Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Gesten können falsch gedeutet werden. Zwischen Nationen, Kulturen. Viel häufiger aber zwischen Mann und Frau. Träm lernte das auf die harte Tour. Er war gerade frisch gebackener Neubürger von Bielefeld. Bezog seine eigene Studentenbude. Die erste Woche des ersten  Semesters ging zu Ende. Eine Kennenlernwoche, die ihren Höhepunkt in einer Party für die Erstsemester fand. Für Träm bedeutet Bielefeld ein Neuanfang. Hier kannte ihn niemand mit seiner alten Brille. Auch trug er die Haare anders, fühlte sich frei und fast unabhängig. Die finanzielle Leine seines Vaters spürte er noch nicht.

Liebe im Studium

fradellafra / Pixabay

Ausgelassen feierte Träm mit den anderen Erstsemestern den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Tanzte unbeholfen zur Musik, trank sich keinen Mut an, denn er schreckte vor Alkohol zurück. Eine Kunststudentin fand Gefallen an ihm. Weniger wegen seines Tanzstiels, sondern weil Träm den ganzen Abend abstinent blieb. Sie verstanden sich auf Anhieb gut, entdeckten Gemeinsamkeiten. Während um sie herum alles zunehmend betrunkener und in dunklen Ecken wild geknutsch wurde, verschwanden sie nach draußen. Gemeinsam sahen sie sich den Sternenhimmel an.

Es war nichts kitschiges dabei, sondern einfach nur schön. Kein Händchen halten, kein Kuss. Zum Abschied umarmte sie ihn. Träm verstand es falsch, glaubte an Liebe, während sie nur dachte, einen guten Freund gefunden zu haben. Das ganze erste Semester litt Träm wie ein Hund, obwohl er sie nur selten in der Uni sah.

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