Ohnmacht trotz Reichtum

Ohnmacht trotz Reichtum

Selbst der größte Reichtum auf Erden kann einen nicht vom Gefühl der Ohnmacht befreien. Auf die eine oder andere Weise ausgeliefert sind letztendlich alle.

Letztes Hemd

Meine Großmutter hat diese Redensart, das letzte Hemd würde keine Taschen haben. Mit anderen Worten, man kann als Toter nichts mitnehmen. Das ist natürlich wissenschaftlich völlig korrekt und sogar konform mit dem christlichen Glauben. Frühere Kulturen hätte jedoch bei so einer Aussage nur ärgerlich den Kopf geschüttelt. Man war felsenfest davon überzeugt, die Grabbeigaben würden dem Toten im Jenseits zur Verfügung stehen. Unabhängig davon konnte sich auch damals niemand vom Tod freikaufen. Ob reich oder arm, es erwischte jeden. Dran hat sich bis heute nichts geändert.

Uns unterscheidet das wann und wie, aber auch die Zeit, die wir bis zum Tod verbringen. Diesbezüglich macht Reichtum schon einen erheblichen Unterschied. Gegen den Tod sind wir machtlos, nicht aber gegenüber den Lebensumständen davor.

Genau das aber stimmt nur zu einem Teil, denn ein Artikel in der Wochenendausgabe der Süddeutsche Zeitung machte zumindest mir bewusst, dass Ohnmacht kein Phänomen ist, was mit zunehmenden Einkommen und Privatbesitz verschwindet. Dabei muss man nicht mal die großen Gleichmacher wie Krieg, Katastrophen oder Terrorismus heranziehen — wobei es da dann doch auch wieder Unterschiede gibt, in welcher Klasse es einen erwischt.

Gefühl von Ohnmacht

Ohne Frage ist Jeff Bezos der zur Zeit reichste Mensch der Welt. Sein Unternehmen Amazon hat ihn dazu gemacht. In seiner Position wird man häufiger zur Zielscheibe. Neider, Verbrecher und andere Zeitgenossen. Nichts ungewöhnliches. Wirklich gefährlich wird es jedoch, wenn man sich einen der mächtigsten Männer der Welt zum Feind macht, weil man eine andere politische Richtung verfolgt.
US-Präsident Donald Trump ist wahrlich kein Freund von Jeff Bezos. Letztere ist Besitzer der Washington Post, die kritisch über Trump berichtet. Der hat natürlich ein eigenes Haus- und Hofball in Form des The National Enquirer, welcher seinem Kumpel David Pecker gehört.

Ohnmacht am Ende
Ohnmacht am Ende

Kommen wir zur Ohnmacht. Bezos hat sich in eine andere Frau verliebt und eine Affäre begonnen. Mittlerweile steht jetzt die Scheidung von seiner bisherigen Frau an. Darüber kann man im Grunde ohne Sensationslust genau diese zwei Sätze berichten. Macht man daraus einen Artikel im Umfang von 11 Seiten, dann steckt dahinter auch ein Wille zur Vernichtung.

Bestätigt wird das durch den Umstand der Erpressung. Man wolle, sie heisst es vom Enquirer, Nacktfotos von Jeff Bezos veröffentlichen, wenn dieser weiterhin behaupte, hinter dem Artikel stecke eine politische Kampagne. Da ist es, diese Gefühl der Ohnmacht. Man ist der reichste Mann der Welt und muss sich doch mit so etwas herumschlagen.

Bezos tat vermutlich das Richtige, in dem er sich mit allen Details an die Öffentlichkeit wandte. Sein Versuch, die Ohnmacht zu überwinden.

Amazon auf Seite eins

Auf der einen Seite erwische ich mich selber, in so einem Moment mit Bezos zu sympathisieren. Für viele von uns ist Amazon ein Feindbild und dessen Chef trägt unserer Meinung nach mindestens Hörner. US-Präsident Trump ist uns allerdings noch deutlich unsympathischer.Gleichzeitig greift hier ein Reflex. Wir spüren die Ohnmacht anderer und solidarisieren uns mit ihnen.

Die andere Seite der Medaille: Amazon bleibt Amazon und Jeff Bezos dessen Chef — zumindest so lange, bis nicht durch die Scheidung die Mehrheiten im Aufsichtsrat anders verteilt werden. Ob das für die USA gilt, kann ich nicht beurteilen, aber vermutlich wird hier in Europa Bezos Sympathiepunkte gewinnen. David gegen Goliath, auch eine Geschichte von Ohnmacht und die Rolle des angeblich Unterlegenen, der dann obsiegt. So was gefällt uns. Wobei mit Trump und Bezos eher zwei Titanen aufeinander treffen.
Egal wie die Geschichte ausgeht, Bezos kann anders als Trump nur gewinnen, selbst wenn er Niederlagen einstecken muss. Wir setzen Bezos mit Amazon gleich und der böse Riese erscheint uns verwundbar, erweckt unser Mitleid. Amazon wird daher aus der Sache gestärkt hervorgehen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren