Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Wer als Lehrer neu an eine Schule kommt, muss erstmal seinen Platz finden. Georg Träm räumte sich einen Tisch frei, den die Kollegen vorher als Ablage benutzt hatten. Wie das bei Ablagen so ist, kommt immer eins zum anderen bis die Ähnlichkeit mit einer Müllhalde unverwechselbar ist.

Als der Tisch dank Träm wieder frei wurde, entdeckten auch andere im Lehrerzimmer die Vorzüge dieses Platzes am Fenster. Still und einvernehmlich wurde Träm verdrängt und musste sehen, wo er blieb. Ein Lehrerzimmer ist einem Raubtierkäfig nicht unähnlich. Mit dem Unterschied, dass kein Zoodirektor bei Verstand Jäger und Beutetiere in ein gemeinsames Gehege sperren würde.

Außenseiter in der Schule

PIRO4D / Pixabay

Mit dem Aufstieg in höhere Besoldungsstufen und dazu gehörige Übernahme von Leitungsfunktion bekam Träm ein eigenes Büro. Fortan durfte er sich zur erweiterten Schulleitung zugehörig fühlen. Als ein Kollege pensioniert wurde, übernahm Träm die Verantwortung für den Vertretungsplan. Ein Job, den sonst niemand wollte. Kein Wunder, denn auf diesem Posten konnte man sich im Grunde nur unbeliebt machen. Für Träm spielte das zu diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr. Von den Kollegen wurde er gemieden, hinter seinem Rücken machte man Witze über ihn. Daran trug Träm selber zu einem gewissen Teil die Schuld. Hauptsächlich aber die Schülerzeitung, die ein Zitat von ihm abgedruckt hatte. Als er vor einer Klasse sagte, jeder könne zehn Prozent seiner Note selber beeinflussen, wollte er eigentlich hundert Prozent sagen. So war das Kind aber in den Brunnen gefallen und der Spruch machte seine Runde.

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