Föhr erleben

Föhr erleben

Das Inselmarketing spricht von Föhr als friesische Karibik. Was wie eine maßlose Übertreibung kling, erklärt sich bei Sonnenschein von selber.

Zweitgrößte Nordseeinsel

Nach dem meine Frau und ich mittlerweile Borkum zu allen Jahreszeiten kennen, wollten wir in diesem Sommer unbedingt auf eine neue Insel. Auch wenn es reizvoll sein kann, die selbe Düne zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten zu fotografieren — meine Kamera wünschte sich ebenfalls Abwechslung. Bei der Auswahl des Urlaubsziels zogen wir mehrere Kriterien heran. Es sollte die Nordsee sein, eine Insel und auf jeden Fall deutlich größer als Borkum. Wir sind gerne und viel zu Fuß unterwegs, auf Borkum hätte daher nur die Option bestanden, bekannte Strecken andersherum zu laufen.

Die größte Nordseeinsel ist Sylt, aber ganz so versnobt sind weder meine Frau noch ich. Entsprechend viel die Wahl auf die zweitgrößte Insel. Sie befindet sich auch gerade noch so in der Reisereichweite, die wir beide uns zumuten wollen. Ökologisch korrekt sind wir nämlich mit dem Zug unterwegs, von Land zur Insel dann entsprechend mit der Fähre. In der Summe (ja, wir hatten wieder Verspätungen) waren wir dann etwas über knapp 10 Stunden unterwegs, um zur Ferienwohnung auf Föhr zu gelangen. Die letzten 35 Minuten hatten ich dann zu verantworten, denn ich glaubte, vom Hafen zur Wohnung zu Fuß gelangen zu können.

Strand auf Föhr

Erlebnisse auf Föhr

Das erwies sich allerdings als maßlose Unterschätzung der Entfernung auf Föhr. Mit Koffer und weiterem Gepäck sollte man in jedem Fall auf ein Taxi zurückgreifen. Die Ferienwohnung selber zeigte sich dann mit Dachschrägen und einem WLAN, bei dem EDGE sogar schneller ist. Immerhin mussten wir uns das Bett mit keinen Kellerasseln teilen, nur nachts hatte ich einmal einen Grashüpfer im Gesicht.

Anders als die Unterkunft erwies sich Föhr in kulinarischer Hinsicht als herausragend. So wenig wie in diesem Urlaub haben wir noch nie selber gekocht. Schon am Ankunftstag abends begeisterte uns die sydbar dermaßen, dass wir sofort den Reisestress vergaßen. In der Zeit auf Föhr haben aßen wir unter anderem großartigen Zwiebelkuchen unter Apfelbäumen (Im Apfelgarten), lernte die besten überbackenen Tortellini (Namine Witt) kennen und Ziegenkäse in unterschiedlichen Variationen schätzen. Auch Bäcker Hansen auf Föhr treibt einem die Freudentränen ins Gesicht. So gutes Brot wünsche ich mir hier in Köln auch mal essen zu dürfen.

Ein anderer Grund für die Auswärtsküche war aber auch die Einkaufsoption. Der REWE befand sich in 22 Minuten Entfernung zu Fuß von der Wohnung. Seine Werbung mit „Preisen wie auf dem Festland“ ist im Übrigen nicht korrekt. Ganz ehrlich, selbst bei den Eigenmarken von REWE zahlen wir hier in Köln mehr.

Schlafschaf
Schlafschaf

Auf dem Drahtesel

Mitte der ersten Urlaubswoche auf Föhr wurde uns bereits klar, dass wir ohne Fahrrad nur wenig von der Insel sehen würden. Ohne Vorabreservierung hatten wir unverschämtes Glück, noch zwei Räder für den Rest unseres Urlaubs ergattern zu können. Damit erweiterten sich unsere Möglichkeiten erheblich, so dass wir auch bequeme Föhr einzige Whisky-Distillery besichtigen konnten. Persönlich beeindruckt hat der Gedenkstein für Hans Rosenthal in Utersum.

Das Museum Kunst der Westküste sollte man während seines Urlaubs auf Föhr in jedem Fall besuchen. Beim Frisenmuseum in Wyk versäumt man jedoch nichts. Der wild zusammengetragenen Ausstellung fehlt einfach der rote Faden. Der Strand in Wyk ist recht überschaubar und recht schmal. Wer mehr will, sollte sich definitiv eine andere Insel aussuchen. In Nieblum sieht es etwas besser aus, aber hier hat man ohne Auto dann schnell ein Problem, das sich in den kleineren Dörfern dann noch deutlicher zeigt. Eine große Insel ist gut, aber Größe ist halt nicht alles.

Nach zwei Wochen steht für meine Frau und mich fest, dass Föhr definitiv eine tolle Insel ist, uns aber ein Urlaub drauf reicht. Im nächsten Jahr probieren wir eine andere Insel mit F aus.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren