Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Zu Ostern lasse ich die bei mir ansonsten übliche Betonung, ich sei Gott sei dank evangelisch unter den Tisch fallen. Üblicherweise verwende ich sie immer dann, wenn es um katholische Themen hier im Blog geht. Katholischer als der Papst geht es kaum, aber wie gesagt, Ostern spare ich mir den Hinweis. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass ich von Papst Franziskus beeindruckt bin.

Wer katholisch ist, kann sich glücklich schätzen mit diesem Papst. Wobei es eine Menge Katholiken geben wird, für die der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ein rotes Tuch ist. Reformen und katholische Kirche, insbesondere die Kurie, vertrugen sich noch nie besonders gut.

bergsteigerin / Pixabay

Die Süddeutsche Zeitung widmete Franziskus in der Wochenendausgabe einen umfangreichen Artikel. Was mich, ja beeindruckt, ist die Bescheidenheit des Papstes. Gelebtes Vorbild für die gesamte Glaubensgemeinschaft. Sicher, es ist auch wenn er das Oberhaupt der katholischen Kirche ist, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wirklich revolutionieren kann er die Kirche nicht, es ist vermutlich auch gar nicht in seinem Interesse, alles auf den Kopf zu stellen. Anstöße gibt er aber dennoch. Selbst wenn der große Wurf ausbleibt, so sind es doch die kleinen Dinge. Der Verzicht darauf, im pompösen Plast zu leben. Ein Kreuz aus Olivenholz statt aus Gold oder Silber oder aber welchen Menschen er am Gründonnerstag er die Füße wäscht.

Richtig spannend wird es, was er von sich gibt. „Diese Wirtschaft tötet.“ heisst es in bei ihm in „Evangelii Gaudium“. Eine deutliche Ansage. In seiner Klarheit erinnert mich Franziskus an einen anderen Papst. Der 33-Tage-Papst Johannes Paul der I. Mit sieben (und bereits evangelisch) hatte ich mit Päpsten nichts am Hut. Im Religionsunterricht ging es auch um andere Dinge. Mein Vater fand den Papst jedoch interessant. Gut erinnern kann ich mich noch an ein Buch im Regal zu Hause, welches sich mit dem Papst und der Verschwörungstheorie um sein Ableben beschäftigte.

Johannes Paul der I. legte einen ähnlichen Reformeifer an den Tag wie Franziskus. Über Johannes Paul den I. heisst es, er sei Opfer dunkler Machenschaften geworden. Die Entsorgung eines unbequemen Papstes. „Könnte sich so was wiederholen?“, ging mir heute morgen beim lesen des SZ-Artikels durch den Kopf. Ausschließen kann man nichts. Aber es lassen sich gewisse Überlegungen zur Wahrscheinlichkeit anstellen. Mein Eindruck ist, man hält sich Franziskus als eine Art Hofnarr. Der darf den Kapitalismus kritisieren, den Klimawandel für real halten und sogar zu Umkehr aufrufen. Man weiss, wie wenig selbst ein Papst in unserer heutigen Welt ausrichten kann.

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