Schlüsselnot bei Apple

Schlüsselnot bei Apple

Nachts ohne Schlüssel vor der eigenen Wohnungstür zu stehen ist der Albtraum nicht nur von Großstädter. Diese empfundene Schlüsselnot gibt es auch woanders.

Lästig Aufkleber

Für die einen ist es Werbung, für andere dagegen Sachbeschädigung. Die kleinen Aufkleber auf oder über der Tür, die für einen 24-Stunden Schlüsselbeins werden, der einen bei Schlüsselnot aus der Patsche hilft. In den meisten Fällen ist redlich eine Mobilfunknummer angegeben, ohne Firmenname. Ruft man dort an, meldet sich ein „Ja Hallo?“ – oder ähnliches.
Seriös geht anders. Seriös steht auch meisten im Telefonbuch — die Älteren unter uns wissen, was das ist. Alternativ gibt es eine ordentliche Homepage und ein Eintrag bei Google Maps. Hilfreich, wenn man seinen Schlüssel verloren hat, aber noch im Vollbesitz seines Smartphones ist. Das wiederum führt zu einer ganz anderen Art von Schlüsselnot.

Genauer gesagt, zu Keynote gestern von Apple und dem Umstand, dass ich selbige ganz bewusst verpasst habe. Nein, ich habe mich nicht selber ausgeschlossen und kam nicht mehr rechtzeitig zur Keynote in die Wohnung. Mir ist die Produktpräsentation von Apple schon länger  über. Innovation gibt es schon lange nicht mehr, meistens kommen müde Versprechen und lahme Produkte als Neuauflage bisheriger. Wirklich umwerfendes sucht man vergeblich.

Schlüsselnot bei Apple
Schlüsselnot bei Apple

Von der Keynote zu Schlüsselnot

Den Begriff Keynote mit Schlüsselnot zu übersetzen, ist natürlich völliger Blödsinn. So schlecht ist nicht mal Google Translate — aber fast, immerhin. Trotzdem passen die beiden Wörter, die in Schlüsselnot stecken, recht gut auf die aktuelle Situation, in der sich Apple befindet. Die Keynote von gestern, welche ich mir nur in der Zusammenfassung angetan habe, verdeutlicht das.
Längst hat man bei Apple den Schlüssel zum Glück seiner Kunden verloren. Vom Vorreiter und Erfinder von Schlüsseltechnologie (der erste iPod war zum Beispiel so was, wenn man so will), hat man sich verabschiedet. Was bleibt, ist ein lahmes hinterherlaufen.
Ein Blick auf die „Neuheiten“ von gestern:

  • Apple tv+
  • Apple News+
  • Apple Arcade
  • Apple Card

Wow, ein Kreditkarte! Super innovativ, diese neue Apple Card in Zusammenarbeit mit Goldman-Sachs. So was braucht die Welt, gab es bisher noch nie. So ein Scheiss denkt man sich auch nur aus, wenn man den Fokus auf den Markenkern verloren hat.

Apple als Anbieter eigener Filme und Serien. Gähn! Das wird auch laut optimistischsten Prognose niemals an Netflix und Amazon heranreichen. Die Ausgangsposition von Apple ist hier auch eine ganz andere als damals beim eigenen Musikangebot.

Ein Nachrichtenangebotmit Zeitschriften aus den Bereichen Fashion, Gesundheit, Lifestyle, Reisen, Essen, Technik und sonst was. Wird in den USA 9,99 Dollar kosten. Ob das nach Europa und Deutschland kommt? Keine Ahnung, zumal es hier auch alternative Angebote gibt. Nach wie vor empfehle ich hier eine Mitgliedschaft bei der örtlichen Stadtbibliothek. Vielleicht etwas unbequemer, aber deutlich günstiger.

Spiele-Flatrate von Apple

Eine Spiele-Flatrate von Apple. Super, das Apple tv ist auch die geilste Videokonsole überhaupt. Zum Start im Herbst sollen rund 100 Titel dabei sein — für diejenigen, die ein Abo zu einem bisher noch unbekannten Preis abschließen werden. Vielleicht ist das was für überforderte Eltern, aber der normale Konsolero schütteln hier nur den Kopf. Zumal es etwas von Microsoft den Xbox Game Pass  gibt. Der kostet 9,99 € im Monat und hat Spiel mit an Bord, die in einer ganz anderen Liga spielen. Abgesehen davon planen sowohl Microsoft als auch Sony für die Zukunft Sachen, die Apple Arcade alt aussehen lassen.

„Im Westen nichts neues“, so könnte man die Keynote von Apple gestern auf den Punkt bringen. Das sehe nicht nur ich so, sondern auch die Aktionäre, die prompt reaktiveren und den Kurs absacken ließen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren