Spendenaffäre ernüchtert nicht

Spendenaffäre ernüchtert nicht

Manchmal stellt sich der Eindruck ein, bei Parteien würde so etwas wie ein genetischer Defekt zwangsläufig irgendwann zu einer Spendenaffäre führen. Jetzt hat es also auch die AfD erwischt.

Unschuld aus der Schweiz

Eigentlich heisst es ja „die Unschuld vom Lande“ — ein naives, blutjunges Mädchen vom Dorf. Wer denkt da nicht automatisch an Heidi und ihre Episode in Frankfurt? Und stammt natürlich aus der Schweiz, was sie fast mit Alice Weidel gemeinsam hat. Die stammt nämlich nicht von dort, wohnt aber da. Obwohl sie Fraktionsvorsitzende der AfD im Deutschen Bundestag ist. Ja, es ist kompliziert. Wobei, nicht so wirklich. In der neutralen Schweiz wohnt man gerne, wenn man in Deutschland Steuern vermeiden möchte. Als gelernte Unternehmensberaterin kennt sich Frau Weidel damit aus. Das erklärt vielleicht einiges, nicht aber, wie man in einer homophonen Partei sein kann, aber selber mit einer Frau verheiratet ist.
Aber das wollen wir an dieser Stelle nicht vertiefen. Sondern eher einen Blick auf die Spendenaffäre — hier müsste bereits der Plural verwendet werden — werfen. In den Medien (auf die kommen wir gleich noch zu sprechen) ist die Rede von einem anonymen Großspender aus der Schweiz (mal wieder), der 130 000 Euro fein sauber gestückelt in 18 Tranchen 2017 an die AfD für die Unterstützung des Wahlkampfes von Alice Weidel bezahlt haben soll.

Im Dschungel der Spendenaffäre
Spendendschungel

AfD mit Spendenaffäre

Nun wird nicht jede Spende gleich zur Spendenaffäre. Zwei Aspekte machen die Zuwendung jedoch zu einer. Erstens wäre die Höhe des Betrages meldepflichtig gewesen. Zweitens sind Spenden aus dem Ausland nicht zulässig. Hätte man die Spende umgehend zurück gewiesen wäre kein Schaden entstanden. Hat man aber nicht. Erst ein halbes Jahr später, so wird behauptet, sei das Geld zurück gezahlt worden. Unter anderen Alice Weidel hat frühzeitig von der Spende gewusst, parallel dazu aber im vergangenen Jahr die „Altparteien“ im Wahlkampf verspottet. Man selber habe keine Spendenaffäre und somit eine weiße Weste, hieß es.
Kann man jetzt alles tiefgründig analysieren und sich mit den Folgen für die AfD und insbesondere für Frau Weidel beschäftigen. Gerüchten zu Folge soll Co-Parteivorsitzende Alexander Gauland bereits sehr laut geworden sein. Man kann auch darüber lästern, dass die AfD endlich — hilft aber nicht weiter. So eine Spendenaffäre wird verlässlich nicht die Anhänger ernüchternd. Der allererste Abwehrreflex wird sein, von einer Kampagne gegen die AfD zu sprechen. „Das hat sich die Lügenpresse alles ausgedacht“ — die erste Stufe der Leugnung. Die Spendenaffäre wird bei vielen Wählerinnen und Wähler nicht dazu führen, dass sie von der Partei abrücken, sondern eher das Gegenteil bewirken. Wenn die Wahrheit schließlich nicht mehr zu leugnen ist, wird als nächstes die Spendenaffäre verharmlost.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren