Tapestry Ersteindruck

Tapestry Ersteindruck

Mit seinem neuen Brettspiel spalte Jamey Stegmaier die Fans in zwei Lager. Dabei könnte Tapestry durchaus als Zivilisationsspiel gelten.

Disclaimer Zivilisationsspiel

Zur besseren Einordnung meines Standpunktes nach drei gespielten Parteien, den ich unter „Ersteindruck“ verbuchen würde, ein paar einleitenden Bemerkungen. Die wichtigste voran: Mir persönlich hat Tapestry gut gefallen und freue mich auf weitere Parteien. Mehr dazu später.

Dreh- und Angelpunkt viele Bemerkungen zu Tapestry ist seine Einordnung durch den Verlag als Zivilisationsspiel. Immer wieder lese oder höre ich, es sei ja gar kein Zivilisationsspiel. Nun ja. Das aufzudröseln, ist eine durchaus heikle Angelegenheit, bei der man sich mitunter wenig Freunde macht. Schaut man sich bei BoardGameGeeek um, was alles an Titel unter dieser Kategorie geführt wird, fängt man zu staunen an. Titel wie 7 Wonders sind dort zu finden, Archipelago, Alien Frontiers und auch das nicht minder umstrittene Ancient Civilizations of the Inner Sea. Ja, und auch die Siedler von Catan.

Man könnte meinen, Zivilisationsspiel wäre ein Alias für Aufbauspiele, die irgendein Element habe, welches den Eindruck erweckt, man würde als Spieler eine Art Zivilisation kontrollieren und zum Sieg führen. Insofern dürfte sich Tapestry in jedem Fall in bester Gesellschaft fühlen. Mit Sicherheit es kein neues Mega Civilization und will es auch gar nicht sein.

Am Rande bemerkt: So gut ist (Mega) Civilization auch nicht — sagt einer, der das Spiel bereits seit 1988 kennt.

Kritikpunkte an Tapestry

Ein weitere an Tapestry geäußerte Kritikpunkt: Das Spiel sei überproduziert die, Wahrzeichen (Landmarks) sähen schick aus, hätten aber nur den Preis des Spiels nach oben getrieben. Einfache Pappteile hätten hier auch gereicht. Meiner Meinung nach, als Wargames, ist jedes Spiel, welches mehr als Pappteile hat, überproduziert. Aber Scherz beiseite, man kann an dieser Stelle stundenlang diskutieren. Die Wahrzeichen sehen toll aus, auch wenn sie keine besondere Funktion erfüllen. Sie nehmen nur Platz auf dem Tableau für die Hauptstadt ein. Das aber leider nicht immer so gut, denn gerade bei größeren Gebäude fällt es oft schwer, die abgedeckten Bereich genau zu identifizieren.
Im Übrigen, überproduziert sind eine ganze Reihe von Kickstarter-Titelen ehedem. Etwa auch die Deluxe-Ausgabe von Gentes. Wenn das Spiel als Zivilisationsspiel durchgeht, dann ist Tapestry in jedem Fall eins.
„Man puzzelt nur vor sich hin, bewegt sich auf Leisten und sonst passiert nicht viel“. Stimmt meiner Meinung nach auch nicht. Ich denke, viele Spielerinnen und Spieler haben möglicherweise Probleme mit Tapestry, weil sie entweder zu hohe Erwartungen hatten, oder aber Vergleiche zu anderen ihrer Lieblingsspiele ziehen.

 

Nomaden bei Tapestry
Nomaden hinterlassen Wahrzeichen

Butter bei die Fische

Was ist denn nun wirklich dran an Tapestry? Vor allem, was gefällt mir persönlich nach den ersten drei Parteien?

Das Spiel verzahnt mehrere Ideen zu, wie ich finde, einem originellen Mix. Im Kern ist der Mechanismus recht simpel. Man wählt in seinem Zug eine von zwei Aktionsmöglichkeiten aus. Entweder führt an eine Einkommensphase durch, oder schreitet auf einem der vier Fortschrittsleisten voran. Nach der fünften eigenen Einkommensphase endet das Spiel für den betreffenden Spieler. Alle anderen spielen so lange weiter, bis sie ihre fünf Einkommensphase durchlaufen haben.

Schon bereits dieser Punkt gefällt mir, denn es gibt eine ganze Reihe von Spielen, wo mich das überraschende Ende nervt. Man will noch so viel machen, aber weil irgendein ander Mitspieler etwas erreicht hat, ist das Spiel plötzlich für alle vorbei. Bei Tapestry entscheidet jeder für sich, wann er den Sack zu macht. Langweilig ist das auch nicht, den anderen Mitspieler weiter zuzusehen, wenn man selber bereits fertig ist. Ich für meinen Teil bin neugierig, was sie noch an Punkten rausholen können. Und mal ehrlich, es dreht sich am Spieltisch nicht nur um einen selber, sonst bräuchte man auch keine Mitspieler. Spielen ist ein soziales Event.

Aufbau einer Zivilisation

Etwas aus dem Fenster lehne ich mich eventuell mit der Behauptung, dass Tapestry mindestens zu sechzehn Partie verleiten wird. Genau so viele völlig unterschiedliche Zivilisation gibt es nämlich im Spiel. Die sind tatsächlich anderes und spielen sich auch anders. Dazu kommen die namensgebenden Tapestry-Karten, von denen man in der Regel auch nur vier pro Spiel ausspielt. Sie bringen der eigenen Zivilisation bestimmte Vorteile. Von ihnen gibt es 50 Stück, dabei sind nur sieben Trapp-Karten mehrfach vorhanden. Alle anderen sind einmalig. Dazu kommen noch 33 verschiedenen Technologie-Karten.

Die Varianz im Spiel ist entsprechend groß. Bei mir weckt das die Lust, einfach Dinge auszuprobieren. Natürlich gibt es keine echten Stufen, wo man vom ersten Menschen, der Feuer macht, zum Weltraumzeitalter voranschreitet. Es gibt kein Technolgie-Baum. Das haben viele anderen, so genannte Zivilisationsspiel aber auch nicht.

Die Ausbreitung der eigenen Gebäude auf der Karte ist nur Nebensache, heißt es. Stört mich jetzt nicht wirklich. Abgesehen davon gilt das nicht für alle Zivilisationen im Spiel, denn die Nomaden etwa können ihre Einkommensgebäude auf dem Spielplan platzieren, ebenso wie die Wahrzeichen. Und ja, es gibt keine aggressive Kriegsführung gegen seine Mitspieler. Außer Außenposten kippen, ist nichts drin. Gebiete mit zwei Teilen können gar nicht mehr angegriffen werden. Wahrscheinlich gibt es genügend Spielerinnen und Spielern, die genau das deutlich friedlichere Element zu schätzen wissen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren