Raser sind Mörder

Raser sind Mörder

Autos können eine tödliche Waffen sein. Wer vorsätzlich mit ihnen durch Innenstädte rast, ist dennoch kein Mörder, mit der Bundesgerichtshof. Oder sind Raser doch Mörder?

Fragwürdiges Urteil

Immer wieder werden bei illegalen Autorennen in deutschen Städten unbeteiligte Menschen getötet. Auch hier in Köln. Es kann wirklich ohne Ausnahme jeden Treffen. So etwa auch den Sohn des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma, dessen Sohn mit 31 Jahren starb. Er wurde Opfer zweier Raser im Alter von 22 und 24 Jahren. Ein ähnliches Alter haben die beiden Berliner, bei deren „Rennen“ vor zwei Jahren ein Familienvater getötet wurde. Die beiden fuhren mit über 160 Stundenkilometer nachts durch Berlin unter Missachtung mehrer roter Ampeln.
So was ist nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich. Entsprechend habe ich das Urteil des Landgerichts Berlin gegen die beiden begrüßt, mit dem sie der vorsätzlichen Tötung für schuldig gesprochen wurden. Dieses Urteil jedoch wurde gestern vom Bundesgerichtshof kassiert. Ich halte das für ein sehr fragwürdiges Signal. Begründet wurde die laut Süddeutsche Zeitung Entscheidung damit, dass nicht ausreichend gewürdigt worden sei, dass die beiden Laser sich auch selber gefährdet hätten. Ganz herrlich: mein Mitleid hält sich an dieser Stelle in Grenzen. Nur weil man sich selber in Gefahr bringt, heisst das noch lange nicht, dass man kein Mörder ist.

Raser sind Mörder
12019 / Pixabay

Raser als Gefahrenquelle

Wie die SZ schreibt, wird es durch das Urteil schwierig, Raser künftig als Mörder zu verurteilen. Entsprechend düster war meine Stimmung beim frühstücken. Auch der Kommentar von Wolfgang Janisch, „Gefährder, nicht Mörder“, in der heutigen SZ machte sie nicht besser. Sein prominent auf die Titelseite der Digitalausgabe platziertes Zitat „Raser sind keine Mörder“ empfand ich persönlich als Provokation. Und als Schlag ins Gesicht all derjenigen, die einen Menschen durch solche „Autorennen“ verloren haben.
Beim Zähne putzen fing der Kommentar von Janisch allerdings an zu wirken. Sein Aufhänger sind Zorn, Rache und Vergeltung. Man möchte Raser lange hinter Gitter sehen, als harte Strafe für das genommene Menschenleben. Das ist die eine Seite. Der anderen Grund ist — so geht es auch mir — die erhoffte Abschreckung. Wenn ein hohes Strafmaß im Raum steht, so die Hoffnung, hält das Menschen davon ab, mit Autos durch die Innenstadt zu Rasen. Damit sind wir dann wieder zwangsläufig bei Mördern. Ich musste mich ernsthaft fragen, ob ich wirklich dran glaube. Denn konsequenterweise müsste ich dann auch davon überzeugt sein, dass die Todesstrafe Mord verhindert. Das ist jedoch nicht der Fall. So wird es auch Raser nicht von ihrem Tun abhalten, wenn ihnen droht, im Fall des Falles als Mörder verurteilt zu werden.

Nicht erwischt

So wie wir lange unschuldig glauben, Krankheit und Tod würde uns nicht erwischen, so glauben Raser dran, nicht erwischt zu werden. Abschreckung funktioniert meiner Meinung nach hier nicht. Insofern muss ich Wolfgang Janisch zustimmen. Lebenslange Haft ist hier definitiv nicht die richtige Antwort. Genau so allerdings wie Bewährungsstrafen. Politik und Gesellschaft sind gefragt, andere Lösungen zu finden.
Vorstellbar wäre sogar ein technischer Weg. Ein Chip in jedem Auto, der innerhalb von Innenstädten die Überschreitung einer festgelegten Höchstgeschwindigkeit automatisch verhindert. Ändern ließe sich aber auch die Straßenführung an sich, die Autorennen unattraktiv macht. So lange Innenstädte immer noch primär dem Autoverkehr unterworfen sind, wird es immer zu Problemen durch Autos kommen. Seie es durch zu schnelles fahren oder durch den Ausstoß von Schadstoffen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren