Der ewige Bundespräsident

Der ewige Bundespräsident

Gestern ist im Alter von 94 Jahren Richard von Weizsäcker gestorben. Von 1984 bis 1994 war Weizäcker Bundespräsident gewesen. Für mich wie wohl auch viel viele andere Menschen in Deutschland war er der Bundespräsident. Jemand, der auch noch nach seiner regulären Amtszeit das mahnende Gewissen der Republik blieb. Der Fußstapfen hinterließ, die für seine Nachfolger im Amt viel zu groß waren. Erst mit Gauck, so zumindest meine Meinung, gibt es wieder jemanden mit ähnlichem Format.

Als Weizsäcker Bundespräsident wurde, war ich 13 Jahre alt — am Ende seiner Amtszeit 23. Damit hat dieser Bundespräsident ein weites Stück meiner politischen Bewustwerdung begleitet. Die CDU-Mitgliedschaft von Weizsäcker spielt während seiner Amtszeit als Bundespräsident nur eine marginale Rolle. Er schaffte es, parteiübergreifend zu wirkend, staatstragend zu sein. Seine Sympathiewerte in der Bevölkerung bleiben auch nach 1994 hoch.

Wie nur wenige andere seiner Generation stand er für Frieden und Freiheit, trotz oder gerade wegen seiner Biographie. Überzeugt von Europa war er es, der im Schatten von Helmut Kohl an der Vereinigung der beiden deutschen Staaten auf seine Weise mitwirkte. Seine moralische Integrität wir diesem Land genauso fehlen wie sein wacher Geist.

Seine vor 30 Jahren ausgesprochenen Worte

Die Bitte an die jungen Menschen lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder Türken,
gegen Alternative oder Konservative,
gegen Schwarz oder Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

sind immer noch aktuell, gerade in den letzten Monaten. Diese Worte zu verinnerlichen, sich danach zu richten, heisst ihn zu ehren und nicht zu vergessen.

Für mich bleibt er auch über seinen Tod hinaus der Bundespräsident, der mich am meisten geprägt hat.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren