Deutsche Übersetzung vorhanden

Deutsche Übersetzung vorhanden

Dem lediglich heimatsprachlichen Brettspieler erkennt man an der Frage, ob eine deutsche Übersetzung vorhanden sei. Dabei ist Englisch Weltsprache

Werdegang mit Schulenglisch

Offen gestanden gehörte ich in der Schule im Englischunterricht nicht zu den großen Leuchten. Genauer gesagt bin ich sprachlich wenig talentiert, was sich auch nach wie vor an der Aussprache bei Fremdsprachen zeigt. Dennoch besitze ich mittlerweile eine staatliche Anzahl an Brettspielen in englischer Fassung. Das hat gute Gründe. Ob eine deutsche Übersetzung bei einem Spiel verfügbar ist oder irgendwann in der Zukunft erscheinen wird, ist für mich mittlerweile unerheblich. Allerdings war das nicht immer so.

An mein erstes Brettspiel in Englisch kann ich mich ziemlich gut erinnern. Vor allem auch deshalb, weil es eine Kuriosität gewesen ist. Ich hatte bereits die Originalausgabe vom Schweizer Verlag Fata Morgana. Bei Kremlin gibt es jedoch kein Spielbrett und ich wollte damals, Anfang der 90er Jahre, unbedingt eins haben. Das gab es, bei der englischen Ausgabe von Avalon Hill. Also kaufte ich die. Gespielt wurde diese Ausgabe jedoch nie, mein Englisch reichte einfach nicht für die Kartentexte. Das Spiel verschwand im Keller und verlor sich irgendwo im Laufe vieler Umzüge.

Auch an das nächste englische Spiel kann ich mich erinnern, schließlich stammte es ebenfalls von Avalon Hill, nannte sich „Magic Realm“ und kam mit einer 180-seitigen deutschen Anleitung daher. Die sah schlecht kopiert aus und war es auch. Gespielt wurde Magic Realm nie, was aber nicht an der deutschen Übersetzung lag, sondern am Spiel selber.

Deutsche Übersetzung vorhanden
Deutsche Übersetzung vorhanden

Englische Karten sind besser

Fast bis ins neue Jahrtausend hinein erweiterte sich meine Sammlung ausschließlich mit deutschen Spielen beziehungsweise Spielen, bei denen eine deutsche Übersetzung vorlag. Dann kamen Magic the Gathering und Netrunner. Letzteres gab es nie auf Deutsch, bei Magic waren anfangs die deutschen Übersetzungen wenig prickelnd. Auch sprachlich fand ich die englischen Regeln prägnanter, verständlicher. Wohlgemerkt, eine Aussage vor dem Hintergrund meines maximal mittelmäßigen Schulenglisch.

Die beiden Sammelkartenspiele bildeten in der Sammlung von meiner Frau und mir eine Ausnahme, die aber schon eine bestimmte Richtung vorgab. Den Weg einschlagen sollten wir dann erst nach unserem Umzug, als wir in Köln Memoir 44 für uns entdeckten. Das Spiel gab es nur in einer englischen Ausgabe, eine deutsche Übersetzung war jedoch online als PDF vorhanden. Erstaunlicherweise stellte ich fest, dass ich die gar nicht benötigte.
Weiter ging es dann mit Merchants & Marauders, von Pegasus unter „Korsaren der Karibik“ vertrieben. Als ich das Spiel kaufen wollte, gab es die Erweiterung nicht mehr von Pegasus. Also kaufte ich Grundspiel und Erweiterung direkt in der englischen Fassung.

Mit jedem weiteren englischen Spiel wurde es einfach für mich, mit den englischen Regeln und dem nicht immer sprachneutralen Spielmaterial anzufreunden.

GMT ohne deutsche Übersetzung

Vor etwas über zwei Jahren stießen meine Frau und ich zum ersten Mal auf Spiele von GMT Games. Eine deutsche Übersetzung gibt es hier nur in Ausnahmefällen. Zudem ist diese dann meistens nicht auf dem aktuellsten Stand.
Spiele wie etwa „Paths of Glory“ haben einen gewissen Anspruch. An den Stil der Regeln, die für GMT typisch sind, muss man sich auch gewöhnen. Aber man kann mir glauben, wenn ich sage, dass es möglich ist und sich lohnt. Auch die COIN-Serie von GMT überrascht mit einem Spielerlebnis, welches man so nicht bei den typischen Euro-Games findet.

Klar gibt es Spiele, bei denen ich mich nicht an die englische Fassung herantraue. So habe ich bei Gloomhaven bewusst auf die deutsche Übersetzung gewartet. Das liegt aber an den umfangreichen Texten der Kampagne, die man komplett verstehen muss, um das richtige Spielgefühl zu haben. Bei den allermeisten anderen Spielen ist so was nicht nötig. Daher nerven mich mittlerweile Fragen in Brettspielgruppen „gibt es das auch auf Deutsch“ total.

Leute, Schulenglisch reicht echt aus! Und es gibt auch noch die VHS. Es lohnt sich wirklich. Vor allem bei Spielen, wo es garantiert nie eine deutsche Ausgabe geben wird — was wiederum für fast alles von GMT Games zutrifft.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren