Entzaubertes Tütenzeugs

Entzaubertes Tütenzeugs

Bei uns zu Hause wird eigentlich immer frisch gekocht. Ravioli aus der Dose wie am letzten tag auf Borkum sind die absolute Ausnahme. Auf Tütenzeugs verzichten wir zudem auch.

Schnell ohne fix

Für mich bedeutet frisch kochen immer auch, so wenig wie möglich an vorgefertigten Zeugs zu nehmen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die entweder aus Zeitgründen oder wegen der Bequemlichkeit ergeben. Spaghetti kauf ich wie gefühlt 95 Prozent der Bevölkerung fertig im Supermarkt. Selbst Kartoffelpüree — reden wird lieber nicht darüber, denn das ist eigentlich deutlich banal zu machen wie Nudeln. Empfindlich bin ich beim Thema Gewürze. Das ich in unseren Urlaub auf Borkum eigenes abgefüllte Gewürze mitgenommen hat, hat natürlich Gründe. Gute Gewürze spielen eine bedeutende Rolle für das, was am Ende beim Kochen herauskommt. Nebenbei natürlich auch die richtige Menge, was man ganz einfach mal selber ausprobieren kann. Man nimmt einfach erheblich mehr Salz oder lässt es komplett weg.
Abends schnell kochen, was wir unter der Woche durchaus machen, geht auch ohne Fertiggerichte. Es kommt nur auf die Gerichte und entsprechenden Rezepte an. Den Verlockungen von Tütenzeugs kann ich ziemlich gut widerstehen. Wozu sollte ich auch ein Rezept mit Gewürzen für vergleichsweise viel Geld kaufen, wenn ich zu Hause ein gut gefülltes Gewürzregal habe? Trotzdem bin ich gestern reingefallen.

Tütenzeugs oder selber würzen?
Hans / Pixabay

Tütenzeugs besseren Wissens

Man kann mich im Supermarkt relativ einfach verführen. Es reicht der Aufdruck „Neu“, veränderte Rezeptur — gilt nicht für Nutella, da ich bekennender Samba-Fan bin — oder eine ansprechende Verpackung. Die Gewürzmischung für „Süsskartoffel-Puten Gulasch“ kannte ich bisher noch nicht. Eine ästhetische weiße Verpackung aus Pappe, durchsichtige Folie, damit man den Inhalt sieht. Dazu gezeichnetes Gemüse. Ein Stil, der Vertrauen erwecken soll. Trotz des bekannten gelb-roten Logos eines bestimmten Herstellers (um dessen Produkte ich ansonsten einen großen Bogen mache) griff ich zu.
Ehrlich, ich stehe auf Süßkartoffeln. Ein Gericht in Kombination mit Pute klang verdammt lecker. „Vielleicht sind die bei dem Tütenzeugs wirklich besser geworden“, machte ich mir auf dem Weg nach Hause selber Hoffnung. Die Mischung sollte mit 100 ml Wasser angerührt werden. Aus Erfahrungen mit lange zurück liegenden Versuchen nahm ich die doppelte Menge. Trotzdem roch es in unserer Wohnung wie Chemiebaukasten. Essen konnte man es am Ende, wie gesagt, die Kombination aus Süßkartoffel und Pute ist gut. Nur die Gewürzmischung ist ziemlich extrem. Meine Frau und ich fanden es trotz der Verdünnung immer noch zu stark gewürzt. Laut Herstellerangabe sollen keine Geschmacksverstärker enthalten sein.

Gewürze sind Vertrauenssache

Dem kann ich nicht widersprechen. Aber wie bei allem kommt es ja auf die Dosis an. Wenn nicht über 50 Prozent der Mischung aus Weizenmehl (laut Packung auch enthalten) besteht, dann war das insgesamt einfach zu viel. Wenn ich selber koche, haue ich auch bei größeren Mengen nicht 54 g Gewürze in die Gerichte. Für mich sind Gewürze immer auch eine Vertrauenssache. Daher gibt es gute Gründe, warum ich auch in Zukunft wieder einen großen Bogen um Tütenzeugs machen werde. Wenn ich wirklich eine Mischung brauche, dann kaufe ich sie von Herstellern meines Vertrauens, etwa von Herbaria oder Sonnentor. Bei letzterem gefällt mir auch die ganze Philosophie des Inhabers.
Am Ende aber noch mal zurück zur Rezeptidee selber. Mit der Kombination an sich bin ich einverstanden. Pute, Süßkartoffel und Crème fraîche sind eine sichere Bank. Fehlen halt nur die Gewürze dazu, da werde ich wohl selber ran müssen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren