Menschenwürde der AfD

Menschenwürde der AfD

Ein alter Mann muss ihn Badehose nach Hause gehen. Ihm wurden seine Sachen geklaut. Das kann man lustig finden. Oder aber die Verletzung der Menschenwürde beklagen.

AfD unantastbar

Im Zusammenhang mit der AfD von Menschenwürde zu reden, ist eine einigermaßen heikel Angelegenheit. Heikel deshalb, weil man sich schnell aufs Glatteis begeben kann — und das bei sommerlichen Temperaturen, wo andere lieber baden gehen.
Baden gehen ist dabei schon das richtige Stichwort. Denn genau darum geht. Beziehungsweise um die Sache mit der Badehose beim AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland. Dem wurde vergangene Woche beim einem nicht ganz so legalen Badeausflug seine Anziehsachen gestohlen. Der Täter soll beim weglaufen noch gerufen haben „Nazis brauchen keinen Badespaß!“. Mittlerweile ermittelt in der Sache der Staatsschutz, da ein politisches Motiv der tat nicht ausgeschlossen werden kann.
Herr Gauland wurde nach dem Diebstahl von der Polizei nach Hause begleitet. Davon gibt es ein Foto, dass dann auch online kursiert. In der Springer-Presse wurde dies nicht abgedruckt. Es hieß aus ihrem Haus, so was verstoße gegen die Menschenwürde. So zeigte weder Welt noch welt.de das Foto. Das man früher bei der Welt das Foto vom toten Uwe Barschel in der Badewanne abdruckte, geschenkt. Der war ja schließlich tot und da gilt die Menschenwürde nicht. Auch nicht für das ertrunkene Flüchtlingskind am Strand.

Badesee und Menschenwürde
KRiemer / Pixabay

Gaulands Menschenwürde

Zurück aber zur Menschenwürde von Herrn Gauland. Meiner Meinung nach ist das Ganze eine spaßige Aktion. Zwar nicht für Herrn Gauland, aber für viele andere. Jemanden zu demaskieren, hat etwas befreiendes. In dem Zusammenhang von Menschenwürde zu sprechen, halte ich für weit über das Ziel hinausgeschossen. Es verleiht der Sache auch eine erheblich größere Bedeutung, als sie eigentlich hat. Trotzdem muss man sich die Argumente anderer anhören. Ein Statement dazu eines Twitter-Nutzers kann man nicht einfach vom Tisch wischen:

Man kann es nicht oft genug sagen: Genau die Häme, die #Gauland nach dem Diebstahl seiner Klamotten beim Baden jetzt entgegenschlägt, ist einer der Gründe, warum unsere Gesellschaft auseinander driftet.
Martin Hoffmann

Das bleibt erstmal hängen. Es bleibt hängen, weil es eingängig und nachvollziehbar ist. Genau so falsch ist es aber auch. Das unsere Gesellschaft auseinander driftet, hat nichts mit Häme zu tun. Sondern vielleicht eher mit Schlagzeilen wie dieser. Oder dem Umstand, in Deutschland die 45 Reichsten so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen.

Rechte Demaskieren

Wirklich im diskutieren kann man dagegen die Menschenwürde des Alexander Gaulands. Die wurde meiner Meinung nach nicht verletzt. Weder durch den Diebstahl noch durch das Foto. Was Paparazzis an Fotos gemacht haben in der Vergangenheit, die ohne zu zögern veröffentlicht wurden. Da gibt es ander Fälle, bei denen man von einer Verletzung der Menschenwürde reden könnte.
Wenn ich ganz ehrlich bin, begrüße ich die Aktion auch. Sie dient der Demaskierung. Sie macht den Politiker der AfD lächerlich. Und das ist wichtiger, als viele glauben. Wir müssen uns abgewöhnen, Politiker vom Kaliber eines Alexander Gaulands mit Samthandschuhen zu behandeln. Es ist noch nie gut gegangen, Faschisten auf Augenhöhe zu begegnen. Gerade wir Deutsche sollten das wissen. Wenn jemand in die Ecke gedrängt wird und quickt wie eine Maus, dann sind wir es. Persönlich spricht mir der Artikel von Lalon Sander in der taz aus der Seele.
Allerdings sollten wir statt auf die Badehose zu schauen lieber schauen, was die AfD treibt. Etwa in Bremen, wo sie unter dem Deckmantel der Neutralitätspflicht Lehrern einen Maulkorb verpassen lassen will. Darüber sollte man diskutieren. Und über die Rolle, die Talkshows von Plasberg, Maischberger & Co, die der AfD den Weg in den Bundestag bereitet haben.
Es gibt keine Hetze gegen die AfD — nur die Wahrheit über gefährliche Rechtspopulisten.

One Reply to “Menschenwürde der AfD”

  1. Gute weitere Gesichtspunkte zu dieser Sache und der Reaktion darauf! Habe auch einen Kommentar für meinen Sonntagspost vorbereitet. Ich kann manchmal nicht fassen, wie sich in diesem Land die Wertmaßstäbe verschieben zugunsten rechter Denke bzw. wie weit die Anbiederung inzwischen fortgeschritten ist.
    LG

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren