Nominierungen sind krasse Kacke

Nominierungen sind krasse Kacke

Die Auszeichnung mit dem Preis Spiel des Jahres wird zunehmend so spannend wie der ESC. Die Nominierungen 2019 zeigen eine magere Performance.

Falsche Töne

Über Geschmack lässt sich genau so streiten wie über Ansichten. Das gilt entsprechend auch für die Nominierungen des aktuellen Jahrgangs bei der Auszeichnung „Spiel des Jahres“. Wagt man an, die Liste zu kritisieren, fängt man sich schnell zum Teil üble Anmache ein. Etwa die Frage „hast du das du überhaupt mal gespielt“, die einen merkwürdigen Beigeschmack hat.

Jetzt mal unter uns Betschwestern: Man muss in seinem leben nicht alles ausprobiert haben, um es ablehnen zu dürfen. Das gilt für Drogen genau so wie Enthauptungen. Und ja, auch für Brettspiele. Meiner persönlichen Meinung nach reicht es bei Spielen häufig genug aus, sich ein Bild zu machen. Über Spielanleitungen und Rezensionen. Man muss sie nicht selber spielen.
Wer sich hier auf den Standpunkt stellt, man müsse grundsätzliche alles immer erlebt beziehungsweise in diesem Fall selber gespielt haben, um zu einem Urteil zu kommen, macht auch sämtliche Spielerezensionen obsolet.

Zudem kann man selbstverständlich noch eine andere Meinung vertreten als ich und Spiel gut finden, die für mich am Rande der Grenzwertigkeit rangieren. Die Geschmäcker sind anders, wie man eben auch am ESC wieder gesehen hat.

Platz für Nominierungen
Platz für Nominierungen

Schnelldurchlauf der Nominierungen

Für die Auszeichnung „Spiel des Jahres“ wurden drei Titel nominiert:

  • Just One von Ludowig Roudy und Bruno Sautter
  • L.A.M.A. von Reiner Knizia
  • Werwörter von Ted Alspach

Zu allen drei Nominierungen, die ich nicht selber gespielt habe (siehe Anmerkung oben), aber auf Grund der mir vorliegenden Information für recht dürftige Spiele halte, fällt mir der Satz aus dem vergangenen Jahr wieder ein. Ich gehöre definitiv nicht mehr zur Zielgruppe von „Spiel des Jahres“. Und ganz ehrlich, es liegt nicht an mir, sondern an der Jury. Der Fokus für die Nominierungen hat sich verschoben. Man muss hier lediglich mal nachlesen, welche Spiele in früheren Jahren aufs Podest gehievt wurden. Darunter waren einige, die sich zu Recht in meiner Sammlung befinden.

Was die Empfehlungen der Jury angeht, nun, „Belratti“ halte ich für herausragend (hätte eigentlich nominiert werden sollen), „Dizzle“ finde ich ok (auch wenn es nicht mein Geschmack ist) und „Krasse Kacke“ ist allein schon vom Titel her ein Ausrutscher. Es verliert der, der als erster drei Kackhäufchen gesammelt hat.

Kennerspiel des Jahrs 2019

Die Nominierungen zum Kennerspiel (in den 90er Jahren hieß es noch Spiel des Jahres) hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck.

  • Carpe Diem von Stefan Feld
  • Detective von Ignacy Trzewiczek
  • Flügelschlag von Elisabeth Hargraves

Das ich persönlich Feuerland mit „Flügelschlag“ die Daumen drücke, dürfte kein Geheimnis sein. Das Spiel ist großartig, wäre auch in früheren Jahren Spiel des Jahres geworden. Carpe Diem finde ich optisch abschreckend und Detective ist so ein Wackelkandidat. Wieder ein Spiel, welches sich verbraucht beim spielen, soll aber recht gut sein. Allerdings traue ich Portal Games nicht mehr über den Weg, denn ohne externes Regellektorat fasse ich keine Spiele von denen mehr an.

Was die Empfehlungen angeht, finde sich dort einige Perlen. So ist „Architekten des Westfrankenreiches“ meiner Meinung sogar ein Stück witziger als Flügelschlag, „Paper Tales“ wirkt sehr frisch, zu „Newton“ fällt mir nur der Apfel ein und „Das tiefe Land“ ist bei mir abgesoffen. Nettes Spiel, hat aber leider einige Mängel.

Was lerne ich persönlich aus den Nominierungen? Einfach wie mit dem ESC umgehen und ignorieren. Es gibt bessere und erfolgreichere Musik, Gleiches gilt für Brettspiele.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren