Zalando OM

Zalando OM

Auch für Mitarbeiter von Zalando ist das Leben kein Ponyhof. Beim Onlineversender schreit man ganz offensichtlich nicht nur vor Glück.

Schickt sie zurück

Bei Zalando wirbt man mit „Europas größte Auswahl an Fashion & Trends“. Bestellt habe ich dort noch nie etwas, aber ich kennen deren Slogan „Schrei vor Glück! Oder schicks zurück.“. Den hatten sie eine ganze Zeit lang, bis das mit dem Zurückschicken überhand nahm. Eine hohe Rücksendungsquote ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal. Genauso wenig wie die Bewertungssoftware Zonar, die bei Zalando unternehmensweit im Einsatz ist.

Damit werden nicht etwa Kunden und ihr Rücksendeverhalten erfasst, sondern jeder Angestellte des Unternehmens. Mit Zonar bewerten sich die Mitarbeiter gegenseitig, ganz so, als wären sie selber Produkte. Die Bewertungen sind Grundlage für Beförderungen (im Unternehmen oder zurück auf den Arbeitsmarkt) und Gehaltsanpassungen — auch nach unten hin.

Ein Artikel dazu heute in der Süddeutschen Zeitung berichtete ausführlich über eine Studie der Berliner Humboldt-Universität zu den Auswirkungen der Personalbewertung. Mich erinnert das Ganze an Methoden der Staatssicherheit und die Arbeitsweise von inoffiziellen Mitarbeitern. Die spionierte zum Teil sogar ihre eigenen Familienangehörigen aus. Der Unterschied bei Zalando: Dort weiß jeder, dass er von seinen Kolleginnen und Kollegen überwacht und beurteilt wird. Besser macht es die Sache allerdings nicht.

Nicht bei Zalando bestellt
Nicht bei Zalando bestellt

Feedbackkultur bei Zalando

Was für die Firmenleitung eine „gelebte Feedbackkultur“ zu sein scheint, ist für andere die Fortsetzung von Mobbing mit digitalen Mitteln. Schon von diversen Bewertungsportalen im Internet ist bekannt, wie viel Missbrauch dort bei Bewertungen stattfindet. Gute Bewertungen als Gefälligkeit, schlechte als Instrument der Rache. Nicht anders ist es bei Zalando, wie sich aus der Studie ablesen lässt. Menschen sind einfach so. Man muss kein Experte sein und es bedarf auch keines so ausgefeilten Systems wie bei Zalando. Es reicht der ganze normale Wahnsinn im Betrieb oder Büro.

Nicht selten versuchen Menschen, Karrie auf Kosten anderer zu machen. Es gibt Kollegen, die den Neid auf sich ziehen. Genau so wie es Kollegen gibt, denen man am liebsten die Pest an den Hals wünschen würden. Ein Nebensatz in einem lockeren Gespräch mit dem Vorgesetzten. Oder die Bemerkung, die Kollegin würde so merkwürdig husten und lässt sich bestimmter „mal wieder“ krankschreiben.

Es soll sogar Menschen geben, die aus reiner Langeweile Kolleginnen und Kollegen denunzieren. Und erst recht, wenn für sie selber dabei Vorteile herausspringen. Mag sein, dass der Vergleich von Zalando mit der Staatssicherheit in vielen Punkten hinkt. Aber wenn Menschen Instrumente an die Hand gibt, die missbraucht werden können, dann wird das passieren.

Wir alle wissen zudem, dass Mitarbeiterbewertung nur in einer anderen, besseren Welt tatsächlich nur zur positiven Selbstverbesserung dient. Mitarbeiter motiviert man in jedem Fall anders.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren