Sprachnachrichten des Terrors

Sprachnachrichten des Terrors

Das ein Bild mehr als tausende Worte sagt, gilt ab sofort auch nicht mehr bei Instagram. Der Onlinedienst öffnet sich für Sprachnachrichten.

Sprechen nach dem Signalton

Früher war nicht alles besser, aber vieles anders. Genau in jenem früher hätte ich mich für diesen Satz selber gehasst. Wenn wir schon bei mir selber sind, dann sollte ich direkt eines klarstellen. Persönlich bin ich ein Freund der Stille. Ständige Geplapper geht mir tierisch auf die Nerven. In Bezug auf telefonieren habe ich einen Spruch verinnerlicht: „Fass dich kurz“. Das bezog sich ursprünglich auf öffentliche Fernsprecher, bei uns zu Hause hielt ich mich dennoch daran. Vermutlich wie viele aus meiner Generation, denn die Telefon standen im Flur, so dass jeder mitbekommen konnte, was man besprach. Im Gegensatz zu heute war einem das damals peinlich. Glücklich die, wo das Telefon eine lange Schnur hatte, so dass man es mit in sein Zimmer nehmen konnte.
Zu der Zeit gab es im Übrigen für Privatanschlüsse genau drei Möglichkeiten. Es hob niemand ab, man erreichte die betreffende Person oder hatte das Peche, Eltern oder Geschwister am Apparat zu haben. Das mit dem Ausrichten funktionierte zumindest bei mir eher schlecht.
Später kamen dann Anfrufbeantworter auf. Mir waren sie direkt am Anfang unsympathisch. Sprechen sie nach dem Signalton. Der kam dann überraschend, hatte man sich doch drauf eingestellt, seinen Gesprächspartner persönlich zu erreichen.

Warten auf Sprachnachrichten
Warten auf Sprachnachrichten

Fluch des Anrufbeantworters

Fatal an Anrufbeantworter ist, dass man als Anrufer seinen darauf gesprochene Nachricht nicht löschen kann. Man stottert vor sich hin, legt dann peinlich berührt auf und malt sich aus, wie sich die Leute beim Abhören des AB vor lauter Lachen auf dem Boden kringeln.
Die Sprachnachricht wurde zum Ausweis der Schlagfertigkeit. Man zelebrierte auch Begrüßungsansagen, welche die Anrufenden im Ungewissen lassen sollte. Möglicherweise sei man ja da, hätte nur gerade etwas besseres zu tun. Auf AB-Ansage, die klarstellte, man sei gerade längere Zeit im Urlaub verzichten die meisten nach den ersten Einbruchserfahrungen.
Dann kamen die Mobiltelefone. Theoretisch wurde man damit jederzeit erreichbar. In den ersten Jahren glaubte niemand dieses Märchen, insbesondere wenn aufs Land fuhr. Allein schon von Bielefeld nach Gütersloh zu fahren konnte einen plötzlich nackt ohne Funknetz dastehen lassen.
Zurück aber zu den Sprachnachrichten. Diese kam erst viel später richtig in Mode, mit dem Siegeszug der Smartphones. Plötzlich vergaßen die Menschen, dass man mit ihnen auch telefonieren konnte. Est verschickte man nur Textnachrichten, dann wurde bunte Bilder angehängt. Die Ära der „ich schicke im Büro lustige PowerPoint Präsentation herum“ übertrug sich auf das Smartphone. Smart ist so ein Verhalten jedoch nicht.

Unfug mit Sprachnachrichten

Vor ein paar Jahren fielen mir dann die ersten Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln auf, die etwas ins Telefon babbelten, ohne direkt eine Antwort zu erhalten. Nein, sie sprachen nichts auf einen Anrufbeantworter, sondern verschickten per App einen Sprachnachricht. Grundsätzlich ist so eine Möglichkeit für Menschen mit Einschränken eine verdammt gute Option. Bei allen anderen wirkt es jedoch wie eine soziale Behinderung. Vor allem dann, wenn man das Smartphone zu einer Art CB-Funkgerät missbraucht. Statt sich gegenseitig Sprachnachrichten zu verschicken, kann man doch besser gleich telefonieren — meine Meinung dazu.
Natürlich reicht es nicht, wenn nur eine App, nur ein Onlinedienst so eine Funktion zum versenden von Sprachnachrichten hat. Das ist vermutlich auch der Grund, warum man bei Instagram jetzt auch solche verschicken kann. Dabei soll sich bei Instagram eigentlich alles um Fotos drehen. Aber geschenkt. Einen ganz anderen Grund für die Einführung fiel meinem Kollegen ein:

Die bei Facebook haben Lack gesoffen.

In Bezug auf die Einführung von Sprachnachrichten bei Instagram neige ich dazu, mich dieser Meinung anzuschließen. Über die wahren Motive kann jedoch nur spekuliert werden. vermutlich benötigt Facebook noch ein Stimmprofil zu den Fotos.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren