Tabakwerbung wird man aber weich laden. Schließlich wird die Plakatwerbung für klassische Tabakprodukte erst ab 2022 verboten werden. Für E-Zigaretten sogar erst 2024. Die Toten bis dahin verbucht man wohl unter „Kollateralschäden“.
Ganz ehrlich, eigentlich wäre ein Verbot sämtlich Tabakwerbung ab dem 1. Januar 2020 sinnvoll. Vermutlich wollte man aber niemanden das nahe Weihnachtsfest versauen, auf dem neben Rauchwaren auch andere schädliche Produkte wie Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol zum Einsatz kommen. Nicht wenige haben wie Volker Kauder Angst vor einer Verbotsspirale.

Meiner Meinung nach reicht ein Verbot der Tabakwerbung tatsächlich nicht aus. Insbesondere zum Schutz der Nichtraucher müssen neue Wege beschritten werden. Rauchverbote etwa an Bahnhöfen sind sinnfrei, wenn die Einhaltung nicht überwacht wird.

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