Abschiede können auch leichter fallen

Abschiede können auch leichter fallen

Mit Watchever habe ich in den letzten Monaten Höhen und Tiefen erlebt. Jetzt zu sagen, ich wäre an einem toten Punkt angelangt, trifft es in keiner Weise — und dennoch wäre die Aussage nicht unberechtigt. Am einfachsten wäre es wohl, von einer Ermüdung zu sprechen. Wie bei vielen Dingen ist jedoch die einfachste Erklärung selten die beste.

watchever-08-2014
Schade, es war eine schöne Zeit

Ohne Zweifel, ein Streamingvideo-Dienst wie Watchever ist eine feine Sache. Rund um die Uhr, überall wo Internet verfügbar ist, einen Film oder eine Serie schauen zu können, ist Luxus. Bei Watchever sogar ein bezahlbarer. Tatsächlich ist es jedoch bei mir so, dass ich eher selten rund um die Uhr auf das Filmangebot zurück greife. Vor allem immer zu Hause. Ich habe noch keinen Film wirklich unterwegs angesehen. Im Zug lese ich Bücher. Andere Ort, wo ich mich aufhalte und dabei Berieselung bräuchte, gibt es nicht. Ab und an haben meine Frau und ich Watchever mit ins Bett genommen, sprich wir haben die Beine hochgelegt und zusammen auf dem iPad einen Film geschaut. Den Rest im Wohnzimmer auf dem Fernseher mittels Apple TV.

Bekanntlich hat der Tag nur 24 Stunden, mit denen man entsetzlich gut haushalten muss. Jeden Tag den Fernseher anzumachen entspricht nicht meiner Gewohnheit. Zudem sollte ich eigentlich mein Schreiben in den privaten Fokus rücken und gar kein Fernsehen schauen. Es gibt aber Tage, da kann man sich zu nichts aufraffen — kennt jeder. Aus dem Gesamtangebot von Watchever haben meine Frau und ich die Top-Filme und Serien, die uns wirklich brennend interessieren, bereits gesehen. Ganz neue Filme gibt es bei iTunes zum ausleihen, wovon wir auch regen Gebrauch machen. Serien wie Star Trek: Raumschiff Voyager wären noch interessant, aber der Gedanke, dass wir bei 700 Stunden Umfang für alle Staffeln bei unserem Tempo mindestens bis Januar 2015 damit beschäftigt wären, wirkt für mich abschreckend. Zumal es ein anderes Zeitproblem bei Watchever gibt.

Argumente, die gegen Watchever sprechen
  • Konsum geht zurück
  • die interessanten Filme bereits gesehen
  • Entertain ist vorhanden und wird bezahlt
  • Druck ist wie beim Fernsehen da, etwas zu sehen, da es aus dem Angebot genommen werden könnte
  • Fehlende Zeit
  • Netflix — will zumindest ausprobiert werden

Auf Grund der erworbenen Lizenzrechte ist nicht jedes Angebot immer dauerhaft verfügbar. Wer Watchever kennt, weiss, dass es Filme und Serien gibt, die wieder aus dem Programm genommen werden. Bei mir erzeugt das einen leichten Druck, etwas rechtzeitig sehen zu müssen. Fernsehen und müssen sind für mich No-Gos. Aus diesem Grund schaue ich seit sehr langer Zeit (bis auf wenige Ausnahme) kein Live-Fernsehprogramm. Sofern es etwas interessantes gibt, wird es aufgenommen (mit der Einschränkung, dass wir nur öffentlich-rechtliches Programm ins Auge fassen). Da ich von der Telekom das Entertain Paket habe, ist das kein Problem. Hier kommt dann etwas ins Spiel, wo ich mich selber fragen muss, ob bei drei Möglichkeiten eines Unterhaltungsangebotes nicht mindestens eins zu viel ist.

Geliehen Filme zahlen wir nur dann, wenn wir sie ausleihen. Das geht entweder über iTunes oder auch über Entertain (da ist ein Film aber in HD 1 Euro teurerer…). Worum es also geht, ist die Verfügbarkeit eines „kostenlosen“ Angebots, eines Pools aus Filmen, den man ausschöpfen kann. Je länger ich darüber nachdenken, desto stärker schwingt das Pendel Richtung Entertain. Was ich sehen will, kann ich aufnehmen. Das Aufgenommen ist dauerhaft verfügbar (zumindest so lange der Platz auf der Festplatte des Receivers ausreicht). Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen deutlich mehr Sendungen, die ich interessant finde. Deutsches Krimis, vor allem aber Reportagen und Dokumentation (hier oute ich mich gerne als arte-Fan).

Durch die wirklich fantastische App TV pro 2 wurde mir so richtig bewusst, wie vielfältig allein das für mich interessante Angebot ist. Ein Angebot, welches ich bereits mehrfach bezahle — durch den „Rundfunkbeitrag“ genauso wie durch das Entertain Paket. Eine Flatrate wie sie mir Watchever bietet, brauche ich eigentlich gar nicht. Während ich gerade die letzten Zeilen schreibe, trifft die Bestätigung meiner Kündigung ein. Bis zum 13. September läuft das Abo noch. Eigentlich ein leichter Abschied, trotzdem blicke ich wehmütig zurück.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren