Dummheit im Gesicht

Dummheit im Gesicht

Das es auf dem flachen Land etwas ruppiger zugeht, ist kein Gerücht. Man ist direkter, gerne auch hinter dem Rücken der betreffenden Person. Verwandtschaft ist kein Hinderungsgrund, über jemanden herzuziehen. Gut kann ich mich noch an den Ausspruch meiner Großmutter bezüglich einer Person erinnern. „Dem steht die Dummheit ins Gesicht geschrieben“, meint sie bei Kaffee und Kuchen.

Ehrlich gesagt finde ich es bedenklich, von der Physiognomie eines Menschen auf dessen Intelligenz zu schließen, aber meine Großmutter stammte aus einer anderen, düsteren Zeit. Darum soll es allerdings heute nicht gehen. Sondern um meiner Meinung nach tatsächliche Dummheit, die einem ins Gesicht geschrieben steht. Genau gesagt, die man sich ins Gesicht malt. Und nein, es geht hier nicht um eine Kritik am Schminken. Das kann jeder für sich halten wie er will. Sofern die Inhaltsstoffe unbedenklich sind, dürfte auch durch schminken keine Gefahr für die Gesundheit entstehen.

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Die Dummheit, auf die ich mich beziehe, hat dagegen deutlich Potential, die eigene und vor allem auch die Gesundheit anderer Betroffener negativ zu beeinflussen — obwohl die Befürworter das genaue Gegenteil behaupten.

Worum geht es? Eigentlich um einen Zug, der schon längst abgefahren ist. Als das Thema vor etwas über zwei Jahren durchs digitale Dorf geistert, ist das komplett an mir vorbei gegangen. Dabei war es selber nur ein Echo auf einen, wenn man so will, Vorfall. Das Buch, um das es vor zwei Jahren ging, erschien bereits 2010. Während bei Wein immer auch die Hoffnung besteht, er würde mit dem Alter besser werden, trifft das auf bestimmte Bücher nicht zu. Besonders dann, wenn es sich um pseudowissenschaftlichen Schund handelt.

Anders kann man das Buch „Homöopathie zum Aufmalen“ nicht bezeichnen. Erschreckend ist hier auch, dass auf dem Cover eine Mutter abgebildet ist, die ihrem Kind angeblich wirkende Zeichen auf die Wange gemalt hat. Das sind keine Zeichen, die helfen, sondern gefährlicher Unsinn.

Neue Homöopathie beziehungsweise die Körbler-Methode ist keine Informationsmedizin. Praktiken, die frei von jeglichen wissenschaftlichen Beweisen ihrer Wirksamkeit sind, sollten niemals als „Medizin“ bezeichnet werden. Der Begriff „Information“ ist hier auch fehl am Platz, lässt er doch so was wie Wissen und Aufklärung statt Irrglauben vermuten.

Das man seinen Körper über aufgemalte Zeichen programmieren kann, ist Humbug! Wenn ich Sätze wie diese lese

Körbler hatte entdeckt, dass geometrische Formen, auf die Haut aufgemalt, die Wirkung von Antennen entwickeln. Die aufgemalten Zeichen befinden sich dabei ganz exakt an der Grenze zwischen der letzten sichtbaren Ebene des materiellen Körpers, der Haut, und dem Energiekörper, der für uns nicht mehr sichtbaren Ebene.

wird mir ganz anders. So was wie ein Energiekörper existiert nicht. Geometrische Formen, die Antennen für was auch immer sein sollen, sind Unfug. Gefährlicher Unfug, wenn man damit Kinder „behandelt“ und ihnen den Zugang zur etablierten Schulmedizin versagt.

Wenn man sich beispielsweise ein Sinuszeichen auf den Körper malt, ist das Einzige, was man ins Gegenteil umkehrt, die bisher erworbene Schulbildung.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren