Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Aufgrund akuter Bedrohung eigener Besitzstände ist eine Thunberghysterie ausgebrochen. Betroffen davon sind vor allem alte, weiße Männer.

Chemieindustrie versus Greta Thunberg

Ohrfeigen sind und wahren noch nie ein probates Mittel der Erziehung. Dennoch, bei machen Leugnern des Klimawandels würde man sich gerne hinreißen lassen, Ohrfeigen zu verteilen. Möglicherweise verbunden mit der Hoffnung, auf diese Weise Menschen zur Einsicht zu bringen — wenn es Wissenschaft, Argumente und Fakten schon nicht können.

Im Zeitalter des Klimawandels und tapferen Kämpferinnen wie Greta Thunberg muss zwischen plumpen Leugnern und geschickten Agitatoren unterscheiden. Gemeinsam haben sie lediglich eine Art Thunberghysterie. Die junge Frau dient ihnen als Vorlage, um sich dran abzuarbeiten.

Insbesondere in den sozialen Medien scheint „Thunberg“ zu einer Art Reizwort geworden zu sein, welches nicht nur bei alten, weißen Männern hysterische Gegenreaktion provoziert. Meiner Meinung ist einer der Hauptgründe für diese Thunberghysterie massive Angst, sich selber und sein Handeln zu hinterfragen.

Allerdings gibt es auch Menschen wie Christian Kullmann, den Favorit für den Präsidentenposten beim Chemieverband VCI. Wie seine persönliche Thunberghysterie aussieht, konnte man am vergangenen Dienstag in der Süddeutschen Zeitung lesen. Seine Aussagen im Interview empfinde ich persönlich als Provokation. Er verteidigt die Chemieindustrie, also ob diese Vorreitern in Sachen Umweltschutz wäre.

Thunberghysterie und Klimalüge

Thunberghysterie und Klimalüge

Symptomen der Thunberghysterie

Die Chemieindustrie habe Nachhaltigkeit immer im Auge gehabt, sagt Kullmann. Daher seien die Vorwürfe von Klimaaktivisten falsch. Seine Meinung gäbe es eine Klimahysterie. Bevor mich weiter an seien Aussage abarbeite, möchte ich noch mal betonen, für welchen Konzern Christian Kullmann zur Zeit arbeitet: Evonik

Hier sollte man genau nachlesen, was das für ein Konzern ist. Noch vor wenigen Jahren waren die heutigen Geschäftsfelder ein Bereich des Konzerns, der sich RAG AG nannte (ehemals Ruhrkohle AG). Zufälligerweise kenne ich die, denn ich habe für eine Zeit lang für ein Tochterunternehmen gearbeitet. Steinkohlebergbau und Nachhaltigkeit? Hold my beer! Das Evonik als „weißer“ Konzern dasteht, hat er einigen Umstrukturierungen zu verdanken. Unter anderem wurden etwa die Ewigkeitskosten für abgewickelte Zechen in eine Stiftung überführt. Geht der das Geld aus, haftet – nun ja, wir alle.

Wieder zurück zum eigentlich Thema und der Thunberghysterie. Christian Kullmann empfindet das, „was Greta Thunberg mitunter sagt, als unverfroren“. Für ihn ist das Hysterie und Polemik. Und schließlich würde er doch arbeiten um seinen beiden Töchtern eine Zukunft in einer intakten Umwelt zu ermöglichen. Das kann und will ich so nicht glauben. Nur weil man Kinder hat, ist man nicht automatisch ein Umweltschützer, der an die Zukunft seines Nachwuchses denkt und so handelt. Sonst sähe die Welt schon längst ganz anders aus.

Wie viele andere alte, weiße Männer will Christian Kullmann Verantwortung übernehmen — nur nicht für das, was zum Klimawandel geführt hat. Von einer Klimahysterie zu sprechen, halte ich für unverfroren. Genau so wie die Vertuschung der Folgen von Chemieunfällen in Drittländern.

Eine Antwort

  1. Wieso nur taucht die Meldung vom Chemieunfall in Rouen direkt im Gedächtnis auf? Nach den täglichen Meldungen, was da – eventuell – in Kontakt mit der Umwelt getreten ist, schwang dann irgendwie auch immer mit, wie ungefährlich in Wirklichkeit alles sei. Warum nur vermag ich sowas nicht zu glauben? Hmmm!

    Die Reaktionen lassen erahnen, wie sehr sich gewisse Kreise bedroht sehen müssen. Erst war Frau Thunberg alleine, und nach nur einem Jahr sind es viele, und es sind auch noch Erwachsene anbei. Die kann man ja schlecht als Kinder bezeichnen und zurück in die Schulen schicken.

    Beste Grüße
    Franziska

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