Körper als Ersatzteillager

Körper als Ersatzteillager

Der Körper gehört nicht mehr dem Menschen, sondern dem Staat. Zumindest fast, wenn sich Gesundheitsminister Jens Spahn durchsetzt.

Cookies für Organspender

Die meisten von uns haben die heißen Sommertage mehr oder weniger ohne bleibende Schäden überstanden. Langsam kühlt sich das Wetter ab, trotzdem gibt es wieder etwas, was die Gemüter durchaus erhitzen kann. Der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), welcher sich gerne auch mal zu fachfremden Themen äußert, sprach ausnahmsweise mal zur Sache. Um die Organspende ist es in Deutschland nicht zum Besten bestellt. Die Bereitschaft sinkt eher als das sie zunimmt. Man übergibt den eigenen Körper lieber komplett er Erde oder den Flammen, statt anderen zu Menschen helfen. Menschen, die verzweifelt auf ein gesundes Organ warten. Kommt es zu spät oder gar nicht, kostet der Egoismus anderer ihr Leben.
Nur wer in Deutschland ausdrücklich seinen Willen zur Organspende erklärt hat, steht als Ersatzteillager nach seinem Tod zur Verfügung. Jens Spahn will diesen Umstand ins Gegenteil verkehren. Während man bei Cookies künftig ausdrücklich zustimmen muss, damit diese gesetzt werden, soll man bei der Organspende seine Ablehnung deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Andernfalls erfolgt automatisch die Organentnahme. Der eigene Körper ist damit nicht mehr der eigene Körper.

Körper als Ersatzteillager
rdelarosa0 / Pixabay

Körper ohne Recht

Mit dem Vorschlag von Spahn wird Organspende aber erstmal nicht zum Normalfall, sondern zu einer ethischen Frage. Es ist ein erheblicher Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen, was auch Spahn wohl so bewusst ist.
In der Süddeutsche Zeitung gibt es dazu einen klugen Kommentar von Herbert Prantl — online verfügbar mit dem sehr treffenden Titel „Der Leib ist kein Ersatzteillager“. Im Wesentlichen geht es um den Zwang, den eine Widerspruchslösung auf den Menschen ausübt. Man wird vom Staat dazu gezwungen, sich über seinen eigene Tod Gedanken zu machen. Ob man dann seinen Körper zur Organspende zur Verfügung stellt oder eben nicht. Letztendlich wird den Menschen der eigene Körper entrissen, er verliert sein Recht daran.
Sicher Organspende rettet Leben. Das sollte aber immer eine Akt der Nächstenliebe  sein und nicht unter Zwang erfolgen. Das Thema Organspende löst bei vielen Menschen Ängste aus — einer davon bin ich. Vor allem auch deshalb, weil der Hirntod mittlerweile doch wieder als Kriterium umstritten ist. Darüber hinaus ist die Frage berechtigt, ob das Recht auf körperliche Unversehrtheit nur zu Lebzeiten eingefordert werden kann. Oder ob die Würde des Menschen nur zu Lebzeiten gilt.
Juristisch ist das wohl etwas einfach als ethisch. Menschenrechte gelten nur für rechtsfähige Personen. Und rechtsfähig ist man vom Zeitpunkt seiner Geburt bis zum Tod.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren