Prohibition in Deutschland

Prohibition in Deutschland

In den USA wurde die Prohibition von Alkohol nicht zu einem Erfolgsmodell. Genussfeinde in Deutschland schreckt das nicht ab.

Recht auf Rausch

Über ein Recht auf Rausch muss an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Meiner Meinung endet die Freiheit des Einzelnen immer dann, wenn sie andere Menschen oder die Gesellschaft als ganze beeinträchtigt. Dann müssen Grenzen gezogen und Regeln eingeführt werden. Die aber nur dann sinnvoll sind, wenn über deren Einhaltung auch gewacht wird.
Was das Thema Alkohol angeht, es ist etwas, was die Menschheit nahezu seit Anbeginn beschäftigt. Vermutlich ließe sich sogar die Menschheitsgeschichte aus der Perspektive des Alkohols neu interpretieren.

Unbestritten ist auf jeden Fall, welche Bedeutung Alkohol und insbesondere Bier und Wein streckenweise hatten. Wenn etwa sauberes Trinkwasser fehlte, wurde Bier als gesündere Alternative sogar von Kindern konsumiert.
Selbstverständlich ist Alkohol eine Droge, wie allen Substanze kommt es jedoch auch auf die Dosis an. Was in einigen Kulturen zu einer Ritualisierung des Rausches geführt hat.

Natürlich gibt es auch den einsamen Trinker und die Gefahren des übermäßigen Konsums von Alkohol möchte ich auch keinesfalls in Abrede stellen. Nur halte ich für Bestrebungen, die in einer Art Prohibition führen, für die falsche Antwort. Alkohol ist keine Antwort auf Probleme — aber auch nicht deren ursprüngliche Ursache. Das Alkohol keine Lösung ist, lassen wir mal an dieser Stelle beiseite, denn chemisch betrachtet ist Alkohol sehrwohl eine Lösung.

Prohibition in Deutschland
Folgen des Alkoholkonsums

Gefasel von Prohibition

Warum ich überhaupt zum Thema Prohibition schreibe, hat seine Ursache in einem Essay, welches am Samstag in der Süddeutschen Zeitung zu finden war. Christina Berndt, ihres Zeichens sogar Biochemikerin und SZ-Wissenschaftsjournalistin, schrieb über „Das letzte Glas“ – und versprach ein paar ernüchternd Fakten. Ernüchtern wirkte auf mich (und meine Frau, Biologin) eher der Artikel selber.

Nur sehr am Rande wurden ein paar Zahlen in den Raum geworfen. Der Text wirkt über weite Strecken wie ein Manifest der Abstinenzbewegung. Ich will die negativen Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum in keiner Weise kleinreden. Eine extrem genussfeindliche Haltung ist jedoch wenig hilfreich. Aus jeder Zeile winkt einem die Prohibition entgegen. Die Autorin ist bemüht, ausreichend Argumente zusammen zu tragen.

Ginge es nach ihr, wäre eine Einschränkung des Verkaufs ein erster Schritt. Kein Alkohol mehr an Tankstellen etwa, weil Autofahren und Alkohol nicht zusammen passen. Klar, man stimmt ihr zu. Das Minderjährige sich dort dann mit Alkohol eindecken, liegt aber nicht an der generellen Verfügbarkeit, sondern an fehlenden Kontrollen. Kennt man etwa aus Köln, wo es zwar ein Verbot von Alkoholkonsum in den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt, sich aber daran keiner hält — es gibt schließlich keine Sanktionen.

Konsum statt Kauf einschränken

Die Idee, den Verkauf von Alkohol in Deutschland ab 22 Uhr generell zu verbieten ist ein großer Schritt — in Verbotsgesellschaft. Genau so wie Überlegungen, Alkohol nur noch in speziell lizenzierten Geschäften zu verkaufen.
Vergleiche von Alkohol und Nikotin mögen zwar in Bezug auf die Gefährlichkeit legitim sein, sind aber in Bezug auf kulturelle Verankerung und Bedeutung keinesfalls gleichzusetzen. Historiker und Anthropologen können hier einen wertvollen Beitrag leisten.

Unsere Gesellschaft benötig weder eine Prohibition von Alkohol noch Einschränkungen über den bestehen Jugendschutz hinaus. Wohl aber Aufklärung über maßvollen Konsum.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren