The Terror — Angst im Eis

The Terror — Angst im Eis

Die Serie The Terror verknüpft gekonnt historische Fakten und Fiktion. Im Mittelpunkt steht eines der letzten Abenteuer der Menschheit. Damals wie heute ist Scheitern an der menschlichen Hybris möglich.

Aus dem Eis ins All

Die Menschheit hat kontinuierlich ihre Grenzen neu abgesteckt. Neues Entdecken liegt in unseren Genen. Wir können offensichtlich nicht anders, egal wie hoch auch der Preis ist. Aus einer der berühmtesten Science Fiction Serien stammt ein zentraler Satz (im englischen Original): „Space: the final frontier.“ Es sind genau dieses Grenzen, die wir versuchen zu überschreiten. Für mich liegt eines der letzten Abenteuer der Menschheit im Weltraum. Andere mögen der Fußball-WM entgegenfiebern, ich finde den Flug des deutschen Astronauten Alexander Gerst zur Internationale Raumstation deutlich spannender.
Anders als Patrick Illinger in der heutigen Ausgabe der Süddeutsche Zeitung würde ich auch nie auf die Idee kommen, die Kosten für die benannte Raumfahrt nachzuhalten. Zu überlegen, was man alles statt dessen mit dem Geld machen könnte – ich für meinen Teil frage mich eher so etwas bei der Fußball-WM. Letzte Abenteuer sind immer kostspielig. Und nicht selten kosten sie zahlreiche Menschenleben. Die Risiken der modernen Weltraumfahrt sind vergleichsweise gering. Zumindest, wenn man als Maßstab Expeditionen auf unserem Planten in den letzten Jahrhunderten nimmt. Dieses Gefahren zeigt die Serie The Terror sehr deutlich.

The Terror — Angst im Eis
Free-Photos / Pixabay

Serie The Terror

Natürlich handelt es sich bei der Serie The Terror um Fiktion, basierenden auf dem gleichnamigen Buch von [Dan Simmons]. Aber so einfach ist das mit der Fiktion dann doch nicht. The Terror basiert größtenteils auf den tatsächlichen Ergebnissen der Franklin-Expedition, deren Ziel es war, die Nordwestpassage zu durchsegeln um einen kürzeren Weg von Europa nach Asien zu finden. Die Expedition scheiterte. Sämtliche Umständen sind dabei bis heute nach wie vor nicht geklärt. In der Serie wird etwa die Theorie der Bleivergiftung durch die mit Blei verlöteten Konservendosen aufgegriffen. Diese ist aber nach wie vor umstritten. Trotz Spuren von Kannibalismus wird auch dieser bezweifelt — wobei er durchaus vorstellbar ist. Im so genannten zivilisierten Europa zeigte er sich im gleichen Jahrhundert wie die Franklin Expedition etwa bei Russlandfeldzug von Napoleon.
The Terror fügt den Theorien und Annahmen noch eine Portion Schrecken hinzu. Als die Besatzungen der beiden Schiffe endgültig im Eis feststecken, setzt ihnen die mythische Gestalt des Tuunbaq zu. Kein Eisbär, wie die Männer zuerst glaubten, sondern ein seelenfressendes Monster, das nur von einem eingeborenen Schamanen kontrolliert werden kann.

Festsitzen im Eis

Die missliche Lage der Abenteurer und Forscher in The Terror bekommt durch die Bedrohung von außen eine Horror-Note. Eine, die allerdings nicht erforderlich wäre. Die Serie würde genau so gut funktionieren, ließe man Tuunbaq einfach weg. Für das Grauen sind dann die Menschen selber verantwortlich. Wie gut sie sich gegenseitig dezimieren können, beweist der Bootsmann Hickey. Mehr an dieser Stelle zu verraten, wäre schon zu viel.
Es lohnt sich, The Terror anzuschauen. Das ewige Eis liefert eine gute Kulisse für die Beschäftigung mit der Frage, was uns menschlich macht. Und wann wir bereits sind, diese Grenze zu überschreiten.
Noch was zum Titel der Serie. Die beiden Schiffe der Expedition hießen HMS Erebus und HMS Terror. Das Buch auf dem die Serie basiert, trägt den Titel „The Terror“ (dt. Terror). Das Grauen. Den deutschen Buchtitel finde ich ausnahmsweise mal gelungener, da er doppeldeutig ist, während er Originaltitel keine Zweifel lässt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren