Spielmaterial mit Gretchenfrage

Spielmaterial mit Gretchenfrage

Für Brettspieler stellt sich in Bezug auf Spielmaterial immer wieder die Grechtchenfrage. Dabei dreht es sich um mehr als nur um den eigenen Bezug zu Kartenhüllen.

Für Ordnung und gegen Verschleiß

Die Entweder-Oder Fragerunde von Spielwelten & friends finde ich immer wieder erfrischend. Auch deshalb, weil man als Brettspieler angeregt wird, sich selber mit den Fragen auseinander zu setzen. In der neusten Folge dreht sich alles um Spiele und Material — eigentlich aber um das Spielmaterial und wie man selber damit umgeht.
Für mich selber habe ich schon vor längerer Zeit zwei Punkte für mich herausgearbeitet. Ordnung beim Spielmaterial in der Schachtel ist mir wichtig. Auch deshalb, weil sich die Spiele dann schneller aufbauen lassen. Das trifft zum Beispiel bei Terraforming Mars  zu. Hier allerdings lediglich beim Aufbau, denn Material und Einsätze wieder in die Schachtel zu puzzeln ist aufwendiger, also lediglich ein paar Clipbeutel zu verstauen.
Ebenfalls wichtig ist mir, dass meine Spiele möglichst lange halten, denn in meiner Brust schlägt auch das Sammlerherz. Das ist natürlich ein Spagat, denn jedes Spiel, was man spielt, unterliegt auch dem Verschleiß. Jeder von uns geht damit anders um, manche sehen den Zahn der Zeit als Auszeichnung. Bei mir überwiegt die Angst, ein Lieblingspiel nicht mehr spielen und gleichzeitig keine Möglichkeit mehr zu haben, es durch einen Neukauf nicht mehr ersetzen zu können.
Etwas vorbeugen kann man meiner Meinung mit satten Gästen, einer der Gründe warum wir gerne im Rahmen von Spielabenden kochen. Wer satt ist, greift auch nicht zu fettigem Knabberzeug am Spieltisch.

 

Spielmaterial auf dem Tisch
Spielmaterial auf dem Tisch

Spielmaterial — Sleeves oder blank

Kommen wir aber zu den Fragen, die Spielwelten & friends hinsichtlich des Spielmaterials in ihrem Video beantwortet haben.
Im meinem Kopf setze ich bei blank eigentlich immer den Unterstrich vorweg, ist so eine Marotte von Webentwicklern. Aber zur Frage selber. Schützt man Karten durch Kartenhüllen oder nicht? Zeit dem ich Magic the Gathering gespielt habe, ist ds für mich keine Frage mehr. Selbstverständlich wird mit Kartenhüllen gespielt. Das liegt auch daran, dass die Qualität der Spielkarten erheblich abgenommen hat. Gutes Beispiel dafür ist mein altes Bohnanza. Von der Haptik her ein Leinenfinisch, die Ränder sind sauber gerundet, das stößt so schnell nichts ab. Dagegen hatten die Begegnungskarten von Scythe schon Macken, als ich sie frisch aus der Folie holte.
Kartenhüllen sind für mich ein Muss. Was allerdings dazu führt, dass ich einen abrufen Vorrat an Hüllen habe, da ja nichts genormt ist.

Würfel oder Karten

Wenn ich meine Antwort oben berücksichtige, müsste die Antwort eigentlich zu Gunsten der Würfel entfallen. Die brauchen keine Hüllen. Wenn die aber schlecht gearbeitet sind und kaputt gehen, hat man ein echtes Problem — nämlich dann, wenn es Sonderwürfel waren, die man eben nicht mal einfach so nachkaufen kann. Hierin liegt dann das eigentliche Problem von Würfeln. Handelsübliche Würfel bieten für komplexe Spiele meiner Meinung nach zu wenig Möglichkeiten, auch wenn mittlerweile Dice-Building und Dice-Placment Spiele wieder im Aufwind sind. Bei Spezialwürfeln kommt es auf die Verarbeitung an.
Karten sind deutlich flexibler in Bezug auf die Anforderungen an Thematik und Spielmechanik. Tatsächlich verhält es sich in meiner Sammlung so, dass einige der interessantesten Spiele überhaupt sowohl Karten als auch Würfel verwendet. Etwa Paths of Glory.

Mitgeliefertes Inlay wegwerfen

Für mich steht auf absehbare Zeit fest, was ich vorzugsweise mit mitgelieferten Inlays, sofern sie vorhanden sind, am liebsten mache: entsorgen. Meistens sind sie nämlich mehr gut gemeint als gut gemacht. Sehr krasses Beispiel hier ist Archipelago, wo man laut Spielautor die ganze Schachtel auf dem Spieltisch lässt, weil darin das Material durch den Einsatz ja so schön sortiert ist. Natürlich nimmt das wahnsinnig viel Platz weg. Zudem sorgte der Einsatz für die Archipel-Felder dafür, dass diese Macken bekamen. Der Einsatz war nämlich zu klein. Alles entsorgt, selber was gebastelt und zufrieden. Die eigene Lösung hat den Vorteil, dass man sie individuell an seine Bedürfnisse anpassen kann. Und auch Karten in Kartenhüllen berücksichtig. Genau daran scheitern viele der mitgelieferten Inlays.
Bei Dominion geht es gerade noch, wenn man die dünnsten und schäbigsten Kartenhüllen verwendet.

Liegende Brettspiele

Ob man seine Brettspiele lieber liegend oder aufrecht lagert, wurde gefragt. Nun, wenn ich mich recht erinnere, gab es diesbezüglich mal etwas vom deutschen Spielearchiv. Bei beiden Methoden leiden die Spielschachteln. Das Beste wäre vermutlich für jedes Spiel eine eigen Stasiskammer.
Bei uns zu Hause wird sowohl liegend als auch aufrecht gelagert. Das hängt mit dem jeweiligen Regal und dem betreffenden Spiel zusammen. Die Spiele von früher, wie etwa Risiko, sind überhaupt nicht dafür gedacht, aufrecht gelagert zu werden. Obwohl es zumindest in meiner Version noch Boxen für das Spielmaterial gibt, die im Auslieferungszustand dabei waren. Bei neuen Spielen ist es zum Teil so, dass das Spielmaterial im Karton durcheinander gerät. Inlays des Herstellers sind meistens auch nicht für diese Form der Aufbewahrung konzipiert. Die Schachteln selber haben jedoch eine Gestaltung des Rückens (der Vergleich mit Büchern ist hier falsch), die eine aufrecht Lagerung suggerierte. Aufrecht sieht auf jeden Fall schick aus.
Physikalisch betrachtet drückt dann das ganze Gewicht des Inhalts auf eine wesentlich kleine Fläche. Ob das gut ist? Vermutlich auch nicht viel schlimmer, was wenn bei der aufrechten Lagerung andere Spiele, die sich im Stapel darüber befinden, auf die Schachtel drücken.
Im Übrigen: Ziemlich gut gelöst hat das in den 1960er Jahren 3M mit seiner Bookshelf Serie.

Holzköpfe verwenden Plastik

Für mich die schwierigste Frage. Billiges Plastik finde ich genau so überflüssig auf dem Spielbrett wie liebloses Holz. Die Haptik spielt beim Spielmaterial immer eine Rolle, da kann Holz auftrumpfen. Schönes Beispiel dafür ist etwa Terra Mystica. Was hier gut passt, ist der Nachfolger / Weiterentwicklung Gaia Project. Dort wird nämlich Plastik verwendet. Zunächst ein Aufschrei, dann wurde festgestellt, dass es doch seinen Zweck erfüllt.
Genau darum geht es beim Spielmaterial. Es muss seinen Zweck erfüllen. Allerdings mag ich es nicht, wenn ich Plastikfiguren habe, die ich erst über ein heißes Bad in Form bringen muss, wie es beim Ringkrieg der Fall war. Wobei, mehrere hundert Holzblöcke mit Aufkleber zu versehen, ist auch kein Zuckerschlecken. Läuft wohl auf ein Unentschieden hinaus.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren