Entdeckt die Öffentlich-Rechtlichen!

Entdeckt die Öffentlich-Rechtlichen!

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind mal wieder in der Kritik. Dabei stellen sie nach wie vor einen wichtigen Teil der Grundversorgung dar.

Nicht nur Gebühren

Vor mir liegt ein Brief vom Beitragsservice. Er kam gestern mit der Post. Für die Jüngeren: das sind so Papierumschläge, die in einen „Briefkasten“ geworfen werden. Eine Art gedruckte E-Mail. Im Brief ging es um die von mir zu zahlenden Rundfunkbeiträge. Mal wieder sind 52,50 Euro fällig. Die werde ich gerne zahlen, denn es gibt aus meiner Sicht verdammt gute Gründe dafür. Auch wenn ich selber kaum Fernsehen schaue und Filme vornehmlich über Netflix konsumiere. So wie es viele andere auch tun. Dazu kommen noch Zuschauer des Privatfernsehens, Youtub-Konsumenten und viele andere mehr, die mit ARD und ZDF nichts mehr am Hut habe. Da hilft auch keine Tatort-Retrowelle. Die Frage „Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?“ gestern Abend bei Maischberger (lief wohl im öffentlich-rechtlichen Fernsehen) scheint daher wohl durchaus berechtigt zu sein.
Befeuert wird die Debatte hierzulande über die Entwicklung in der Schweiz, wo am kommenden Sonntag die Bürgerinnen und Bürger über die Abschaffung ihres öffentlich-rechtlichen Rundfunks abstimmen dürfen. Natürlich habe die Sendung gestern Abend nicht gesehen, ich bevorzuge hier die nachgelagerte Berichterstattung. Talkshows regen mich ehedem einfach nur auf, besonders wenn man auch noch AfD-Gesocks dazu einlädt.

Entdeckt die öffentlich-rechtlichen Sender
Detmold / Pixabay

Sind die öffentlich-rechtlichen am Ende?

Mir geht es auch gar nicht um das, was gestern Abend geboten wurde. Im Kern dürften die Argumente auf den Tisch gekommen sein, die uns allen schon länger bekannt sein sollten. Zu teuer seien die öffentlich-rechtlichen Sender, die bürokratisch, es würde einseitige Berichterstattung erfolgen (Argumente vornehmlich aus dem politisch rechten Lager). Und überhaupt seinen das Zwangsgebühren. Natürlich zahlt niemand gerne Geld für eine Leistung, die er selber nicht in Anspruch nimmt. Von dem, was ich an Steuern zahle, werden Autobahnen gebaut, obwohl ich kein Auto habe. Es werden Lehrer bezahlt und Schulen finanziert, obwohl meine Frau und ich kinderlos sind. Aber so ist das nun mal in einer Gemeinschaft. Genau mit dieser Grundeinstellung sollte man an die öffentlich-rechtlichen Sender gehen, wenn man sie hinterfragen will.
Natürlich gibt es dort einen Reformbedarf. Das der Intendant des WDR mehr verdient als die Bundeskanzlerin, ist eine der Kuriositäten. Grundsätzlich aber leisten ARD und ZDF einen enorm wichtigen Beitrag zur Meinungsvielfalt. Für mich wäre es eine Horrorvorstellung, wenn die öffentliche Meinung nur noch durch private Sender geprägt wäre. Man muss nicht mal nach Italien schauen um zu sehen, wie Einfluss einzelner auf das Fernsehern zu Missbrauch führt beziehungsweise führen kann. Hier in Köln, einer Millionenstadt, gibt es nur einen einzigen Zeitungsverlag in der Hand einer Familie.

Vielfalt statt Einfalt

Es entspricht einer beängstigenden neoliberalen Entwicklung, öffentliches Eigentum zu privatisieren. Das fängt beim Wohnungsbau an, geht Energieversorgung, Wasser, ÖPNV und eben auch Fernsehsender. Wir können froh darüber sein, dass wir hier in Deutschland noch die öffentlich-rechtlichen Sender haben. Sie gehören letztendlich uns allen. Und das sollte auch so bleiben. Natürlich gibt es eine Vielzahl an Sendung, über die ich nur den Kopf schütteln kann. Auf der anderen Seite gibt es auch arte, einen Sender den ich ziemlich schätze. Was da läuft, ist ein hervorragendes Kulturprogramm. Zudem werden dafür auch Filme produziert, die wirklich unter die Haut gehen. Etwa die zweite Staffel von Occupied oder heute Abend die in der Süddeutsche Zeitung gelobte Serie Bad Banks.
Allein dafür hat sich mein Beitrag von 52,50 Euro gelohnt. Und ehrlich, wenn ich irgendwo All-you-can-eat essen gehe, beschwere ich mich ja auch nicht, wenn ich satt bin und n nichts mit nach Hause nehmen darf. Ich für meinen Teil möchte die öffentlich-rechtlichen Sender so wie sind behalten. Jedem kann ich nur empfehlen, sie auf Entdeckungsreise durchs Programm zu begeben und die Perlen finden. Davon gibt es einige, ganz ohne Werbeunterbrechung.

Ganz nebenbei: Personen wie Beatrix von Storch, die keinen Rundfunkbeitrag bezahlen, einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt in der ARD zu ermöglichen, gefällt mir ganz und gar nicht.

2 Replies to “Entdeckt die Öffentlich-Rechtlichen!”

  1. Nicht zu vergessen das Grossartige Rundfunkprogramm.. vieles davon kann man sogar als Podcast laden und hören wann man möchte und das ganz legal. Und lernt man ne Menge über dieses und über andere Länder…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren