Linsensuppe nach Oma Erna

Linsensuppe nach Oma Erna

Prüfstein für jeden angehenden Hobbykoch ist die Hausmannskost. Gerichte wie Linsensuppe erfordern Erfahrung und Feingefühl.

Was Oma wusste

Meine Oma Erna gehörte zur Generation Hausmannskost. Wilde Experimente ganz es in ihrer Küche nicht. Das Verrücktestes, zu dem sie sich einmal hinreißen ließ: selbst gemachte Croûton aus Toastbrot für eine Tomatensuppe. Essen war bei ihr solide, was eine ebenso solide Haushaltsführung einschloss. Selbstverständlich gab es eine gute gefüllte Vorratskammer, denn der Krieg konnte ja jederzeit wieder ausbrechen. Sparsam wollte man aber nicht sein. Ganz gut kann ich mich an einer Ermahnung von ihr erinnern, als ich die Butter dünn aus Brot strich, wie ich es von meinen Eltern her kannte. „Junge, wir sind doch nicht im Krieg!“

Dass meine Oma unschlagbare gute Hühnersuppe kochen konnte, versteht sich von selber. Mit ihrer Erbsensuppe und Linsensuppe hatte ich dagegen als Kind so meine Schwierigkeiten. Wie vermutlich viele entdeckte ich Hausmannskost erst später für mich als Erwachsener. Oft wird sie abgestempelte als einfaches Essen, aus wenigen und günstigen Zutaten. Daran ist nichts verwerflich. Hausmannskost ist etwas, was uns erdet, uns an unsere Wurzeln erinnert.
Allerdings ist Hausmannskost nichts, was sich mal eben locker und schnell kochen ließe. Die Gerichte mögen nicht raffiniert wirken, aber in ihnen stecken eine Menge teuflischer Details. So etwas wie Linsensuppe klingt easy. Wenn man aber nicht weiß, das die Linsen mit Salz nicht weich werden, wird man beim kochen scheitern.

Linsensuppe nach Oma Erna
Linsensuppe nach Oma Erna

Schnelle Linsensuppe

Gestern stand Linsensuppe bei uns auf dem Plan. Das Rezept hatte ich im Internet gefunden, es mir aber erst bei der Zubereitung genau durchgelesen. Mir wurde dann recht schnell klar, dass „Omas Linsensuppe mit Würstchen“ in einem Desaster enden würde. Speck anbraten in Olivenöl. Klar mag ich Olivenöl, gehört aber genau so wenig in eine Linsensuppe wie Hühnerbrühe und Kreuzkümmel. Ganz nebenbei ist Speck nur eine sehr allgemeine Bezeichnung. Rückenspeck oder Bauchspeck, das wäre hier die Frage. Genauso wie die Kartoffelsorte nicht beliebig sein sollte. Also habe ich das Rezept komplett umgeschrieben und daraus wurde dann die „Linsensuppe nach Oma Erna“.

Zutaten
200 g Bauchspeck
1 große Zwiebel
3 EL Rapsöl
500 g Suppengrün
250 bis 300 g festkochende Kartoffeln
3 x 400g Dosen Tellerlinsen
1 getr. Lorbeerblatt
1 TL Gemüsebrühpulver
1 EL Essig
5 Wiener Würstchen
Salz
PfefferZubereitung
Bauchspeck fein würfeln. Zwiebel schälen und fein würfeln. Öl in einem großen Topf erhitzen und Speck und Zwiebel bei mittlerer Hitze glasig anbraten.<

Porree waschen und in dünne Ringe schneiden. Möhren und Kartoffeln schälen und würfeln. Sellerie schälen und ebenfalls Würfel. Petersilie abspülen, und fein hacken. Bis auf die Petersilie das Gemüse in den Topf geben und kurz andünsten. Dann mit 1,5 Liter Wasser ablöschen. Gemüsebrühpulver und Lorbeerblatt dazu geben. Alles zusammen bei mittlerer Hitze mit Deckel etwa 20 Minuten kochen, bis die Kartoffeln durch sind.

In der Zwischenzeit die Linsen aus der Dose befreien und abspülen. Nach 20 Minuten zusammen mit den in Scheiben geschnittenen Würstchen und der gehackten Petersilie in den Topf geben. Weitere 10 Minuten bei schwacher bis mittler Hitze heiß werden lassen. Erst dann mit Salz, Pfeffer und Essig abschmecken.

Es ist nicht genau die Suppe, welche meine Oma Erna damals aus Linsen gekocht hat. Aber mit Sicherheit ist es eine, die ihr geschmeckt hätte. Vor allem aber eine, die auch Laien am Herd gelingen sollte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren