Königsdämmerung bei GoT

Königsdämmerung bei GoT

Das Finale der nach hinten absaufende Serie Game of Thrones bringt die Königsdämmerung. Positive an der letzten Folge ist, dass sie die letzte Folge ist.

Achtung Spitfire!

Eigentlich müsste ja „Achtung Spoiler“ in der Überschrift heißen, aber da die Welkriegsanleihen bei GoT so groß sind, pass auch die Überschrift ganz gut. In Folge sieben etwa ist die ähnlich des Angriffs mit Dragon zu Bombardierungen von Städten im Zweiten Weltkrieg nicht zu übersehen. Aber das war ja in der letzten Folge. Die machte einem jedoch schon klar, dass es so eine Art Königsdämmerung geben würde. Mit dem ganzen Blut an den Händen würden die beiden Hauptverantwortlichen für die Verseifung der Romanvorlage, David Benioff und D. B. Weiss, Daenerys nicht davon kommen lassen.

Für Fans und vielleicht Fans (wie mich) von GoT bedeutet die sechste Folge der achten Staffel vor allem eins: Erlösung
Für mich wurde es fast schon bedeutungslos, wie GoT enden würde, so lange es nur endet. In einem Werbespot ließe sich sagen, die Geschichte von Westeros sei eine Geschichte von Missverständnissen — aber dazu später noch mehr.

Zu Beginn der Folge sieht man Tyrion durch die Ruinen von Königsmund wandeln. Allein, auf der Suche nach seinen Geschwistern. In einer endlos langen Szene steigt der durch die Trümmer des roten Bergfrieds hinab in die Gewölbe. Unter einem Schutthaufen sieht er schließlich die goldenen Ersatzhand seines Bruders herausschauen. Mehrere Steine trägt er ab, bis er dann auch noch den toten Menschen an der Hand sieht, zusammen mit der Schwester. Dicke Tränen kullern ihm übers Gesicht.

Königsdämmerung bei GoT
Der Drache fährt weg

Ein paar gute Szenen

Das mit Tyrion wirkt nicht nur kitschig, es ist es auch. Aber hey, zumindest wird der Strang zu Ende geführt und wir als Zuschauer haben jetzt durch die Leichenschau die Gewissheit, dass die Schlampe Cersei endlich tot ist. Also nichts mit „hat nur unter der Dusche gestanden“ — die Älteren unter uns erinnern sich möglicherweise an Bobby aus „Dallas“.

Von Königsmund ist etwa genau so viel über wie von der Buchvorlage, als Daenerys sich zur Siegerin erklärt. Die Anleihe an den Reichsparteitag in Nürnberg der Nationalsozialisten sind unübersehbar, als die Königin zu ihren Truppen spricht. Heute Westeros, morgen die ganze Welt. Sie will das Rad zerbrechen, alle Völker befreien und unter ihre Herrschaft bringen. Das schmeckt weder ihrem Neffen noch Tyrion, Letztere handelt aber und wirft hin. Selbstverständlich weiß Daenerys bereits von seinem Verrat. Merkwürdig, wie gut die Kommunikation in den Wirren der Kampfhandlung dann doch funktioniert.

Anders als Lord Varys wird er nicht auf der Stelle exekutiert, sondern erst mal weggesperrt. Logik? Erwartet man an dieser Stelle schon nicht mehr. Die Handlung schleppt sich dann weiter Richtung Königsdämmerung.

Höhepunkt mit Königsdämmerung

Im Rahmen der Besuchszeiten für politische Gefangenen bekommt Tyrion besuch von Jon Schnee (der sich endgültig entschieden hat, kein Targaryen zu sein). Tyrion führt Jon vor, was für ein Monster seine Königin geworden ist. Das was Varys befürchtet hat, ist eingetroffen. Aus der Springerin der Ketten wurde die Schlächterin von Königsmund.

Jon gibt sich nicht überzeugt, stutzt jedoch, als Tyrion das mögliche Schicksals von Sansa und Arya andeutet. Die Königsdämmerung nimmt ihren Lauf.

Im Thronsaal begutachtet Daenerys ihre Beute, als Jon zu ihr stößt. Großaufnahme seines Dackelblicks, heftige Umarmung, ein „du wirst immer meine Königin sein“ und dann ein Dolch.

Daenerys stirbt in den Armen ihres Neffen. Wenn man an dieser Stelle aufhört, verpasst auch nicht weiter. Der letzte Drache kommt an, ist zu Recht sauer. Verbrennt aber nicht Jon, sondern schmilzt den Eisernen Thron.

Selbstverständlich wird Jon von den Unbefleckten nicht auf der Stelle getötet, sondern ebenfalls inhaftiert. Wieder Königsdämmerung, den Westeros verliert dadurch auch noch seine letzte Option auf einen Herrscher. Zumindest erst mal. Monate später. Tyrion wird ans Licht geführt zu den Ruinen der Drachengrube, wo sich die Lords von Westeros versammelt haben. Verhandlungen zwischen den Unbefleckten und ihnen über das Schicksal des neuen Königsmörders (Jon) und Tyrion.

Demokratie nicht erwünscht

Entschieden dürfe darüber, so heisst es, nur ein König. Den es aber nicht gibt, also diskutiert man mögliche Kandidaten. Der Vorschlag von Sammel Tarly, die Demokratie einzuführen, wird als Witz abgetan. Er könne ja auch sein Pferd befragen, meint einer der Lords.

Zu Überraschung der Zuschauer wird dann Bran (der Gebrochene) zum neuen König der sechs (seine Schwester Sansa möchte einen unabhängigen Norden) Königslande gewählt. Gut sei, dass er keine Nachfahren bekommen könne. Weil er im Rollstuhl sitzt? Komische Ansichten.

Zur Strafe für seine Taten wird Tyrion zur neuen Hand des Königs ernannt und Jon an die Mauer geschickt. Das stellt zwar weder Sansa noch die Unbefleckten zufrieden, scheint aber als Kompromiss tragfähig zu sein. Dackelblick von Jon, als er abzieht.
Ehrlich, das ganze Gedöns mit seiner Geburt und dem Anspruch auf den Eisernen Thorn hätte man sich auch sparen können. Das Ende vom Lied: Sansa wird zur Königin des Nordens gekrönt, Arya macht sich zur See auf in den unbekannten Westen und König Bran versammelt seine neuen Berater um sich. Sein neuer Großmaester ist Samwell Tarly — das Frau und Kind hat, stört anscheinend niemanden mehr. Jedenfalls, Tarly legt Tyrion ein Buch mit der Geschichte von Westeros vor, welches den Titel „Ein Lied von Eis und Feuer“ trägt.

Bessere Ende

Bei der ganzen Kritik meinerseits ist die Frage durchaus berechtigt, wie ich mir denn ein adäquates Ende vorstellen würde. Spulen wir die Handlung noch mal zurück zur Stelle, wo Jon seine Königin in den Arm nimmt. In meiner Fassung ersticht er sie nicht, sondern es würde einfach abgeblendet. Man sieht dann im schnellen Schnitt, wie Länder fallen, Städte brennen und die Truppen von Daenerys marschieren.

Dazu eine Stimme aus dem Off: „Und das Rad dreht sich weiter“.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren