Schwerkraft-Verlag macht fassungslos

Schwerkraft-Verlag macht fassungslos

Während Kundenservice bei anderen Brettspielverlagen eine Selbstverständlichkeit ist, tut man sich beim Schwerkraft-Verlag anscheinend wörtlich schwer damit.

Reklamation bei Brettspielen

Brettspiele sammle ich schon seit fast 30 Jahren. Ab und an ist es dabei vorgekommen, dass ein Teil fehlte. Oder aber bei heißen Gefechten auf dem Spieltisch kaputt ging. Quer durch die Welt der Brettspielverlage war es nie ein Problem, dafür Ersatz zu bekommen. In über 90 Prozent der Fälle lief das schnell, reibungslos und auch kostenlos ab. Auch bei älteren Spielen, wo ich angeboten hatte, die Kosten für den Ersatz zu übernehmen, musste ich nichts zahlen. Das ist äußerst kulant dem Kunden gegenüber, schließlich besteht in solchen Fällen kein Rechtsanspruch.
Es ist außerdem verdammt gutes Marketing, denn es hinterlässt ein zufrieden Kunden. Wir alle sind Menschen, machen Fehler, auch wenn wir Dinge herstellen. Geht man damit professionell um, gewinnen beide Seiten.
Für mein extrem verzogenes Spielbrett bei Gloomhaven bekam ich von Feuerland genau so Ersatz wie von Pegasus einen Würfel für Istanbul. Apropos Pegasus. Die haben in ihren Spielregeln am Anfang folgendes stehen:

Ersatzteilservice: Du hast ein Qualitätsprodukt gekauft. Falls ein Bestandteil fehlt oder ein anderer Anlass zur Reklamation besteht, wende dich bitte an: ersatzteilservice@pegasus.de. Wir wünschen dir viele unterhaltsame Stunden mit diesem Spiel. Dein Pegasus-Spiele-Team.

Selbst international funktioniert der Ersatzteilservice. Für eine Erweiterung von Memoiren `44 bekam ich die fehlende Figuren aus Frankreich und GMT (die sitzen in den USA) schickte mir zu Path of Glory kostenlos den Nachdruck der fehlerhaften Karten. Beim deutschen Schwerkraft-Verlag sieht das leider ganz anders aus.

Erfahrungen mit dem Schwerkraft-Verlag
Opfer der Schwerkraft

Berüchtigter Schwerkraft-Verlag

Bisher hatte ich persönlich keine negativen Erfahrungen mit dem Schwerkraft-Verlag gemacht. Wobei das beim näheren Nachdenken nicht ganz korrekt ist. Bei dessen deutscher Ausgabe von Innovation gibt es einen Fehldruck bei einer Karte, Ersatz wurde dafür nie zur Verfügung gestellt.

Die in den sozialen Netzwerken kursierende Stimmung bezüglich des Schwerkraft-Verlags ist mir in den letzten Monaten bereits mehrfach aufgefallen. Wirklichen Grund zur Klage hatte ich selber jedoch nicht. Hinsichtlich des Spielmaterials etwa bei Terraforming Mars ist der Verlag vermutlich an FryxGames gebunden.

Wie dem auch sei, zu Ostern bekam ich „Architekten des Westfrankenreichs“ geschenkt. Leider fehlte eine Karte „Holzfällerin“ im Spiel. Ich fragte beim Schwerkraft-Verlag nach Ersatz und bekam folgende Antwort:

Reklamationen laufen im Normalfall über den Händler ab und nur Ersatzteile für Spiele, die direkt bei uns gekauft wurden, werden auch direkt über uns bezogen. Am besten wäre es also, wenn du dich an den Händler wendest.
Ich kann dir die fehlende Karte für 50ct zzgl. unserer Versandkostenpauschale von 4,50€ (alles inkl. MwSt.) anbieten. Du kannst aber den Kauf der Karte gerne mit einer Bestellung in unserem Webshop kombinieren, dann zahlst du nur ein Mal Versandkosten für das ganze Paket.

In meiner E-Mail an den Verlag habe ich sehr deutlich davon geschrieben, dass ich das Spiel geschenkt bekommen habe. Man bot mir darauf hin zwei Optionen an:

  • Den Schenkenden um den Kassenbon zu bitten, zu fragen, wo er das Geschenk für mich gekauft hat und dann dort den Händler zu kontaktieren.
  • Die Karte über den Verlag zu beziehen für insgesamt 5 Euro — also mit 4,50 Euro Versandkosten für einen Brief.

Über vieles lässt sich diskutieren, aber Kundenservice sieht anders aus. Hinweise auf die Rechtslage finde ich eher belustigend, den darum geht es eigentlich nicht. Sondern um KUNDENSERVICE. Und das können andere Verlage (siehe oben) besser.

Lehren für die Zukunft

Aus dieser Erfahrung mit dem Schwerkraft-Verlag werde ich jetzt eine Lehre für die Zukunft ziehen. Es ist der eine Tropfen zu viel, ich erkläre es gerne. Seit ein paar Monaten möchte ich mir die Erweiterung „Kolonien“ für Terraforming Mars kaufen. Die gibt es exklusive nur beim Verlag (inklusive der Versandkosten). Zumindest war ich davon ebenso überzeugt wie mein Fachhändler in Köln. Bis wir dann kürzlich feststellten, dass die Erweiterung auch noch über zwei Onlineshops zu beziehen ist. Zwei mir bis dahin unbekannte Shops, und ich kenne wirklich einige Onlinehändler.

Glücklicherweise habe ich mit englischsprachigen Spielen kein Problem, auch die meisten meiner Mitspieler nicht. Von Lokalisierung durch den Schwerkraft-Verlag werde ich daher Abstand nehmen und lieber das Original kaufen. Im Übrigen wäre es auch mal eine Überlegung wert, auf den Kundenservice im Rahmen von Brettspielrezensionen einzugehen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren