Die Milch macht nichts

Die Milch macht nichts

Streamingvideo in Kombination mit T-Home Entertain hat einen großen Nachteil. Eigentlich eher ein Luxusproblem. Man hat mehr Filme und Serien zu ansehen, als einem Zeit zur Verfügung steht — zumindest bei uns im Haushalt, da wir noch andere Freizeitaktivtäten haben als auf der Couch zu gammeln.

Unser Media Receiver ist mittlerweile wider bis zum Rand gefüllt. Obwohl er erst vor einem halben Jahr getauscht wurde (und die Festplatte damit leer war) und obwohl wir auch noch in der T-Cloud aufnehmen. Er ist deshalb voll, weil wie zwar tolle Filme und Dokumentation von arte aufnehmen, aber nicht dazu kommen, sie uns auch anzusehen. Immer kommt irgendwas neues auf Netflix und manchmal, wie vor Weihnachten, schauen wir uns auch noch ältere Serien (Firefly) an.

artemtation / Pixabay

Wie dem auch sei, für eine Dokumentation am vergangene Dienstag, die auf arte gesendet wurde, änderten wir unser Verhalten. Statt aufzunehmen sahen wir uns das ganze live an. Wahnsinn, es ist schon länger her das wir so was getan haben (Apple Keynote zählen hier nicht). Die Dokumentation selber war dann aber nicht so der Wahnsinn. Thema des Abends war „Milch“. Im ersten Beitrag um 20.15 sollte ein kritischer Blick auf die Kampagnen der Milchindustrie geworfen werden.

Das Milch eigentlich ein Genussmittel und kein Lebensmittel ist, davon bin ich schon lange überzeugt. Kuhmilch ist vom Prinzip her für Kälber gedacht. Die Zusammensetzung entspricht dem, was die Tiere zum wachsen benötigen. Und nicht die Menschen. Ich persönlich vertrage ganz frische Milch nicht mehr so gut. Wir verwenden Milch zu Hause eigentlich nur im Kaffee und greifen dort zu ESL-Milch. Die hält länger (wir brauchen ja nicht so viel) und ist meiner Meinung nach verträglicher.

Was die Milch an sich angeht, ist Laktosetolleranz eigentlich ein Gendefekt. Unverträglich ist hier eher der Normalzustand. Je stärker die Milch verarbeitet wird, desto verträglich ist sie. Sie wird durch die Verarbeitung quasi vorverdaut. So wird bei der Herstellung vieler Käsesorten Lab (aus Kälbermägen) verwendet.

Zurück aber zur Dokumentation. Es wurden ein paar Argumente gegen sie und ein paar für sie präsentiert. Mehr nicht. Kein wirkliches Abwägen. Vor allem aber keine neuen Argumente. Interessant war lediglich, dass die Gegner der Milch sich beharrlich gegen wissenschaftliche Studien sträuben.

Gefallen hat mir der Bio-Bauer. Auf seinem Hof wird Milch produziert und die Kuh als Lebewesen respektiert. Zustimmen kann ich auch der These, dass nicht die Milch in erster Linie krank macht, sondern das was in ihr ist. Anders: was in sie durch die Fütterung reinkommt. Wenn man oben nur Industriefrass statt Gras rein kippt, kommt unten nicht das Qualitätsprodukt heraus, für das man die Milch lange hielt. Eine artgerechte Haltung und Fütterung führt also zu besseren und verträglicheren Milch. Die Milch macht nichts, sondern die Haltung der Kühe ist entscheidend.

Auf einem ganz anderen Blatt (und in dieser Hinsicht gebe ich den Kritikern recht) steht die übertriebene Werbung für Milch. „Die Milch macht`s!“ kenne ich auch noch von früher. Über die Grundschulzeit hinaus kenne ich die Schulmilch. Ganze Klassen wurden mit Milch und Kakao versorgt, wer nichts bestellt, wurde komisch angeschaut. Es gab sogar Schüler, die den Kasten mit den Milch- und Kakaotüten für die Klasse vom Hausmeister abholten und wochenweise das Geld einsammelten.

Für Quatsch halte ich auch „die Extraportion Milch“ und ähnliches. Wie bereits geschrieben, für mich ist Milch ein Genussmittel. Verarbeitet Milch in Form von Käse lass ich als Nahrungsmittel gelten und gehört zu einer ausgewogenen Ernährung. Persönlich habe ich mich auch sehr gefreut, dass sich der Mythos „Butter ist schädlich“ endlich erledigt hat. Schädlich ist es immer dann, wenn man imitierte Produkte zu sich nimmt. Als zum Beispiel Margarine — man muss sich hier nur mal ansehen, wie und woraus sie gemacht wird. Gleiches gilt im Übrigen auch für viele gegange Produkte.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren