Cuba Libre!

Cuba Libre!

Eine etwas makabere Überschrift für einen Nachruf, zugegeben. Wenn aber jemand mit über 90 Jahren stirbt, den man nicht gekannt hat, fällt mir mitunter schon wenig dazu ein. Wobei, ganz stimmt das nicht. Fidel Castro sollte vielen, nicht nur aus meiner Generation ein Begriff gewesen sein.

Für lange Jahre war er der Máximo Líder in Kuba. Ihm und seinen Mitkämpfern gelang es, 1959 den Diktator in Kuba zu stürzen. Verbunden mit ihm ist unweigerlich auch immer ein Name, eine Person, die es wie keine andere schaffte, posthum zur (T-Shirt) Ikone zu werden: Che Guevara
Der ist allerdings schon lange tot, während Fidel Castro erst vergangen Woche starb. Dabei war er die letzten Jahre nicht mehr Staatspräsidenten und Revolutionsführer, sondern Rentner und eine Art innerer Oppositionsführer, der seinen Kampfuniform samt Mütze gegen einen Trainingsanzug getauscht hatte und die Regierungsgeschäfte seinem jüngeren Bruder überließ. Zu Wort meldete er sich trotzdem immer wieder.

Patrizia08 / Pixabay

Mann kann über seinen Rückzug spekulieren — oder ihn zumindest dafür bewundern, denn Menschen die wissen wann es an der Zeit ist aufzuhören, sind mit zunehmender Macht selten.

Nach dem Tod von Fidel Castro stellt sich die Frage, was sich ändern wird. Wie die Zeit nach ihm aussehen wird. Aber eigentlich stellt sie sich eben nicht, die die Ära Fidel Castro war bereits vorbei, endet mit seinem Rücktritt und mit den winzigen Reformschritten seines Bruders. Mit den Versuchen der Annäherung an die USA — dessen Früchte vermutlich ein US-Präsident Trump zertrampeln wird.

Für mich war Kuba eine Vorstellung im Kopf. Ein Rhythmus, farbintensive Bilder. Schon lange hatte ich mir gewünscht, Kuba zu bereisen bevor sich alles verändert. Bevor aus dem Land eine Art Revolutionspark im Disneyland Stil wird. Es ist zu befürchten, dass ich genau diese Chance verpasst haben. Warum ich aber Kuba besuchen wollte, ist mir selber nicht ganz klar.

Was wollte ich sehen? Fidel Castro? Funktionierenden Sozialismus? Gesehen hätte ich ersten nicht und zweitens wohl eher ziemliche Armut. Beurteilen ob Castro wirklich einen menschenfreundlichen Sozialismus verwirklichen wollte, kann ich nicht. Vor allem nicht aus der Ferne. Ihn jetzt zu fragen ist zu spät — und abgesehen davon hätte ich wohl bei die Möglichkeit gehabt.

Was man in Kuba sehen konnte und vermutlich auch noch eine ganze Zeit lange sehen kann: gescheiterter Sozialismus. Was zur Frage führt, ob die beiden Wörter nicht untrennbar miteinander verbunden sind. Auf der Erde gab es nie und wie es nie einen Sozialismus geben, ein Paradies ist. Es fehlt die Grundvoraussetzung, denn wir sind alle nur Menschen. Mit unsern Fehlern, unserem Neid und dem Streben, uns über andere zu erheben.

Fidel Castro wurde katholisch erzogen, wandte sich aber im Laufe seines Lebens von der Kirche ab nur gegen Ende wieder den Schulterschluss zu suchen. Möglich, dass er jetzt nach seinem Tod eben jenes Paradies gefunden hat, was er mit dem Sozialismus selber nicht errichten konnte.

Wie es mit Kuba weiter geht, hängt nicht allein von Kuba ab, sondern wie schon häufig in der Geschichte des Landes von anderen, größeren und mächtigeren Ländern ab. Cuba Libre? Wird wie immer nur ein Getränk bleiben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren