Notre-Dame brennt

Notre-Dame brennt

Der gestern in Notre-Dame ausgebrochen Brand ist seit sechs Uhr heute Morgen unter Kontrolle. Bedeutende Kunstgegenstände konnten zudem gerettet werden.

Kultur verschwindet

Jedes Menschenleben ist kostbar, ohne Frage. Beim Brand von Notre-Dame wurde nach aktuellem Stand lediglich ein Feuerwehrmann verletzt. Insofern ist das Feuer glimpflich ausgegangen. Menschenleben jedoch gegen Kultur aufzurechnen, wie es an einigen Stellen im Netz getan wird, befremdet mich.

Die Kathedrale in Notre-Dame hat ihren Ursprung im 12. Jahrhundert, sie ist über 850 Jahre alt. In ihr befanden sich zahlreiche Kunstschätze, Gemälde und ja, auch so genannte Reliquien. Ohne Zweifel symbolisiert Notre-Dame damit nicht nur Kultur, sondern ist auch ein wichtiger Teil europäischer Kulturgeschichte.

Als Menschen leben wir im hier und jetzt. Wir wären aber nichts, würden wir ohne Kultur und Geschichte dastehen. Sie sind wichtig, sogar notwendige Anker für uns. Die Kathedrale in Paris ist Wahrzeichen und Weltkulturerbe der Unesco zugleich. Ein wichtiges Zeugnis der Menschheitsgeschichte.

Wenn so ein Zeugnis brennt, zerstört wird, entwerten Trauer und Entsetzen darüber nicht die Bedeutung eines Menschenleben. Viel mehr drückt die Betroffenheit die Erkenntnis aus, um wie viel ärmer wir ohne unser kulturelles Erbe seien werden. Wir sollten das im Hinterkopf haben, bevor wir zu leicht, zu schnell über die Berichterstattung in den Medien urteilen.

Notre-Dame brennt
brennende Gebäude

Überall Notre-Dame

Dem neusten Stand der Nachrichten zu Folge konnte durch den Einsatz der Feuerwehr Notre-Dame gerettet werden. Der Wiederaufbau wird viel Geld kosten, aber möglich sein. Paris, Frankreich, Europa und der Rest der Welt werden sich von dem Schock erholen. Mit der Zeit wird diese Wunde mitten in Paris verheilen.

Wie viele andere haben mich die Bilder der brennenden Kathedrale ebenfalls geschockt. Die Schlagzeilen in den nächsten Tagen werden noch geprägt sein von dem Ergebnis. Vielleicht brennt sich das eine oder andere Foto in unser Gedächtnis ein.
Auf der anderen Seite machte mich etwas sehr traurig, was offensichtlich komplett untergeht. Für die meisten Menschen nur eine Randnotiz, wenn überhaupt. Während beim Feuer in Notre-Dame die Ursache zur Zeit noch unklar ist, sieht es in China ganz anders aus. Dort werden durch die Regierung systematisch Kultur und Religion der muslimischen Uiguren zerstört. Über 800 Jahre alt war sie, die Keriya-Aitika-Moschee. Jetzt ist sie laut Satellitenbildern vom Erdboden verschwunden. Sie ist nicht die erste in der Region und wird auch nicht die letzte dort sein, die dem Kulturkampf zum Opfer fällt.

Hier fehlt der Aufschrei, auch aus Europa. Wie bereits festgestellt, Bauwerke und Kultur sind wichtige Anker. Werden sie zerstört, ob absichtlich oder durch einen Unfall, verlieren die Menschen ihren Halt. Die Regierung in Peking ist sich dessen bewusst und strebt genau das an, um das Volk der Uiguren verschwinden zu lassen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren