Händler mit Ersteindruck

Händler mit Ersteindruck

Vier Jahre war es still in Sachen Terra Mystica. Zusätzlich steht das Spiel spätestens seit 2018 im Schatten seines Nachfolgers.

Altes Spiel aufgewärmt

Von Gaia Project heißt es, es sei „Ein Terra Mystica Spiel“ – so steht es jedenfalls groß auf der Spielschachtel. Als das Spiel auf dem Markt kam, gab es ein Gerangel bei BordGameGeek. Mittlerweile steht der Nachfolger vier Plätze im Ranking vor Terra Mystica (Board Game Rank 13). Unbestritten ist, dass Gaia Project an seinen fünf Jahre älteren Vorgänger anknüpft. Dabei wurde eine ganze Reihe von Veränderungen vorgenommen, die dem Spiel gut tun und Gaia Project nicht aufgewärmt, sondern frisch wirken lassen. Statt eines festen Spielplans kommen modulare Spielfelder zum Einsatz. Das Fantasy Setting wurde durch eine Weltraumthematik ersetzt — was nicht jedem gefiel. Meiner Meinung nach eines der besten neuen Element ist das Forschungstableau. Das hat anders als sein Gegenstück, der Kultplan bei Terra Mystica, einen echten Bezug zum restlichen Spielgeschehen. Bei nicht wenigen Spielerinnen und Spielern führte das zu einer Trennung — von Terra Mystica.

Bei mir blieb es im Regal, allerdings im Schatten des Nachfolgers. Selbst als die ersten Informationen zur geplanten Erweiterung „Die Händler“ auftauchten, sah ich keinen Grund, Terra Mystica noch mal auf den Tisch zu bringen. Warum auch, schließlich glaubte ich, Gaia Project würde mir besser gefallen.

Händler zur See
Händler zur See

Schweigen der Händler

Mit der neuen Händler Erweiterung gab es dann endlich einen triftigen Grund, Terra Mystica hervorzuholen. Allerdings musste meine Frau da etwas Druck machen, da sie auf eine zügige Abarbeitung des Pile of Shame besteht. Um für die Erweiterung vorbereitet zu sein, spielten wir am vergangenen Wochenende einige Partien des Grundspiels und waren doch recht erstaunt. Trotz des Nachfolgers fühlt sich Terra Mystica frisch an. Mittlerweile kann ich nicht mehr sagen, welches der beiden Spiele mir besser gefällt. Sie haben beide ein eignes Spielgefühl.

Wir waren dann beide gespannt, wie sich die Händler als Erweiterung spielen würde. Neu Rassen gibt es nicht in der zweiten Erweiterung, dafür aber zwei neue Spielpläne — neben einer Menge Material, was die Erweiterung im Eigentlichen ausmacht. Herzstück der Händler Erweiterung sind die Werften (dargestellt durch ein Holzmodell) und dazugehörige Schiffe. Die funktionieren nicht als Alternative zu den bereits bekannten Brücken, sondern man kann mit sich ihnen tatsächlich auf Wasserfeldern bewegen. Das ergibt dann in Folge drei neue Möglichkeiten für das Spiel. Angrenzend an ein eigenes Schiff darf ein Landschaftsfeld bebaut und falls erforderlich vorher umgewandelt werden. Man kann das eigene Schiff dabei aufgeben, um sich die Kosten für die Errichtung eines Wohnhauses zu sparen. Und schließlich lässt sich auch noch Handel treiben mit den Mitspielern. Dadurch erhält man Siegpunkte und weitere Boni, die abhängig sind vom Gebäudetyp, mit dem gehandelt wird.

Neues Spielgefühl

Durch „Die Händler“ ergibt sich bei Terra Mystica ein leicht anderes Spielgefühl. Gerade in den ersten Partien knirscht es allerdings noch etwas, da man mit den einzelnen Optionen noch nicht vertraut ist. Ein falsch gelegtes Hafenplättchen zu Spielbeginn oder Schiffe, die mitten im Nirgendwo vor Anker liegen, rächen sich schnell. Das mit Information vollgestopfte Werfttabelau ist leider nicht so eindeutig, wie das Material aus dem Grundspiel.
Hat man sich aber an die Erweiterung gewöhnt, sieht man Terra Mystica mit neuen Augen. Bisher hatten wir nach jeder Partie das Gefühl, eine kleine Geschichte erlebt zu haben — optisch sieht man das auch am Ende am Spielmaterial auf dem Spielplan.

Was uns im Übrigen nicht gefällt, aber das gilt für die erste Erweiterung Feuer und Eis gleichermaßen, sind die zusätzlichen Endwertungsplättchen. Dadurch wird die Punktzahl nur aufgebläht, ohne das sich insbesondere in Partien zu zweit an der Platzierung Wesentliches ändert. Sofern wir sie verwenden, dann als Ersatz für die Wertung der größten zusammenhängenden Siedlung.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren