Drei Meeple im Schnee — Teil 5

Drei Meeple im Schnee — Teil 5

Leichter als sonst ließ sich die Griff drehen. Dann machte es klack und ein Ei fiel in den Schacht. Martin sah sich um, erblickte niemanden und hob die Klappe vom Automaten an. Hastig steckte er das Ei ein. Noch immer war niemand zu sehen. Der Laden, an dem die beiden Automaten hingen, hatte Ruhetag. Verwegen drehte Martin nochmal am Griff. Wieder ein Klack, wieder ein Ei. Auch beim dritten Versuch.

So einen Schatz sollte man teilen. Vor allem konnte Martin so viele Eier gar nicht selber mitnehmen. Schräg gegenüber in der Bürgervilla wohnte Chris, sein neuer Freund. Martin klingelte und erzählte hastig an der Türschwelle, was passiert war. Sein Freund holte aus dem Kinderzimmer einen Spielzeugkoffer. Gemeinsam ging sie zum Automaten und füllten den Koffer. Unrecht empfanden sie dabei nicht, ließen aber doch einige Eier im Automaten zurück.

Das Geheimnis der kostenlosen Eier verband Martin und Chris. Sie packten den Inhalt aus und teilten ihn gerecht untereinander auf. Noch was anderes verband die beiden. Ihre Leidenschaft für Atlantis, einem neuen Brettspiel in dessen Mitte sich ein schwarzer Turm befand. Dieser Turm konnte Geräusche erzeugen und kleine Dia-Bilder zeigen. Zudem hatte er eine LCD-Anzeige für Ziffern. In dem Spiel musste man drei Schlüssel finden und gegen die Monster im Turm kämpfen.

So teuer wie das Spiel war, kam es für Martin als Geschenk nie in Frage. Die Eltern von Chris dagegen hatten Geld, was er seine Mitschüler auch spüren ließ. Viele Geschenke konnten seine Leere jedoch nicht füllen, auch nicht seinen tödlich verunglückten älteren Bruder ersetzen. In seinem Inneren war Chris genau so kalt wie die vielen leeren Zimmer in der Villa.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren