Beerdigungsrituale

Beerdigungsrituale

Es wäre gelogen würde ich sagen, ich hätte den Tod meines Onkels Mitte Mai überwunden. So was überwindet man nicht, es bleibt in einem. Es verheilt auch nichts, aber man lernt auf die eine oder andere Weise damit umzugehen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass es einen geliebten Menschen nicht mehr gibt.

Mich tröstet ein Stück weit die Überzeugung, der Verstorben lebe in der Erinnerung weiter. Was den Glauben, insbesondere meinen Glauben an ein Leben nach dem Tod angeht, nun, dazu passt am besten ein Facebook Status: „Es ist kompliziert“. Es wird auch nicht einfacher, wenn man wie ich kein regelmäßiger Kirchgänger ist, sondern die Sache mit sich und dem Chef selber glaubt ausmachen zu können.

MichaelGaida / Pixabay

Mein Vorstellung von Gott? Nachsichtig mit uns Menschen, verzeihen, tolerant aber ein Stück weit auch ein Autist, der sich um das, was auf Erden passiert, im Großen und Ganzen nicht kümmert. Ein Gott, der einen auffangen kann, der sich aber nicht einmischt. Einer, der zu groß ist als das Fragen nach dem Warum und dem Wie greifen könnten.

Über meine Glaubensvorstellung wollte ich aber eigentlich nicht schreiben. Sondern über etwas, was mir bei der Beerdigung meines Onkels aufgefallen war. Im Vorfeld, in der Diskussion mit meinem Bruder und seiner Frau, fand ich es sogar ungewöhnlich, befremdlich. Als ich es dann erlebte, fühlte es sich richtig und gut an. Besser sogar als das, was ich bis dahin kannte.

Der Ablauf, den ich bisher kannte, sah wie folgt aus. Zuerst die Trauerfeier für den Verstorbenen in der Kirche, dann die Beerdigung mit Ansprache am Grab und abschließend der Leichenschmaus — Kaffee und Kuchen in einer nahegelegenen Gaststätte mit den Trauernden.

Der Ablauf bei meinem Onkel war anders, wohl auch bedingt durch die evangelische Kirchengemeinde in Brünen. In der Kapelle mit dem aufgebahrten Sarg gab es einleitende eine Ansprache des Pfarrers. Dann folgte die Begleitung zur letzten Ruhestätte auf dem Friedhof und Abschied von meinem Onkel. Danach ging es jedoch in die Kirche, zum Trauergottesdienst.

Das was mir vorher so fremd vorkam, empfand ich als ungemein tröstend, auffangend. Der Gottesdienst unmittelbar nach der Beisetzung bildet eine wichtige Brücke — auch für die Hinterbliebenen zurück ins Leben. Erst nach dem Gottesdienst ging es zum Leichenschmaus, der weniger erdrückend wirkte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren