Schulburka in Bayern

Schulburka in Bayern

Große Aufregung diese Woche in Bayern. Diesmal sind es nicht die Flüchtlinge, sondern die Einführung einer Schulburka in Passau.

Shitstorm voller Unverständnis

Bayern ist zu Zeit ein Bundesland, über das man nur den Kopf schütteln kann. Voll Mitleid ist man fast geneigt zu behaupten, die Bayern seien ja nicht Schuld am Verhalten von Horst Seehofer. Bis einem dann wieder einfällt, wer den eigentlich gewählt hat. Es ist aber nicht alles schlecht, was aus dem Bundesland im Süden kommt. Sie machen brauchbare Bier, die beste Tageszeitung der Republik kommt von dort und die Berge können sich auch sehen lassen. Apropos Berge. Es gibt ja das hässliche Gerücht, dass Hannibal bei seinem Marsch über die Alpen die Kranken und Fußfaulen in einem Gebiet zurückgelassen hat, welches geographisch dem heutigen Bayern entspricht. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.
Zurück aber zur Tagespolitik. Statt sich weiterhin über den neuen Asylkurs aufzuregen, fällt derzeit ein geifernder Mob über einen Schuldirektor aus Passau her. Drei seiner Schülerinnen müssen angeblich Strafkleidung tragen, ja sogar von einer Schulburka war zum Teil die Rede — etwas übertrieben, wenn man mich fragt. Der Artikel etwa bei bento war extrem polemisch: „In Bayern müssen junge Mädchen Straf-Kleidung wegen „sexy“ Outfits tragen. Geht’s noch?“ .

Schulburka
yandso1 / Pixabay

Männer Schuld an Schulburka

Gleich zu Beginn wird der hässliche Verdacht gestreut, Männer seien Schuld an der Schulburka. Sie würden den drei Mädchen die aufreizende Kleidung verbieten. Man steigert sich sogar so weit rein und behauptet, den Heranwachsenden würden durch die Schulburka — eigentlich nur übergroße T-Shirts, die falschen Signale beigebracht.
Wie das halt so ist in den zum teil überhitzen neuen Medien, journalistische Sorgfaltspflicht bleibt auf der Strecke, wenn man schnell ein paar Klicks generieren kann.
Eine Welle der Wut schlug Rektor Christian Kröll entgegen, der in der Passauer Neuen Presse stolz die T-Shirts mit drei Schülerinnen präsentierte. Bei diesen handelte es sich im Übrigen nicht um erwischte Delinquentinnen, die zur Strafe die Schulburka tragen mussten, sondern es war eine Aktion, um die unterschiedlichen T-Shirt Varianten vorzustellen. Natürlich vor dem Hintergrund, dass diese für Schülerinnen und Schüler (!) da seien, „die in zu knapper oder zu tief ausgeschnittener Kleidung im Unterricht erschienen“.
Mit welchem Recht nötigt man die Schülerinnen und Schüler dazu? Ganz einfach, es gibt einen zweieinhalb Jahre alte demokratische Entscheidung des Schulforums, in dem Lehrer, Eltern und Schüler vertreten sind — nachzulesen bei Spiegel online. Dort findet sich auch ein Aussage die, mit der Schülervertretung abgestimmt ist: Man sei stolz auf die gefundene Lösung.

Faktenfries urteilen

Alles im allen nichts Neues. Ohne die Fakten zu kennen, regt man sich über eine vermeintlich Schulburka aus. Auch ohne mal eine Minute lang über die pädagogischen Hintergründe nachzudenken. Es ist halt einfach, man schnell einen Dislike oder Tweet zu verteilen, als zu recherchieren oder mit den Verantwortlichen zu unterhalten.
Was das Thema angemessene Kleidung angeht, bin ich mittlerweile ganz dafür, einen einheitliche Schuluniform einzuführen. Eine Beschränkung der Freiheit? Wohin zu viel Individualismus, könne wir doch täglich erleben. Tatsächlich wäre eine Schuluniform ein Gewinn an Freiheit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren