Feinstaub tötet langsam

Feinstaub tötet langsam

Wer die Gefahren von Feinstaub kleinredet, spielt mit dem Leben anderer Menschen. Die Luftbelastung ist definitiv eines der Probleme unserer Zeit.

Kleiner Luftvergleich

Schlagzeile machte gestern die Behauptung einiger Lungenfachärzte, die Gefährlichkeit von Feinstaub und Stickoxiden sei bisher übertrieben worden. In Wahrheit sei alles gar nicht so schlimm, so der Tenor dessen, was der Lungenfacharzt Dieter Köhler in einer gemeinsamen Stellungnahme mit anderen Unterstützer zusammengetragen hat.

In der Süddeutsche Zeitung wurde darüber gestern ausführlich im Artikel „Ein Gesundheitsproblem, das jeden betrifft“ von Werner Bartens berichtet. Auffällig ist hier meiner Meinung nach der kritische Unterton gegenüber den Vorwürfen.
Bartens untermauert seine Sicht der Dinge mit einer beeindruckenden Zahl. So soll die Bevölkerung in Deutschland jährlich 600000 Lebensjahre durch Luftverschmutzung verlieren.

Ganz unabhängig vom Artikel, den Behauptungen der Gruppe um Köhler (btw. es ist zum schmunzeln, wenn man sich die Herkunft des Namens ansieht) und anderen Thesen so wie Untersuchungen habe ich eine eigene, persönliche Meinung zum Feinstaub. Keine wissenschaftliche Studie, nur durch Beobachtung der Gesundheit von mir, meiner Frau und im näheren Umfeld. Einfach nur ein kleiner Luftvergleich. Zwischen Bielefeld, Köln und Borkum.

Hier in Köln ist die Luftqualität spürbar anders. Das hängt mit der geographischen Lage aber auch mit der Größe der Stadt und der Art der Bebauung zusammen, auch der Straßenverkehr spielt eine nicht unbedeutende Rolle.

Feinstaub lauert uns auf
Feinstaub lauert uns auf

Kölner Klima

Seit dem wir vor acht Jahren nach Köln gezogen sind, hat sich sowohl mein Gesundheitszustand als auch der meiner Frau merklich verändert. So entwickelte sich bei ihr ein Asthma. Bei mir gibt es Schwankungen in der Konzentration, am deutlichsten reagiert meine Haut, die immer schon sehr empfindlich hinsichtlich Umwelteinflüsse war.
Beim pendeln nach Essen wurde mir dann immer wieder bewusst, wie befreiend der erste Atemzug auf dem Essener Bahnhof nach dem Aussteigen aus dem ICE ist — soviel zum immer noch vorhandenen Mythos des dreckigen Ruhrgebiets.

Nach Weihnachten waren meine Frau und ich wieder auf Borkum. Bei einem direkten Vergleich der Luftqualität verliert Köln in jedem Fall deutlich. Wir genossen die Zeit auf der Insel auch deshalb, weil wir beide beschwerdefrei waren. Dieser Effekt hat sich jedoch nach wenigen Tagen zurück in Köln wieder gelegt. Wie ätzend Feinstaub und andere Stoffe in der Luft sind, merke ich auch jedes mal, wenn hier in der Siedlung wieder mal ein Holzofen benutzt wird. Der Rauch zieht schlecht nach oben und verteilt sich in der Siedlung.

Wie gesagt, es sind nur persönliche Beobachtungen. Möglicherweise bietet es sich an, das bei Gelegenheit mit Zahlen zu unterlegen. Feinstaubmessungen sind bereits mit einem einfachen Sensor und etwas Bastelarbeit  möglich.

Lobbyarbeit bei Feinstaub

Die ganze Debatte darüber, ob Feinstaub gefährlich ist (meiner Meinung nach: ja) oder eher weniger, muss vor dem Hintergrund eines drohenden Dieselfahrverbotes sehen. Die Grenzwerte sind hier nicht unerheblich. Fahrverbote gefallen weder noch der Industrie noch den Besitzern der betroffenen Autos. Ihre Interessen konkurrieren mit dem Allgemeinwohl.
Ziemlich interessant ist daher die Tweet gestern von lobbycontrol:

Lobbycontrol zum Thema Feinstaub
Lobbycontrol zum Thema Feinstaub

Von wegen nur eine ärztliche Neubewertung der Grenzwerte. Enttäuschend fand ich heute dann, wie die Süddeutsche Zeitung zurückruderte. In Bezug auf Grenzwerte heisst es in einem Artikel von Hanno Charisius und Marlene Weiß etwa: „viel hängt davon ab, wo und wie gemessen wird“. Die Grenzwerte werden relativiert. Auf der Meinungsseite ist der Text von Peter Fahrenholz stehen Sätze wie dieser:

Die Politik – aber auch die Umweltorganisationen – müssen sich fragen, ob sie sich hier nicht auf einem Nebenkriegsschauplatz verkämpfen.

Also, alles gar nicht so schlimm mit dem Feinstaub? Laut Fahrenholz würden strenge Feinstaubgrenzwerte letztendlich der AfD helfen. Auf so eine Idee (mit Totschlagpotenzial) muss man erstmal kommen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren